So soll es für den Feldhasen wieder aufwärts gehen

Fragen und Antworten

Der Hase hat es in Nordkirchen schwer. Der Mensch verdrängt ihn immer weiter aus seinem natürlichem Lebensraum. Eine Entwicklung, die der Naturschutzbund NRW landesweit feststellt. Wie lässt sich etwas ändern - und was tun Jäger und Landwirte in Nordkirchen dafür? Wir stellen die wichtigsten Fragen und geben Antworten.

Nordkirchen

, 01.04.2015, 06:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neue Lebensräume für den Feldhasen - gemeinsam wollen Landwirte und Jäger in Nordkirchen versuchen, diese zu schaffen.

Neue Lebensräume für den Feldhasen - gemeinsam wollen Landwirte und Jäger in Nordkirchen versuchen, diese zu schaffen.

Wie geht es dem Hasen in Nordkirchen? Das hängt vom jeweiligen Jagdgebiet ab, sagt Heinz Perrar, selbst Jäger und Obmann des Hegerings Nordkirchen für Natur- und Umweltschutz. In einigen Gebieten, wie dem Bereich Ichterloh, gehe es den Hasen zum Beispiel gut. Dort habe man bis 2012 durchschnittlich 50 bis 100 Tiere pro Jahr gezählt. Im Gebiet Hirschpark Ost hingegen seien es nur 5 gewesen, so Perrar.

Woran liegt das? Das hat mit dem Lebensraum des Feldhasen zu tun. Die Tiere brauchen zum Überleben ganz bestimmte Bedingungen. Hasen graben sich nicht ein, sondern hocken ganzjährig im Freien in der sogenannten Sasse, erklärt Perrar. Dort brauchen sie einerseits Schutz vor Raubtieren und der Witterung, zum Beispiel durch Gras oder Hecken und Sträucher, andererseits müssen sie ihre Umgebung überblicken können. Durch die Flurbereinigung, also die Neuordnung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen, gibt es zwischen Feldern allerdings kaum noch schützende Hecken- oder Strauchbereiche, wo sich Hasen verstecken können. Hinzu kommt die intensive landwirtschaftliche Nutzung. Der Naturschutzbund (Nabu) NRW zum Beispiel beklagt, dass der Mensch den Feldhasen durch Dünger, Pestizide und Erntemaschinen immer weiter unter Druck setze. „Wir kämpfen deshalb für eine naturverträgliche Landwirtschaft, aber das geht nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten und Jägern“, erklärt Nabu-NRW-Sprecherin Birgit Königs.

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Helfen die Landwirte und Jäger in Nordkirchen dabei? Teils teils. Die Europäische Union fördert Programme, die unter anderem neuen Lebensraum für den Hasen und anderes Niederwild, wie Fasane oder Rebhühner schaffen sollen. Eines ist das Ackerrandstreifenprogramm. Dabei verzichten Landwirte auf Teile ihrer Nutzfläche und lassen dort Wildkräutergesellschaften wachsen. Diese bieten den Tieren Schutz und eine Nahrungsgrundlage. Daran beteiligen sich auch Nordkirchener Landwirte, sagt Heinz Perrar.

Warum machen das nicht alle Landwirte? Weil ihnen dadurch Ertrag verlorengeht. Zwar gibt es , wie beschrieben, Geld von der EU, das gleicht den Verlust aber nicht komplett aus. Am Ende lassen sich solche Programme nur umsetzen, so Perrar, wenn die Jäger mit an Bord sind und die Differenz aus eigener Tasche zahlen. Für diese sogenannte Wildackerbewirtschaftung seien das am Beispiel Ichterloh zuletzt etwa 2500 Euro gewesen, erklärt Perrar. Das sei nicht für alle Jäger attraktiv, sagt der Hegerings-Obmann. Daher ergeben sich auch so unterschiedliche Zahlen bei der Hasenpopulation zwischen einzelnen Jagdgebieten in Nordkirchen.

Unterscheidet sich Nordkirchen vom Rest von NRW? Im Grunde nein. Der Nabu spricht auf das gesamte Land bezogen von sinkenden Zahlen. Anhand der Jagdstrecke der letzten Jahre lasse sich ein Rückgang der Hasenpopulation um etwa 50 Prozent festmachen, erklärt Birgit Königs.  

Anmerkung: Es gibt keine Zahlen, wie viele Feldhasen es genau in NRW gibt, sondern nur die Zahlen der gejagten Tiere (siehe Grafik), auf deren Grundlage dann auf die Population geschlossen wird. "Fallwild" bezeichnet Tiere, die nicht von einem Jäger erlegt wurden - also besipielsweise starben, weil sie von einem Auto angefahren wurden.

 

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