Heftiger Streit um Bäume im Capeller Baugebiet - wer hat hier radikal Hand angelegt?

rnBaumfrevel

Die Eheleute Klopsch sind noch immer geschockt: Die Straßenbäume in ihrem Capeller Baugebiet sind radikal beschnitten worden. Die engagierten Anwohner haben einen schlimmen Verdacht.

Nordkirchen, Südkirchen, Capelle

, 14.07.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Martin Klopsch erinnert sich genau an die Situation von Anfang 2018: „Meine Frau hat Geräusche gehört und dann Männer mit einem Fahrzeug der Gemeinde gesehen.“ Was dann passierte, kann das Ehepaar Klopsch auch eineinhalb Jahre später nicht nachvollziehen. In dem rund 20 Jahre alten Capeller Baugebiet seien rund 20 Bäume radikal beschnitten worden.

„Meine Frau und ich nehmen an, dass diese Bäume nie wieder ihre ursprüngliche Gestalt zurückerlangen werden. Einige sehen mittlerweile in belaubtem Zustand wieder ganz passabel aus, andere nicht“, so Klopsch. Er befürchtet, dass einige Bäume mehr oder minder verloren sind.

Dass eine Gemeinde auch anders mit Bäume umgehen könne, sehe man zum Beispiel in Herbern. Hier habe man, so berichtet Martin Klopsch, die Säulenhainbuche wachsen lassen oder „allenfalls behutsam und mit Augenmaß beschnitten.“

Eheleute Klopsch wollen die „Umwelt möglichst wenig belasten“

Dass die Eheleute Klopsch sich etwas intensiver als andere Anwohner mit den Bäumen beschäftigen, dürfte an ihrer grundsätzlicher Einstellung liegen. „Meine Frau ist Nabu-Mitglied“, sagt Martin Klopsch. Beide haben ihr Leben so umgestellt, dass die Umwelt möglichst wenig belastet wird.

Die Fahrten mit dem Auto seien reduziert worden, in Supermärkten verzichten die Eheleute auf Plastiktüten und zum Brötchenkauf nehmen sie den eigenen Jutebeutel mit. Dazu kommt ein Garten, der den Bedürfnissen von verschiedensten Tieren so gut es geht entgegenkommt. „Wir wollen im Kleinen aktiv sein.“

Gespräch mit der Gemeindeverwaltung über die Bäume

Dazu gehört für den 62-jährigen Martin Klopsch auch, die Augen offenzuhalten und auf Missstände hinzuweisen. Wie etwa bei den Bäumen im eigenen Baugebiet. Dabei geht es den Eheleuten vor allem darum, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Und das gelte ausdrücklich auch für die Verwaltung.

„Am 15. Februar 2019 hatten meine Frau und eine gute Bekannte in anderer Angelegenheit ein Gespräch mit Herrn Klaas im Rathaus. Bei dieser Gelegenheit hat meine Frau Herrn Klaas auch auf die Stutzaktion angesprochen und ihm das Foto von einem der gestutzten Bäume vorgelegt, das sie bei sich hatte.“

Gemeindeverwaltung sagt, dass sie Bäume austauschen will

Bauamtsleiter Josef Klaas sagte auf unsere Nachfrage, dass in der Tat die Gemeinde in dem Baugebiet aktiv war. Allerdings hätten die Mitarbeiter sach- und fachgerecht zurückgeschnitten. „Für die schlimmsten Fälle in dem Baugebiet sind wir nicht verantwortlich“, sagt Klaas. „Derartige Stangen wollen wir auch nicht haben.“ Der Bauamtsleiter äußert die Vermutung, dass einige Nachbarn selbst Hand gelegt hätten. Und zwar nicht zum ersten Mal.

Bereits in der Vergangenheit seien Bäume radikal zurückgeschnitten worden - und zwar nicht von der Gemeinde. Wie in der Vergangenheit will die Verwaltung auch im jüngsten Fall nicht den „Täter“ ermitteln. Josef Klaas belässt es beim öffentlichen Appell. „Das Zurückschneiden von Bäumen ist unsere Aufgabe.“ Und er bittet die Bürger eindringlich darum, „nicht selbst Hand anzulegen“.

Gemeinde will im Herbst „drei bis vier Bäume austauschen

Einig ist sich die Gemeindeverwaltung mit den Eheleuten Klopsch, dass einige Bäume im Capeller Baugebiet nicht mehr zu retten sind. Deshalb werde die Gemeinde im Herbst „drei bis vier neue Bäume pflanzen“. Josef Klaas räumt ein, dass der Austausch für das Frühjahr angedacht gewesen sei, aber dann verschoben werden musste.

Die Eheleute Klopsch wollen aber mehr. Sie wünschen sich, dass der Naturschutz in der Gemeinde eine größere Bedeutung bekommt. Dazu gehöre auch, nicht „immer neue Baugebiete auszuweisen“. Der stetige Landverbrauch sei „verantwortlich für das bedrohliche Ausmaße annehmende Artensterben“.

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