Sind Bauernregeln für Landwirte noch wichtig?

Hof in Nordkirchen

„Je frostiger der Januar, desto freundlicher das Jahr.“ Für jeden Monat des Jahres gibt es Bauernregeln, die vor allem in den früheren Generationen das Leben der Landwirte begleitet haben. Ob die überlieferten Sprüche auch heute noch beachtet werden, erzählt Bäuerin Agnes Kleine-Weischer aus Nordkirchen.

NORDKIRCHEN

, 25.01.2017 / Lesedauer: 3 min
Sind Bauernregeln für Landwirte noch wichtig?

"Das ist die Berta": Bäuerin Agnes Kleine-Weischer kennt ihre 50 Milchkühe alle mit Namen.

„Bei meinen Eltern und Großeltern haben Bauernregeln noch eine große Rolle gespielt, ich bin mit den Sprichwörtern meiner Oma aufgewachsen.“ Die 68-jährige Kleine-Weischer kennt sich mit Familientraditionen aus: Ihre Familie besitzt den Bauernhof seit dem 16. Jahrhundert, der auch an der Straße "Weischerstraße" liegt.

Getreideanbau, später dann Mais- und Grünland-Felder – das Wetter ist für Landwirte ein wichtiger Faktor bei Aussaat und Erntezeit. Die 50 Milchkühe, die Agnes Kleine-Weischer alle mit Namen kennt, können aber auch kühles und frisches Wetter vertragen. Sie dürfen oft auf die Weide.

„Bauernregeln helfen uns aber nicht, auch wenn meine Oma sie manchmal zitiert hat“, sagt Agnes Kleine-Weischer und lacht. Ihre Großeltern hätten das Wetter genau beobachtet, dabei war die Windrichtung entscheidend. „Die Tiefs kommen ja meistens von Westen, ein stabiles Hoch kann man von Osten erwarten. Für die Ernte brauchte man schon ein paar gute Tage am Stück, weil alles von Hand gemacht wurde.“ Wurde die Zeit knapp, habe man sich gegenseitig geholfen.

Thermometer und Barometer als Hilfsmittel

Heute verfolgen Bauer Friedel Kleine-Weischer und seine Frau vor allem die Angaben des Deutschen Wetterdienstes. Und steht gutes Erntewetter an, ist heute ein ganz anderer Faktor entscheidend für den richtigen Termin: „Wann hat der Lohnunternehmer Zeit, mit seinem Häcksler vorbeizukommen?“ Denn wenn das Wetter passt, weiß die Bäuerin, wollen alle gleichzeitig ernten. Eine weitere Hilfe sind die vielen Thermometer und ein Barometer, die an verschiedenen Stellen des Bauernhofs angebracht sind.

Doch auch wenn Bauernregeln längst nicht mehr die Bedeutung von früher haben, ein wahrer Kern steckt oft drin, wie Agnes Kleine-Weischer erzählt. „Der Januar sollte in der Tat frostig und schneebedeckt sein, denn die Pflanzen brauchen ihre Winterruhe, um sich dann besser entwickeln zu können.“ Und die Regel „Ein feuchter März ist des Bauern Schmerz“ bewahrheite sich bei der Aussaat.

Und eigentlich haben Alma, Berta und die anderen Kühe auf ihrer Wiese ja auch sonniges Wetter viel lieber als Regen und Schnee.

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