Tiny-Häuser in Südkirchen: Wie die Mini-Siedlung aussehen und wann sie entstehen könnte

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Die Pläne für eine Tiny-House-Siedlung in Südkirchen werden konkreter. Bei einer Informationsveranstaltung hat ein Tiny-House-Hersteller gezeigt, wie eine solche Siedlung aussehen könnte.

Südkirchen

, 29.10.2019, 16:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vera Lindenbauer sagt ganz klar: „Tiny Houses sind ein Zeitgeistthema.“ Ihr gegenüber sitzen knapp 70 Zuhörer, die am Montagabend in die Grundschule Südkirchen gekommen sind, um sich unter anderem über dieses aktuelle Thema zu informieren. Lindenbaum ist Projektentwicklerin bei dem Fachbetrieb Tiny House Diekmann in Hamm. Die Tischlerei hat sich vor drei Jahren auf die Produktion von individuellen Tiny Houses spezialisiert und damit eine Marktlücke gefüllt, die bis nach Skandinavien reicht.

Tiny-Häuser in Südkirchen: Wie die Mini-Siedlung aussehen und wann sie entstehen könnte

Ein Blick in ein Tiny House © Tiny House Diekmann

Die Gemeinde Nordkirchen hat das Zeitgeist-Thema Tiny Houses oder Small Houses aufgegriffen. Die Nordkirchener UWG hatte es im Frühling dieses Jahres in die politische Diskussion gebracht. Mit fraktionsübergreifender Zustimmung sollte die Gemeinde für eines der nächsten geplanten Baugebiete einen Bereich für Tiny Houses planerisch durchspielen.

Keine Mobilheimsiedlung, sondern hochwertiges Wohnen

Im geplanten Baugebiet an der Capeller Straße in Südkirchen könnte ein solcher Tiny-House-Bereich Realität werden. Wenn die Nachfrage stimmt. Und genau da liegt aktuell noch die größte Hürde, wie Bauamtsleiter Josef Klaas bei der Informationsveranstaltung am Montag deutlich machte.

„Man fährt mit dem Tiny House nicht mal eben nach Italien in den Urlaub.“
Vera Lindenbauer, Öffentlichkeitsarbeit und Projektentwicklung Tny Houses Diekmann

„Der Bedarf ist aktuell einfach noch nicht absehbar“, erklärte Klaas den Bauinteressenten. Eine gewisse, wenn auch noch vergleichsweise geringe, Nachfrage gibt es aber schon.

„Vier Interessensbekundungen sind bereits im Rathaus eingegangen“, sagte der Bauamtsleiter. Für eine zusammenhängende Siedlung würde das noch nicht reichen, deshalb setzt die Gemeinde derzeit vor allem auf Information.

Tiny Houses seien nicht zu verwechseln mit den vor allem aus den Vereinigten Staaten bekannten „Trailer Park“-Siedlungen. Diese Stellplätze für einfache und vor allem preisgünstige Wohnanhänger genießen auch in den USA einen eher zweifelhaften Ruhm.

Was man unter dem Begriff „Tiny House“ versteht und wie teuer sie sein können

  • Der Begriff „Tiny Houses“ beschreibt Kleinst-Häuser, die etwa 15 bis 40 Quadratmeter Wohnfläche bieten.
  • Im ursprünglichen Vorschlag der UWG Nordkirchen ist sogar von einer Wohnfläche von bis zu 100 Quadratmetern die Rede.
  • Neben Dortmund wird zurzeit unter anderem auch in Ahaus über eine solche Siedlung diskutiert.
  • Vera Lindenbauer von Tiny House Diekmann erklärte am Montag, dass ein Tiny House, abhängig von den jeweiligen Wünschen des Kunden, im Schnitt rund 60.000 bis 65.000 Euro kostet.
  • Die Wohnfläche der am Montag vorgestellten Häuser ist wie der Preis auch individuell, liegt im Schnitt aber bei 20 Quadratmetern.

Tiny Houses gebe es zwar in den unterschiedlichsten Formen - von Häusern mit oder ohne Fundament in Holzbauweise bis hin zu Baumhäusern - sie seien aber immer hochwertig verarbeitet. Was die Tiny Houses der Firma Diekmann aber grundsätzlich mit Wohnanhängern gemein haben, ist, dass sie im Zweifelsfall mobil sind.

Die Häuser, die aus einer Holzständer-Konstruktion gebaut werden, stehen auf einem Metall-Anhänger, der an ein Fahrzeug gehängt werden kann. Die größte Herausforderung für das Unternehmen sei es deshalb, das vorgeschriebene Maximalgewicht von 3,5 Tonnen pro Tiny House einzuhalten, damit die Häuschen auf der Straße transportiert werden können.

Könnte in Südkirchen also ein Platz für Mobilheime mit ständig wechselnden Anhänger-Häusern entstehen? Nein, das hat die Verwaltung bereits ausgeschlossen. Es solle keine „rollende Siedlung“ werden, machte Josef Klaas auch am Montag noch mal deutlich.

Auch Vera Lindenbauer erklärte, dass die Häuser zwar grundsätzlich mobil seien, sie aber nicht mit Wohnanhängern verwechselt werden dürfen. „Man fährt mit dem Tiny House nicht mal eben nach Italien in den Urlaub“, so Lindenbauer. Aber: Falls sich die Lebensumstände des Besitzers irgendwann ändern sollten, könnte er nicht nur seine sieben Sachen für den Umzug packen, sondern gleich sein gewohntes Umfeld mitnehmen.

Tiny-Häuser in Südkirchen: Wie die Mini-Siedlung aussehen und wann sie entstehen könnte

Grundsätzlich sind die Tiny-Häuser der Firma Tiny House Diekmann mobil. In den Urlaub fahre man damit aber nicht, machte Vera Lindenbauer am Montag deutlich. © Tiny House Diekmann

Ob dieses Modell nach Nordkirchen kommt, ist allerdings offen und hängt auch von der weiteren politischen Diskussion ab. Was der Gemeindeverwaltung derzeit vorschwebt, ist eine feste Siedlung als Teil des neuen Baugebietes. Diese wäre zum Beispiel angrenzend an die vorhandene Bebauung am Holtweg möglich.

Die Häuser sollen an das Versorgungsnetz angeschlossen werden und könnten eine gemeinsame Energieversorgung bekommen, so Klaas. Die Gemeinde sammelt jetzt weiter Interessensbekundungen, ehe das Thema in der Politik weiter besprochen wird.

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