So kämpft die DLRG für ein neues Hallenbad

Schwimmen in Nordkirchen

Der 26. Juli ist ein entscheidender Tag gewesen für das, was die Mitglieder der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Nordkirchen in den vergangenen Wochen getan haben: Sie haben den Kampf eröffnet für ein neues Hallenbad. Denn im Juli schloss das alte. Was ist seither passiert?

NORDKIRCHEN

, 15.01.2016, 11:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
Julian Grenz ist Vorsitzender der DLRG Nordkirchen. Er gibt sich kämpferisch und will ein neues Hallenbad für Nordkirchen - nicht nur für die DLRG, sondern auch für die Bürger und die Ausbildung der Kinder.

Julian Grenz ist Vorsitzender der DLRG Nordkirchen. Er gibt sich kämpferisch und will ein neues Hallenbad für Nordkirchen - nicht nur für die DLRG, sondern auch für die Bürger und die Ausbildung der Kinder.

Nur mit Hilfe des Nachbar-Hallenbades in Herbern' type='' href='http://www.herbern.de/6x2x7.xhtml konnte die DLRG Nordkirchen' type='' href='http://nordkirchen.dlrg.de/ überhaupt gewährleisten, dass die Nordkirchener Vereinsmitglieder – fast alle unter 18 Jahre alt – noch schwimmen und trainieren können. Die jungen Lebensretter können dort samstags von 8.45 bis 11 Uhr das Bad nutzen. Dafür seien sie auch sehr dankbar, sagt Julian Grenz, der dem DLRG-Team vorsteht; auch wenn es eine „schwierige Zeit“ wäre. Wer von den jungen Leuten hat schon Lust, auch samstags so früh aufzustehen wie in der Woche? „Viele sind dann von der anstrengenden Woche noch sehr müde“, erklärt Grenz.

Immer weniger Mitglieder

Trotz der Ersatzzeiten in Herbern: Die Zahl der Mitglieder sank in den vergangenen Monaten deutlich. Bei 137 lag sie im abgelaufenen Jahr schon einmal, davon 121 Minderjährige. Inzwischen sei man bei etwa 100 angelangt, berichtet Grenz. „Der Altersdurchschnitt liegt bei elf Jahren“, sagt er, um zu unterstreichen, was hier geleistet wird: wertvolle Kinder- und Jugendarbeit. Ganz weggefallen sind die Schwimmkurse, die die Aqua Park GmbH im Hallenbad angeboten hat – denn das Schwimmenlernen bis zur Abnahme des Seepferdchen-Abzeichens war seit jeher das Geschäft des Schwimmmeisters. Die DLRG durfte dann immer ab der Vorbereitung auf Bronze an die Kinder herantreten. Nur: Wer bringt den Kindern jetzt das Schwimmen bei?

Erschreckendes Ergebnis

Die DLRG veranstaltete ein kleines Gewinnspiel in Nordkirchen: Sie befragte die Menschen auf der Straße, was sie glauben, wie viel Prozent der Kinder in Deutschland heute nicht richtig schwimmen können. Laut DLRG-Definition muss man dafür 200 Meter am Stück schaffen, also etwa die Anforderungen für das Bronze-Abzeichen erfüllen. Die Nordkirchener, die mitmachten, schätzten die Quote im Durchschnitt auf 22 Prozent. Laut einer Studie, die Grenz in der Vorstandssitzung diese Woche im Plettenberger Hof zitierte, läge sie in Wahrheit bei 66,7 Prozent – also weit gefehlt. „Eltern überschätzen die Schwimmfähigkeit ihrer Kinder“, heißt es in einem Bericht des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft von 2014.

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Grenz berichtet von einem Gespräch mit einem Kind bei einer der DLRG-Aktionen (siehe hier), das ihn besonders beeindruckt habe: „Ich kann nicht schwimmen. Aber dann fehlt mir doch etwas im Leben“, seien die Worte gewesen. Er bringt die Problematik auf den Punkt: „Wo sollen die Kinder schwimmen lernen, wenn nicht hier?“ Eltern könnten ihre Kinder im Urlaub nicht bedenkenlos im Meer oder im Pool planschen lassen. Auch in ein Freizeitbad könne man kaum mehr fahren, ohne Sorgen zu haben. Die Schwimmausbildung sei eine wichtige motorische Schulung in der Entwicklung eines Kindes.

Natürlich: Es geht ums (fehlende) Geld

Die Gemeindeverwaltung sieht die Probleme, die Politik sieht sie auch. Bürgermeister Dietmar Bergmann soll selbst oft früh morgens im Bad geschwommen sein. Ziel ist eigentlich der Bau eines neuen Schwimmbades. Denn das alte zu sanieren und renovieren, sei einfach zu teuer – vor allem in der anschließenden Unterhaltung, zum Beispiel die Wasser-Heizkosten. Dafür muss aber auch Geld da sein: Die kommunale Kasse Nordkirchens hat die höchsten Schulden pro Kopf im – allerdings finanziell ziemlich gesunden – Kreis Coesfeld. Bei 22 Millionen Euro lag die Schuldenlast zum Jahresende 2014, das sind rund 2200 Euro pro Einwohner. Dülmen lag auf Rang zwei im Kreis Coesfeld, allerdings mit rund 1000 Euro pro Kopf weniger Schulden.

In der Not eben Trockenübungen 

Die DLRG kann seit dem Herbst in Herbern trainieren. Bis zum Beginn des Samstagstrainings hielten sich die Lebensretter mit anderen Aktionen während der Trainingszeiten der Kinder „über Wasser“: Die Gruppenleiter machten mit ihren Kindern Spiele auf dem Trockenen. „Die Eltern zahlen ja ihre Vereinsbeiträge“, so Julian Grenz. Darum müsse man etwas bieten. „Mittwochsaktion“ hieß das. Mit Schwimmenlernen hatte es aber nichts zu tun.

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Am Samstag, 23. Januar, will die DLRG vor den Bürgern noch einmal deutlich werden: Die Jugendlichen und vorwiegend jungen Erwachsenen werden Unterschriften sammeln. Boote, Bullis, Menschen in DLRG-Uniform werden an Lebensmittelgeschäften stehen und die Menschen informieren. Und sie um eine Unterschrift bitten: für ein neues Hallenbad.

„Ja, ein Hallenbad ist teuer“, sagt Grenz. „Aber Schulen sind auch teuer, und deren Existenz zweifelt niemand an.“ Unsere Gesellschaft wird älter – und wenn man älter würde, dann könne man wegen häufig auftretender Gelenksschmerzen oft nur noch einen Sport treiben: Schwimmen. 

 

Die Aktionen der DLRG bisher im Anschluss an die Hallenbad-Schließung' type='' href='http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/nordkirchen/Nach-Schliessung-in-Nordkirchen-DLRG-und-Taucher-kaempfen-fuer-ihr-Hallenbad;art1054,2793706:

  • Besuch einer Ausschusssitzung und Gespräche mit der Politik bei einer Bad-Begehung
  • Spendenbox-Aktion mit dem Hallenbad-Förderverein als symbolische Geste: Wir beteiligen uns mit einem kleinen Beitrag an einer möglichen Finanzierung.
  • Info- und Aktionsstand auf dem Herbstmarkt
  • Gewinnspiel im November in Zusammenarbeit mit dem Schuh- und Sportgeschäft Bomholt
  • Vorsitzender Julian Grenz besuchte Grundschulen und die Gesamtschule, um über die Bedeutung des Schulschwimmens aufzuklären, und sprach mit Eltern der Kindertagesstätten. „Viele Eltern erlebten dabei einen Aha-Effekt“, sagt Grenz.
  • 30 Unterschriftenlisten lagen in Nordkirchener, Südkirchener und Capeller Geschäften aus.
  • Weitere Unterschriftensammlungen beim Weihnachtssingen in Capelle und beim Weihnachtsbaumverkauf der Raiffeisen.
  • In der kommenden Woche folgt eine von der Hochschulleitung genehmigte Unterschriftensammlung an der Mensa der Fachhochschule für Finanzen.
  • Die letzte Unterschriften-Sammelaktion ist für den 23. Januar vorgesehen: Dann stehen DLRG-Mitglieder an den großen Supermärkten der drei Ortsteile, um zu informieren.
  • Auch der Tauchsportverein und der Förderverein sind aktiv im Kampf um den Erhalt des Bades. Der 2012 gegründete Verein Wasserfreunde Nordkirchen trainiert derzeit laut Angabe auf seiner Homepage in Lüdinghausen. 

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