Spende für das Backhaus in Nordkirchen: Ein etwas anderer Unterrichtsort

rnKinderheilstätte

Nicht nur Theorie, sondern erlebbarer Unterricht: Das streben die Lehrer in der Maxi-Förderschule in Nordkirchen an. Einen Raum für Hauswirtschaftslehre - und etwas Geschichte - bietet das Backhaus.

Nordkirchen

, 06.09.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der große Holztisch in dem kleinen Häuschen liegt voll mit verschiedenen Back-Utensilien. Gärkörbchen aus unbehandeltem Weidenholz liegen da, große Schüsseln zur Teigproduktion, Messbecher, Schneidebrettchen, ein gusseiserner Bräter und große Auflaufformen. Von einer Spende der Nordkirchener Volksbank hat die Kinderheilstätte in Nordkirchen diese Utensilien angeschafft: für das Backhaus, das im Garten auf dem großen Gelände der Einrichtung steht.

„Das ist wirklich keine Kleinigkeit und nicht selbstverständlich“, betont Berthold Steinhoff. Er ist Lehrer an der Maxi-Schule in Nordkirchen. Zweimal in der Woche, so erzählt er, läuft der Ofen im Backhaus. Dann kommen Schüler aus der Berufspraxisstufe der Förderschule zum Backen in den Garten. Es ist Teil ihres Hauswirtschaftsunterrichts. Praxis- und naturnah - so ist der Ansatz dabei. Eine Mischung aus Theorie und erlebbarem Unterricht.

Spaltäxte zum Holzhacken

Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 gehen einkaufen, machen Teig nach Rezept. Sie feuern den Ofen sogar selbst an. Von der 1000-Euro-Spende hat die Kinderheilstätte deshalb auch zwei hochwertige Spaltäxte zu Holzhacken angeschafft. „Damit müsst ihr aber vorsichtig sein“, sagt Gisela Stöver te Kaat, die sich in der Kinderheilstätte um das Sozialmarketing kümmert. „Ich kenne das“, entgegnet ihr der 18-jährige Pascal abgeklärt. Genauso wie Vanessa (17) hat er sich viel Unterrichtszeit im Backhaus verbracht.

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Was sie dort so alles gezaubert haben? Die Liste ist lang. An erster Stelle steht natürlich das Brot - 15 bis 18 Laibe entstehen an einem Backtag. Bekannt in der Einrichtung ist auch schon der Butterkuchen aus dem Backhaus. „Letztens haben wir auch Rosmarin-Kartoffeln gemacht“, erzählt Pascal. Zucchini gab es schon aus dem Bräter oder Flammkuchen von Blech.

Engagement von Lehrer und Spendern

Es ist mehr als 15 Jahre her, so erinnert sich Berthold Steinhoff, dass das Backhaus im Schulgarten erbaut wurde. Die Idee geht zurück auf den mittlerweile pensionierten Lehrer Paul Bogade, der sich damals sehr für das Backhaus einsetzte. Handwerker aus dem Ort haben den Ofen - ehrenamtlich - selbst gebaut - und das Haus drumherum auch. Es ist ein Beispiel dafür, dass in der Kinderheilstätte viele Dinge auch dem Engagement von Lehrer und Betreuern zu verdanken sind - und eben der Hilfe von Spendengeldern.

Das betont auch Gisela Stöver te Kaat mit Blick auf Karsten Rethmeier vom Vorstand der Volksbank. „Es ist toll, wenn wir hier einen Beitrag leisten können“, sagt er.

Übrigens: Auch wenn es mittlerweile kaum noch Backhäuser gibt in Deutschland, haben sie eine lange Geschichte. Wahrscheinlich schon in der Antike gab es solche Häuser - gemeinschaftlich genutzte, große Backöfen. Menschen kamen hier zusammen, um für ihre Familien zu backen. Und um sich - so lange das Brot im Ofen war - zu unterhalten und Neuigkeiten auszutauschen. Um die Gemeinschaft zu pflegen. Die Häuser hatten dazu meist mehrere Sitzgelegenheiten.

Beim Backhaus in Nordkirchen ist das auch so. Vor zwei Jahren hat die Kinderheilstätte sogar eine zweite Sitzgruppe eingerichtet - damit noch mehr Schüler Platz haben im Backhaus und im Garten rundherum. Damit sie das Backen lernen - und nebenbei noch ganz viele andere Dinge erleben.

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