Südkirchener Drogendealer sagt gegen Bandidos aus

Prozess auch gegen Selmer

Den August 2013 wird der Südkirchener Manfred G. (Name geändert) nicht vergessen. Er wollte mit Rockern der Gruppe Bandidos ins Geschäft kommen. Am Ende erlitt er eine Gesichtsverletzung und fast 23.000 Euro Verlust. Am Dienstag berichtete der 37-Jährige darüber in einem Bandidos-Prozess am Landgericht Münster, in dem auch ein 46-jähriger Selmer angeklagt ist.

NORDKIRCHEN/SELM

23.02.2016, 18:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Selmer Bandido-Mitglied muss sich wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten.

Ein Selmer Bandido-Mitglied muss sich wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten.

Der angeklagte Selmer, selbst eher Amphetamin-Experte, hatte für den Südkirchener den Kontakt zur Marihuana-Fraktion der Bandidos hergestellt. Beide kennen sich seit über 20 Jahren. Vor fünf Monaten saß der Südkirchener selbst als Angeklagter im Landgericht und wurde wegen umfangreichen Rauschgifthandels zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Am Dienstag schilderte er nun als Zeuge vor der 3. Großen Strafkammer noch einmal seinen Zusammenstoß mit den Bandidos. Demnach traf er sich am 24. August 2013 mit einem der Hauptangeklagten des laufenden Verfahrens in Enschede, um dort fünf Kilo Marihuana zu kaufen. Vor Ort entpuppte sich der Stoff als minderwertig. Er zahlte dafür trotzdem 21.000 Euro und 500 Euro Provision an den Kopf der Bandidos.

Faustschlag statt Marihuana

Für weitere 1000 Euro sollten zwei andere Mitglieder des Rockerclubs die Drogen unter einem Haufen Sand im Anhänger ihres Geländewagens nach Deutschland bringen. Einer von ihnen ist der englische Angeklagte im laufenden Verfahrens. Auf einem Feldweg an der Alten Fahrt des Kanals in Seppenrade sollte die Übergabe erfolgen.

Dort kamen die Rocker auch an. Aber statt ihm das Marihauna zu überreichen, sprang der Engländer dem Südkirchener von der Deichsel des Anhängers mit einem Quarzhandschuh brutal ins Gesicht. So die Aussage des Opfers, die von der Verteidigung angezweifelt wird.

Doch schon vor der ersten Aussage des Südkircheners hatte bereits der Fahrer des Geländewagens der Polizei die ganze Geschichte erzählt. Er hat sich später von den Rockern abgesetzt und wird von der Staatsanwaltschaft demnächst als Kronzeuge im Prozess präsentiert.

Der Südkirchener stellte später den Kopf der Bandidos zur Rede. Der schob aber alles auf den Engländer. Der habe den Angriff im Alleingang verübt und sich dann abgesetzt. Noch einmal traf der Südkirchener den Bandido-Chef  bei seinem Bekannten in Selm und dann völlig überraschend während seiner Untersuchungshaft in der JVA Münster. Dort habe man sich zunächst freundlich unterhalten. Nach und nach habe ihn der Bandido jedoch immer stärker bedrängt, seine Aussage zu revidieren. Doch er blieb dabei und wurde zum Schutz schließlich in die JVA Detmold überstellt.

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