So erlebt die gebürtige Waliserin Susan Limberg (63) aus Nordkirchen Europawahl und Brexit

rnEuropawahl 2019

Die Europawahl hätte für Susan Limberg eigentlich kein Thema sein sollen. Doch der Brexit ist aufgeschoben und die Briten dürfen nochmal wählen. Limberg hat eine klare Meinung zum Brexit.

Nordkirchen

, 25.05.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die Hoffnung hat, dass man das Thema „Brexit“ hierzulande nicht versteht, einfach aus dem Grund, dass man eben kein Brite ist, den muss Susan Limberg (63) enttäuschen: „Ich verstehe immer noch nicht, was da passiert“, sagt die gebürtige Waliserin, die seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. Wie beim Brexit-Theater selbst hat sich auch dabei seit drei Jahren eigentlich nichts geändert.

Kurz nach dem Brexit-Referendum 2016 und der Mehrheitsentscheidung der britischen Bevölkerung, die Europäische Union zu verlassen schüttelte sie ungläubig den Kopf über einen Großteil der Briten. Und sie ärgerte sich über die Brandstifter, die das Referendum angestoßen hatten, wie Boris Johnson und Nigel Farage.

Wahrscheinlich ihre letzte Europawahl

Aus heutiger Sicht ist es für sie umso unglaublicher, dass gerade Farage, der sich nach dem Brexit-Entschluss erst einmal von der politischen Bühne zurückzog, bereits in den Umfragen mit seiner Brexit-Partei bei der Europawahl vorne liegt.

Die Nordkirchenerin hat ihr Kreuz bereits gemacht und per Briefwahl abgeschickt. Susan Limberg geht davon aus, dass sie zum letzten Mal an einer Europawahl teilnehmen konnte. „Ich glaube, es wird einen Brexit geben“, sagt sie. Weil sie selbst noch die britische Staatsbürgerschaft hat, würde sie an zukünftigen Wahlen für das EU-Parlament nicht mehr teilnehmen.

Susan Limberg wird immer wieder darauf angesprochen

Theresa Mays am Freitag verkündeter Rücktritt hin, eine mögliche Abstimmung über ein zweites Referendum her. Zu viele ihrer Landsleute wollen offensichtlich nicht mehr Teil der EU sein.

Warum, das fragt sich Susan Limberg selbst. Sie wird es aber auch immer wieder gefragt. „Die Leute sprechen mich ständig auf das Thema an und fragen danach“, erzählt sie und zuckt mit den Schultern. In einer Zeit, in der gefühlte Wahrheiten für viele Menschen schnell zur Argumentationsgrundlage werden, scheint alles möglich. „Die Leute hatten das Gefühl, dass zu viel aus Brüssel bestimmt wird“, erklärt Susan Limberg und argumentiert gleich dagegen.

Leute sehen positive Auswirkungen der EU nicht

Diese Leute würden allerdings nicht sehen, welche positiven Auswirkungen die Europäische Union auf Großbritannien hatte. „Ich kann mich erinnern, als in den 70er-Jahren in Nordirland Stacheldrahtzäune durch die Straßen führten und Katholiken und Protestanten voneinander getrennt haben“, so Limberg. Dass dieser Konflikt nach und nach beigelegt werden konnte, sei eines der Beispiele dafür, wie wichtig die EU für die Briten sei, sagt die Nordkirchenerin.

Eine unschöne Überraschung erlebte sie vor Kurzem, als sie Post vom Kreis Coesfeld bekam. Die Nachricht: Im Falle eines ungeordneten Brexits habe sie sich innerhalb von drei Monaten zu melden. Es geht um ihre Aufenthaltsgenehmigung.

Vielleicht ein Weg zurück?

Ein zweites Referendum hält Susan Limberg für unwahrscheinlich. Ansonsten glaubt sie, dass vieles möglich ist. Ein ungeordneter Brexit zum Beispiel.

„Über die Handelsbeziehungen machen sich viele Leute in England Sorgen“, sagt Limberg, die gemeinsam mit ihrer Familie einen Schlosserei- und Landmaschinenbetrieb in der Schlossgemeinde betreibt. Über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits hätten sich vor dem Referendum zu wenige Briten Gedanken gemacht.

Bei einem der letzten Besuche in ihrer Heimat habe ihr Mann den Bekannten am Esstisch gesagt, dass es durchaus möglich wäre, dass Großbritannien sich auch nach dem Brexit noch einmal umentscheiden könnte. Am Tisch saßen auch einige Brexit-Befürworter, erzählt Susan Limberg. Der Vorschlag sei zwar nicht gut angekommen, sagt sie und lacht. Doch es sei durchaus ein denkbares Szenario. Sozusagen der Bre-re-entry.

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