Südkirchen: Tolle Gemeinschaft im Ortsteil, aber schwierige Verkehrsanbindung

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Die Südkirchener fühlen sich wohl in ihrem Ortsteil. Vor allem den Zusammenhalt loben die Neu-Südkirchner Maureen und Sören Schulz. Bei der Verkehrsanbindung gibt es aber Luft nach oben.

Südkirchen

, 02.04.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Entscheidung, nach Südkirchen zu ziehen, ist Maureen (39) und Sören (31) Schulz nicht schwer gefallen. Die beiden sind im November 2018 aus dem kleinen Ort Keyenberg in die Schlossgemeinde umgezogen. Eine Flucht vor dem Braunkohletagebau. Keyenberg, Sören Schulz‘ Heimatort, wird bald Vergangenheit sein. Einige Kilometer weiter entsteht dafür Neu-Keyenberg.

Auch Familie Schulz, neben Maureen und Sören noch Söhnchen Jasper (drei Monate alt) und Dogge Simba, haben sich auf ein Grundstück dort beworben. Doch die Zwangsumsiedlung habe das Dörfchen in den Ausnahmezustand gestürzt. „Es gab keine Geschäfte mehr, keinen Bäcker, keinen Metzger, nichts“, sagt Maureen Schulz. „Und es gab nur noch ein Thema“, fügt sie hinzu. „Wir wussten, dass wir dort nicht alt werden würden.“

Südkirchen: Tolle Gemeinschaft im Ortsteil, aber schwierige Verkehrsanbindung

Die Grünflächen in und um Südkirchen werden in unserer Umfrage gut bertet. © Jennifer von Glahn (A)

Südkirchen ist für Maureen Schulz und ihren Ehemann nicht fremd. Die Familie der 39-Jährigen wohnt dort, sie selbst wuchs hier auf, bevor sie wegen Ausbildung und Beruf wegzog. Was Südkirchen ausmache, sei die Gemeinschaft, sagt das Ehepaar. Das fange bei den Nachbarschaften an und setze sich ihrer Ansicht nach im Dorfleben fort. Die beiden sehen aber auch Verbesserungspotenzial - bei einem Punkt, den viele Südkirchener kritisieren.

Insgesamt haben bei unserer Umfrage zu den drei Nordkirchener Ortsteilen 490 Menschen mitgemacht: 213 aus Nordkirchen, 152 aus Südkirchen und 125 aus Capelle. Hier eine Analyse der Ergebnisse:

Das wurde gut bewertet:

Lebensqualität: Familie Schulz fühlt sich in Südkirchen und gerade bei den Südkirchenern sehr wohl. Das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhalt im Dorf sind Punkte, die auch viele Teilnehmer unserer Online-Umfrage loben: „Ich habe schon an verschiedenen Stellen in Deutschland gelebt und fühle mich hier sehr wohl. Das liegt vor allem an den Menschen hier, die sehr herzlich sind und mir schnell das Gefühl gegeben haben ‚zu Hause‘ zu sein“, schreibt eine Teilnehmerin (50-70 Jahre). „Ich liebe das Dorfleben hier im Ort! Vereine, Gemeinde etc. sind ein tolles Team“, lautet ein weiterer Kommentar (weiblich, 35-50 Jahre). 8 von 10 möglichen Punkten vergeben die Südkirchener für die Lebensqualität. Allerdings sind die Noten für die beiden Ortsteile Nordkirchen und Capelle sogar noch etwas besser: hier gab es jeweils 9 Punkte.

Nahversorgung: Mit dem K+K-Markt, dem Metzger und dem Raiffeisen-Markt könne man in Südkirchen das Meiste bekommen, was für den täglichen Bedarf wichtig ist, findet Maureen Schulz. In unserer Umfrage gibt es für die Nahversorgung 8 Punkte. Aus den Kommentaren der Umfrage-Teilnehmer lässt sich aber noch Verbesserungspotenzial herauslesen. „Eine Apotheke in Südkirchen wäre toll“, schreibt eine Teilnehmerin (35-50 Jahre alt). Sie vergibt dennoch 8 Punkte bei der Nahversorgung.

Südkirchen: Tolle Gemeinschaft im Ortsteil, aber schwierige Verkehrsanbindung

Die Verkehrsanbindung bekommt in unserer Umfrage unterdurchschnittliche Bewertungen. Das trifft vor allem Jugendliche, die das Angebot des Jugend- und Kulturhauses Nordkirchen (Juno) nutzen wollen. © Karim Laouari (A)

Radfahren: 9 von 10 Punkten vergeben die Südkirchener beim Thema Radfahren. Das können Maureen und Sören Schulz so unterschreiben: „Man kann hier sehr gut mit dem Fahrrad fahren“, sagt Maureen Schulz. Und über die Pättkes und Radwege sei man auch schnell in den anderen Ortsteilen und auch Nachbarorte seien gut erreichbar, finden die Beiden. Trotzdem stehen vor dem Einfamilienhaus von Familie Schulz zwei Autos, denn ohne geht es in Südkirchen nicht.

Das wurde negativ bewertet:

Verkehrsanbindung: Zwölf Bushaltestellen gibt es rund um den Südkirchener Kern, mit dem Fahrrad sind Nordkirchen, Capelle und Selm gut zu erreichen, außerdem ist der Bürgerbus auch in Südkirchen unterwegs. Die meisten Südkirchener müssen sich aber trotzdem auf ihre Autos verlassen, wie unsere Umfrage ergeben hat: „Dringender Ausbau des ÖPNV“, schreibt ein Teilnehmer (50-70 Jahre), „Es könnte mehr Verbindungen am Wochenende zur Bahn geben. Ohne Auto ist man am Wochenende aufgeschmissen“, findet ein weiterer Kommentator (50-70 Jahre). Das sehen auch Maureen und Sören Schulz so: „Man braucht das Auto schon“, sagt die Tourismuskauffrau.

Südkirchen: Tolle Gemeinschaft im Ortsteil, aber schwierige Verkehrsanbindung

© Grafik Klose

Jugendliche: „Für Jugendliche zu wenig Angebote in Südkirchen“, nennt ein Teilnehmer unserer Umfrage (35-50 Jahre) kurz und knapp einen der Hauptkritikpunkte an Südkirchen. Nur vier Punkte vergeben die Südkirchener für das Angebot für Jugendliche in ihrem Ortsteil. Nimmt man die sportlichen Angebote, zum Beispiel vom SV Südkirchen und anderen Vereinen raus, bleibt noch ein Angebot für Kinder von sechs bis zwölf Jahre, das das Jugend- und Kulturhaus Nordkirchen (Juno) organisiert (mittwochs von 16 bis 18 Uhr im Kindergarten Waldwichtel in Südkirchen). Auch wenn Sohn Jasper noch sehr klein ist, stimmt Maureen Schulz der Kritik zu, dass für Jugendliche wenig geboten wird. Sie selbst habe sich als Jugendliche meist Richtung Werne orientiert. Und da kommt das Thema ÖPNV wieder ins Spiel, vor allem, wenn Jugendliche abends weggehen wollen: „Wir haben meistens einen der letzten Busse genommen“, erinnert sich die 39-Jährige. Zurück hätten dann aber meistens die Eltern Taxi spielen müssen.

Anna-Christin van Kluth ist Sozialpädagogin im Jugend- und Kulturhaus Nordkirchen (Juno) und kennt die Problematik, gerade für Jugendliche aus Südkirchen. Und auch hier spielt wieder die Verkehrsanbindung eine Rolle: „Die Verbindung zwischen Südkirchen und Nordkirchen ist schlecht“, sagt van Kluth. So müssten Jugendliche, die mit dem Bus vom Juno aus zurück nach Hause wollen, schon gegen 18 Uhr wieder fahren.

„Das ist eine riesige Hürde“, macht van Klutz deutlich. die nächste Hürde: Wer auf der Internetseite des RVM nach Busverbindungen zwischen Nordkirchen und Südkirchen sucht, wird feststellen, dass die Bus- und Bürgerbuslinien tagsüber direkte Verbindungen anbieten. Ab 16.45 Uhr allerdings führt die Verbindung nur noch über Capelle. Fahrtzeit: rund 30 Minuten. Das Ergebnis zeige sich im Juno, erklärt die Sozialpädagogin. Nur eine Handvoll Jugendliche aus Südkirchen würden das Angebot im Jugendzentrum nutzen. Aus Capelle seien es spürbar mehr.

Auf Initiative einiger Jugendlicher aus Südkirchen habe es aktuell genau dieser Problematik wegen Gespräche mit dem Team des Juno gegeben, sagt Ann-Christin van Kluth. So hatte sich eine Gruppe aus knapp 15 Jugendlichen und junge Erwachsenen im Alter von 15 bis 22 Jahren zusammengetan, um Vorschläge zu machen, wie das Angebot für ihre Zielgruppe besser werden könnte.

Ein großer Wunsch der Südkirchener sei dabei eine kleine abschließbare Grillhütte als Treffpunkt - am liebsten in der Nähe des Sportplatzes. Die Gruppe habe auch angeboten, den Treff selbst zu verwalten. „Das ist aber natürlich mit Kosten verbunden“, macht die Sozialpädagogin deutlich. Den Vorschlag habe das Juno-Team an die Gemeindeverwaltung weitergeleitet, wo dieser aktuell geprüft werde.

Das bestätigt auf Anfrage auch Bürgermeister Dietmar Bergmann. Die Gemeinde werde gucken, ob sich der Vorschlag umsetzen lasse, verspricht Bergmann.

Beim Thema Verkehrsanbindung sieht er die Problematik, nicht nur für Jugendliche. Deshalb soll das Reallabor Mobilität, an dem zurzeit auch die Gemeinde teilnimmt, auch hier Lösungen bringen. „Wir gucken dabei nicht nur auf den überregionalen Verkehr, sondern natürlich auch auf die Verbindungen zwischen den Ortsteilen“, erklärt Bergmann. Die Überlegungen gingen dabei über die klassische Busverbindung hinaus, über mietbare E-Roller bis hin zu autonomen Fahrzeugen. All diese Lösungen seien denkbar, so Bergmann.

Historie

Zur Geschichte Südkirchens

Südkirchen: Tolle Gemeinschaft im Ortsteil, aber schwierige Verkehrsanbindung

Die Südkirchener Hauptstraße. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1935. © Heimatverein Nordkirchen

  • Um das Jahr 1030 wird Südkirchen zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
  • Die heutige alte Kirche zu Südkirchen wurde von 1691 bis 1694 gebaut. Weihbischof Johann Petrus von Quentell weihte Kirche und Hochaltar am 22. Juli 1701. Kirchenpatron und Namensgeber der Kirhe ist St. Pankratius.
  • Der Kirchturm ist deutlich älter als der Rest der Kirche. Teile des Turms lassen sich bis ins Jahr 1100 zurückdatieren.
  • Mit der Auflösung des Hochstift Münster 1803 wurde Südkirchen dem neuen kreis Lüdinghausen zugeordnet.
  • 1852 gründete sich der Männergesangverein „Concordia“.
  • 1908 gründete sich eine Freiwillige Feuerwehr.
  • Der SV Südkirchen wurde 1926 gegründet.
  • Seit der Gemeindereform 1975 gehört Südkirchen zur Gemeinde Nordkirchen.
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