Eurobahn in der Kritik: Fahrt wird immer mehr zum Lotteriespiel

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Die Geduld von Gemeinde, Politik und Fahrgästen mit der Eurobahn ist ausgereizt. Die Mängelliste wird immer länger - und eine Besserung ist nicht in Sicht. Donnerstag wird Tacheles geredet.

Nordkirchen, Capelle, Ascheberg

, 05.12.2018, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einer Verbandsversammlung müssen die Verantwortlichen der Eurobahn Rede und Antwort stehen. Wie groß die Unzufriedenheit mit dem Unternehmen ist, wurde bereits am Dienstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Umwelt und ländliche Entwicklung deutlich. Für die CDU-Fraktion formulierte ihr Vorsitzender Markus Pieper deutliche Kritik an der Eurobahn. „Es kann kein Lotteriespiel sein, ob der Zug kommt oder nicht.“

Was er aber überhaupt nicht verstehe, dass die Eurobahn ihre potenziellen Fahrgäste so schlecht informiere. Und Pieper hatte ein konkretes Beispiel.

Es geht um den RB 50 (Der Lüner), der zwischen Dortmund und Münster pendelt und somit auch in Capelle halten sollen. Tut er aber aktuell nicht, weil ein Schienenersatzverkehr eingerichtet ist. „Am gesamten Bahnhof ist kein einziger Hinweis darauf zu finden“, beklagte sich Pieper. Es gebe keine Plakate und keine Durchsagen. „Es ist eine Katastrophe.“ Dabei sei die Strecke Dortmund-Münster für die Menschen in der Region überaus wichtig.

Kritik an Informationspolitik

Eine Einschätzung, die Josef Klaas von der Gemeindeverwaltung absolut teilt. Klaas spricht von einer „permanenten Unpünktlichkeit. Oder es wird gar nicht gefahren.“ Wie Pieper kritisiert Klaas die Informationspolitik des Unternehmens. Der stellvertretende Verwaltungschef nennt als konkretes Beispiel, dass „unzureichend über das extra eingebaute Display am Bahnhof“ über Verspätungen oder Zugausfälle informiert werde. Auch auf der Internetseite des Unternehmens Keolis wünscht sich Josef Klaas aktuellere und detailliertere Informationen.

Die Unzufriedenheit über das Unternehmen Keolis und die von ihr betriebene Eurobahn ist nicht nur in Nordkirchen groß, auch die Gemeinde Ascheberg ist mit den Leistungen höchst unzufrieden. Ursprünglich war deshalb für Donnerstag, 6. Dezember, ein Termin zu dem Thema mit dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr und dem Unternehmen Keolis geplant, um den Druck zu erhöhen. Aschebergs Bürgermeister Dr. Bert Risthaus hatte im Vorfeld vor zu hohen Erwartungen gewarnt: Die Zuständigkeit liege nicht bei der Gemeinde, sondern der Zweckverband müsse Druck ausüben.

Tonlage eindeutig verschärft

Weil sich jetzt die Verbandsversammlung mit dem Thema beschäftigt, verzichtet die Gemeinde auf den Termin. Im Vorfeld ist die Tonlage allerdings deutlich verschärft worden. Längst wird auch öffentlich die Frage diskutiert, ob Keolis weiter der richtige Partner ist. Josef Klaas warnt allerdings vor einer vorschnellen Kündigung des Vertrages. Damit sei nicht automatisch eine Verbesserung der Situation garantiert. Er lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Situation derzeit absolut nicht akzeptabel sei und dringend verbessert werden muss.

Keolis kündigt auf ihrer Internetseite an, dass noch bis zum 8. Dezember der Streckenabschnitt zwischen Davensberg und Ascheberg gesperrt bleibt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet sei. Dieser Bus soll auch an der Haltestelle in Capelle halten. Doch die Bahnkunden erfahren davon vor Ort nach Aussage von Markus Pieper nichts. Und wer dann doch den Bus nutzt, müsse damit rechnen, später als geplant am nächsten Bahnhof anzukommen.

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