„Fridays for Hubraum“: Unter diesem Namen sammeln sich seit ein paar Wochen bei Facebook Kritiker der aktuellen Klima-Politik. Den Stein ins Rollen gebracht hat ein Mann aus Südkirchen.

Südkirchen

, 08.10.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Eigentlich war der Post mehr als Jux, als Spaß gemeint. Daraus geworden ist eine Facebook-Gruppe, die mittlerweile mehr als 500.000 Mitglieder hat: „Fridays for Hubraum“. Der Name verrät schon viel: Hier kommen Autoliebhaber und Kritiker der aktuellen Klimapolitik virtuell zusammen, wenden sich vor allem gegen Diesel-Fahrverbote, Umweltzonen und CO2-Bepreisung und grenzen sich dabei von der Bewegung „Fridays for Future“ ab, der sie Klima-Wahn und -Hysterie vorwerfen.

Der Ursprung dieser Bewegung liegt in Südkirchen: Hier ist mit der Beast Factory die Meister- und Tuningwerkstatt von Christopher Grau, der den Stein für „Fridays for Hubraum“ mehr oder weniger aus Versehen ins Rollen gebracht hat.

Kunden aus ganz Europa kommen nach Südkirchen

Über seinen privaten Kanal hatte er bei Facebook einen Post abgesetzt, in dem er deutliche Kritik an der Klimapolitik äußerte. Ein Freund von ihm gründete daraufhin die Gruppe „Fridays for Hubraum“, machte Christopher Grau zum Administrator.

„Und dann ging das ab“, sagt Christopher Grau heute, während er im Besprechungsraum seiner Werkstatt in Südkirchen sitzt. Zusammen mit sieben Mitarbeitern hat er sich auf Tuning vor allem von Autos der Marke Ford spezialisiert. Er habe Kunden aus ganz Europa, sagt der 35-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Bei Facebook sei seine Reichweite durch die gut vernetzte Tuning-Szene entsprechend groß.

Gruppe hat mittlerweile über 540.000 Mitglieder

Trotzdem hätte er mit einem so großen Zulauf auf die Gruppe nicht gerechnet: Nach nur wenigen Tagen hatte die Gruppe mehrere Tausend Mitglieder, mittlerweile sind es über 540.000 Facebook-User, die sich mit der Kritik, die Christopher Grau von Südkirchen aus angestoßen hat, gemein machen.

Ein Beispiel: die Kritik an CO2-Bepreisung. „Das schädigt einfach nur die Leute, die jeden Tag Auto fahren. Was anderes kommt dabei nicht raus. Wenn die Industrie eine CO2-Bepreisung zahlen soll, dann kommt das marktwirtschaftliche Prinzip zur Geltung: Es wird einfach an den Verbraucher weitergeleitet. Das ist das Unfaire an der ganzen Sache“, sagt Christopher Grau im Gespräch mit der Redaktion.

Über 540.000 Gruppenmitglieder: Initiator von „Fridays for Hubraum“ kommt aus Südkirchen

Christopher Grau aus Südkirchen hat den Stein für "Fridays for Hubraum" ins Rollen gebracht. © Marie Rademacher

Weiteres Beispiel: die Kritik an den eingeführten Umweltzonen. „Da wollen wir uns dafür stark machen, dass sie wieder wegkommen. Grundsätzlich ist es ja ein guter Anfang, in den Städten die Luftqualität zu messen. Aber was bringt es mir denn, wenn ich die Autos, die sonst überall fahren, einfach aussperre, und damit dann eine sauberere Luft vortäusche? Die fahren ja außen rum - dann fahren sie einen Umweg und verbrauchen auch noch mehr“, sagt Grau seine Meinung.

„Fridays for Hubraum“ wurde wegen Hass-Kommentaren vorübergehend archiviert

Wichtig ist Christopher Grau aber: Er wolle weder den Klimawandel leugnen noch als Gegner der „Fridays for Future“-Bewegung auftreten: „Auf keinen Fall, das habe ich auch nie behauptet.“

Fakt ist aber: Die Gruppe war kurzzeitig in dem Maße Plattform für Hasskommentare vor allem gegen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, dass die Administratoren beschlossen, sie kurzerhand zu archivieren.

Klare Regeln und Öffnungszeiten

„Das ging gar nicht. Ich will das auch auf keinen Fall schönreden“, sagt Christopher Grau heute. Wie viel ein Auftragskiller wohl koste, hatte beispielsweise ein User gefragt, dessen Profil mittlerweile gelöscht ist und den die Gruppen-Administratoren angezeigt haben.

Nach dem Vorfall ist „Fridays for Hubraum“ jetzt zwar wieder online, aber eine geschlossene Gruppe, bei der nur noch die Administratoren Posts und Themen eröffnen können und außerdem kontrollieren, wer genau der Gruppe betritt. Es gibt klare Regeln, sagt Christopher Grau, und „Öffnungszeiten“, damit die Moderatoren alles im Blick behalten können.

„Kanalisiert eure Wut doch bitte nicht auf ein 16 Jahre altes Mädchen, was soll sowas? Und rechte Hetze geht gar nicht“, hatte Christopher Grau damals die Gruppenmitglieder zur Ordnung gerufen.

AfD lobt die Gruppe „Fridays for Hubraum“

Rechte Hetze: Auch das ist ein Thema bei „Fridays for Hubraum“. Politiker der AfD unterstützen die Gruppe - Jörg Meuthen beispielsweise lobt die Aktion. Dem Spiegel gegenüber sagte der AfD-Politiker: „‚Fridays for Hubraum‘ ist eine logische und vernünftige Reaktion gegen den ideologischen Irrsinn der Ökoaktivisten.“

Die Landtagsfraktion der AfD in Sachsen wirbt auf ihrer Internetseite und über Facebook auch ganz offen für „Fridays for Hubraum“.

Der Gruppe, so sagt es Christopher Grau aus Südkirchen, haben diese lobenden Worte der AfD geschadet. „Wir wollen eine Mitte darstellen. Und wenn man uns in die AfD-Ecke rückt, dann werden wir das nicht“, sagt der Kfz-Meister, der sich selbst „parteilos“ nennt.

Auffällige und radikale Accounts haben keine Chance mehr, in die Gruppe aufgenommen zu werden, sagt Christopher Grau. Auch die, die am Anfang in die noch offenen Gruppe eingetreten seien, versuchen die Administratoren auszusortieren. Lutz Bachmann, den Pegida-Gründer, nennt Grau als Beispiel.

„Wenn man bei uns anfragt, wird das Profil durchgeguckt und wenn dann Radikalismus in irgendeiner Form zu sehen ist, sagen wir direkt: tschüss, blockieren, Feierabend“, so Christopher Grau.

„Das ist eine Partei, die im Parlament ist. Was sollen wir denn machen?“

Allein, dass jemand die AfD geliked hat, sei aber kein Grund rauszufliegen, sagt er. „Wir sind eine demokratische Gruppe und wir haben Regeln. Und so lange sich die Leute an die Regeln halten, können wir sie nicht rausschmeißen, nur weil sie in der AfD sind. Das ist eine Partei, die im Parlament ist. Was sollen wir denn machen?“, sagt er.

Der Vater von zwei Söhnen möchte jetzt, da er eine so große Gruppe initiiert hat, „etwas daraus machen“. Und weiter: „Wir wollen etwas ausarbeiten, damit die Politik sieht, dass wir einen Standpunkt haben.“ Dafür brauche man jetzt erst einmal Zeit.

„Aber wir müssen in der Verhältnismäßigkeit bleiben“

Dass nicht alles bleiben kann, wie es ist, sei auch Christopher Grau und seiner Gruppe auch klar. „Wir sagen: Ja klar, natürlich müssen wir was für unsere Umwelt machen. Aber wir müssen in der Verhältnismäßigkeit bleiben. Da ist das gesunde Gleichgewicht wichtig. Dass zum Beispiel jeder bei sich anfängt und Plastikmüll vermeidet oder Bäume pflanzt. Dass jeder das tut, was er halt kann“, so Christopher Grau.

Von Protesten hält er nichts. „Wenn man da mal weiter denkt und auch diese Extinction Rebellion sieht, die da jetzt wirklich Sitzblockaden und so weiter machen: Wie weit soll das gehen? Man weiß aus der Vergangenheit, wie so etwas eskalieren kann. Wenn da irgendwelche völlig Bekloppte aufstehen und dann mit Steinen werfen... Und das auf Kinder? Ganz ehrlich: Das muss nicht sein.“

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