Vom Fastentag zum Feiertag: Wie sich Heiligabend im 20. Jahrhundert entwickelt hat

Heiligabend

Weihnachten ist am 24. Dezember: Dann ist Heiligabend, in vielen Familien der wichtigste Festtag der Feiertage. Das war nicht immer so...

Nordkirchen

, 23.12.2019, 21:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weihnachtsowend oder Chrisdagsobend: So wurde früher der Tag genannt, der heute als Heiligabend für den 24. Dezember im Kalender steht. Vor allem für die katholische Bevölkerung in den ländlichen Gebieten Westfalens war er noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht der Tag der Geschenke und des guten Essens. Im Gegenteil.

„Der 24. Dezember wurde als ein Fastentag vor einem hohen Feiertag angesehen. Die Menschen arbeiteten bis abends, erst danach konnten sie letzte Vorbereitungen und Besorgungen für das Weihnachtsfest erledigen. Und dann ging man zeitig zu Bett, schließlich begann die Christmette am ersten Weihnachtstag bereits zwischen 3 und 5 Uhr“, so steht es mit Verweis auf den LWL auf der Homepage von Hubert Kersting, dem Vorsitzenden des Nordkirchener Heimatvereins.

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Auch zu verschiedenen Weihnachtsbräuchen aus der Geschichte gibt es dort Infos. Zum Beispiel dazu, dass Kinder früher an Heiligabend leere Teller vor die Tür stellten. Am nächsten Tag hatten diese sich dann wie von Zauberhand gefüllt. Mit Obst und Backwaren, manchmal auch mit warmer Kleidung oder Schulsachen.

Viel mehr Geschenke gab es nicht: Bei den Katholiken war nämlich eigentlich der Nikolaustag am 6. Dezember der Tag, an dem es für die Kinder eine Bescherung gab...

Autofahrer beschenkten Verkehrspolizisten

Noch eine Brauchtums-Randnotiz: In den 50er-Jahren gab es in Münster den Brauch, Verkehrspolizisten zu beschenken. „Mit dem zunehmenden Autoverkehr in der Innenstadt kam die Gepflogenheit auf, den Verkehrspolizisten in den Vormittagsstunden des Heiligen Abends kleine Präsente zu überreichen wie zum Beispiel ein Flasche Wein, einen Kasten Bier, eine Packung Zigaretten oder eine Schachtel Pralinen. Die Geschenke kamen weniger von Passanten, als vielmehr von Fahrern und Insassen der Autos. Die Wagen verlangsamten das Tempo und reichten die Gaben aus dem Fenster. Oft waren diese Geschenke für einen bestimmten Polizisten gedacht, dem man tagein tagaus auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause begegnete.“

Einfluss aus evangelisch geprägten Gebieten

In den meisten Fällen gaben die Polizisten die Geschenke weiter - an Altenheime oder andere soziale Einrichtungen.

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Zum vielleicht wichtigsten Tag der Weihnachtsfeierlichkeiten etablierte sich Heiligabend erst in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das kam von der Bevölkerung in den evangelischen Gebieten Westfalens. Seitdem beginnt das Weihnachtsfest in festlicher Kleidung am Abend des 24. Dezembers - mit Festessen und Bescherung.

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