Selmer Straße: Asylbewerber ärgern sich über Müll

Mängel an Unterkünften

Bei einigen Asylbewerbern in Südkirchen herrscht Unmut über den teilweise schlechten Zustand ihrer Unterkunft an der Selmer Straße. Ärger herrschte zuletzt vor allem wegen überquellender Müllcontainer sowie feuchter und schimmliger Stellen in den Wohnungen. Ein junger Libanese schildert die Problematik.

NORDKIRCHEN

, 23.04.2015, 06:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Selmer Straße: Asylbewerber ärgern sich über Müll

Die beiden großen grauen Tonnen für Restmüll quollen in der vergangenen Woche über vor Abfallsäcken.

„Die Leute aus dem Dorf kommen hier vorbei und sprechen uns schon darauf an“, sagt der Asylbewerber, der lieber anonym bleiben will, in akzentfreiem Deutsch und deutet auf die Müllcontainer vor der Unterkunft mit der Hausnummer 1.

Der junge Mann sieht sich und die anderen Bewohner der beiden Häuser in einem falschen Licht dargestellt. Das Problem kann jeder auf den ersten Blick erkennen: Die beiden großen grauen Tonnen für Restmüll quollen in der vergangenen Woche über vor Abfallsäcken. Ähnlich sahen die gelben Tonnen und Papiertonnen aus.

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Seit Wochen soll die Müllabfuhr nicht mehr hier gewesen sein, beklagt der junge Mann, die Mülltonnen seien außerdem zu klein für die beiden Häuser. Dem Vorwurf, die Tonnen seien seit Wochen nicht geleert worden, widerspricht die Gemeinde. In einer Stellungnahme heißt es dazu: „Die Abfalltonnen der Unterkünfte Selmer Straße 1 und 1 a werden turnusmäßig geleert.“

"Keine Verzögerung bei der Leerung"

Diese Aussage bestätigt auch das Entsorgungsunternehmen Remondis. Es habe bei der Leerung der Container keine Verzögerungen gegeben, sagt Pressesprecher Michael Schneider auf Anfrage dieser Redaktion. Der Müll sei auch nicht stehengelassen worden, weil die Mülltrennung missachtet wurde, fügt Schneider hinzu.

Dann hätte man mit einem Hinweiszettel an den Containern darauf aufmerksam gemacht. Den gab es allerdings nicht. „Es kann natürlich sein, dass die Tonnen unterdimensioniert sind“, gibt der Pressesprecher zu bedenken. Helfen könnte auch eine höhere Leerungsfrequenz. Darauf müsse die Gemeinde Remondis allerdings erst aufmerksam machen, so Schneider.

Instandhaltungs-Budget liegt bei 20.000 Euro

Den Zustand der beiden Gebäude behalten, nach Aussage der Gemeinde, mehrere Stellen im Blick. Es gibt einen zuständigen Hausmeister, für die Unterbringung und Betreuung der Asylbewerber ist der Fachbereich Bürgerservice, Familie und Soziales zuständig, außerdem kümmert sich das Gebäudemanagement der Gemeinde um Reparaturen. Das Budget für die Instandhaltung liegt bei rund 20.000 Euro. Vor Ort sei man in unregelmäßigen Abständen oder bei Bedarf, heißt es weiter.

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Der Bedarf sei da, erklärt der junge Libanese und zeigt einige Mängel, auf die er und seine Familie die Gemeinde nach eigenen Aussagen bereits hingewiesen haben. Auf Knöchelhöhe neben der Wohnungstür fehlt der Putz. Die Stelle ist feucht und von dunkelbraunem Schimmel befallen. Die Familie fürchtet um ihre Gesundheit. „Wir erwarten wirklich keinen Luxus“, sagt der junge Mann, aber Schimmel an den Wänden könne doch nicht bleiben.

Eine Aufgabe fehlt

Das nächste Feuchtigkeitsproblem bahnt sich im Badezimmer an, wo seitlich unter der Duschwanne ein großes Loch klafft. Dort laufe das Wasser beim Duschen in die darunterliegende Wohnung. Ein ähnliches Problem könnte im Keller lauern, wo ein komplettes Kellerfenster fehlt.

Abseits solcher Mängel erfährt man von nahezu allen Asylbewerbern, dass vor allem eine Aufgabe fehlt. Über Monate keine Arbeit – das zermürbt, sagen die Hausbewohner. Über den Arbeitswillen freue sich die Gemeinde, heißt es aus der Verwaltung. Man versuche, den Asylbewerbern bei der Jobvermittlung zu helfen. Die endgültige Entscheidung liege aber letztlich bei der Agentur für Arbeit und der Ausländerbehörde des Kreises Coesfeld.

Schwierige Arbeitssuche
Für Asylbewerber besteht seit November 2014 ein dreimonatiges Arbeitsverbot in den ersten Aufenthaltsmonaten. Davor erstreckte sich das Verbot sogar über neun Monate. Auch nach den drei Monaten gelten für Asylbewerber verschärfte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt.

Sie müssen laut der unabhängigen Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ erst ein konkretes Arbeitsangebot finden und können anschließend dafür eine Arbeitserlaubnis bekommen, sofern es keine bevorrechtigten Bewerber für diese Stelle gibt. Zu dieser Gruppe gehören deutsche Staatsbürger und Migranten mit einer Arbeitserlaubnis.

Das Modellprojekt „Early Intervention“ der Bundesagentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) soll dabei helfen, qualifizierte Asylbewerber frühzeitig bei der Jobsuche zu unterstützen.

Dabei gehen Mitarbeiter der Arbeitsagentur in die Asylbewerberunterkünfte und erfassen gutausgebildete potentielle Arbeitskräfte.

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