Warum die Politik schon planerische Eckpfeiler für Neubaugebiet in Capelle stellt

rnBaugebiet Wohr

Im Bebauungsplanverfahren für ein neues Baugebiet in Capelle haben die Bürger bald das Wort. Sie können ihre Meinung einbringen. Einige planerische Details zeichnen sich aber schon ab.

Capelle

, 16.03.2019, 16:40 Uhr / Lesedauer: 4 min

Bei zwei Enthaltungen hat der Ausschuss für Bauen und Planung am Donnerstagabend, 14. März, mehrheitlich den Weg frei gemacht, um die Bürger frühzeitig über die Planungen zu informieren und zum Beispiel Behörden, die von den Planungen betroffen sein könnten, zu beteiligen. Inklusive der Gelegenheit, sich zu äußern. Zu drei Punkten hat der Ausschuss sich schon positioniert.

Punkt 1: Es geht um die Hochdruckgasleitung, die derzeit noch unter dem jetzigen Fußweg entlang der schon vorhandenen Bebauung verläuft. Die Frage ist: Soll sie dort bleiben und über ihr ein Grünstreifen beziehungsweise ein Blühstreifen angelegt werden oder soll sie verlegt werden, um Bauland an dieser Stelle zu schaffen?

Warum die Politik schon planerische Eckpfeiler für Neubaugebiet in Capelle stellt

Das Schild weist darauf hin, dass in der Erde eine Gasleitung verläuft. Sie soll verlegt werden. © Arndt Brede (Archiv)

Das sagt die Gemeinde: Die Verwaltung bevorzuge, die Leitung ins Baugebiet zu verlegen, sagt Bauamtsleiter Josef Klaas. Dafür müsste die Gemeinde dann rund 130.000 Euro an Verlegungskosten bezahlen, so Klaas.

Das sagt die SPD: „Wir möchten unsere Entscheidung von den Wünschen der betroffenen Anlieger abhängig machen. Deshalb haben wir Kontakt zu ihnen aufgenommen und auch umgekehrt hat man mit uns Kontakt aufgenommen“, sagt Gereon Stierl. Anlieger wünschten einen Grünstreifen über der Gasleitung, sagt Stierl. „Dann sollen sie ihn auch bekommen.“

Das sagt die CDU: Einen Grünstreifen über der Gasleitung anzulegen, würde bedeuten, auf Bauland zu verzichten, sagt Thomas Quante. „Wir haben Angst, dass dieser Grünstreifen auf Dauer verwahrlosen wird.“ Die CDU sei dafür, die Gasleitung zu verlegen und keinen Grünstreifen anzulegen. Und das werde bedeuten, dass zukünftig Garten der Alt-Bebauung an Garten der Neu-Bebauung liege. Die Verlegungskosten von 130.000 Euro würden laut Leo Geiser durch den Verkaufserlös von Bauland mehr als reingeholt.

Das sagen die Grünen: Sie fordern eine Grünstreifen beziehungsweise einen Blühstreifen. Wegen des Artenschutzes. Die Pflege des Grünstreifens, das habe die Vergangenheit gezeigt, würden die Anwohner übernehmen, sagt Werner Albin. Zudem würde die Gemeinde die 130.000 Euro an Verlegungskosten sparen.

Beschluss: Gasleitung wird verlegt

So lautet der Beschluss des Ausschusses: Die Gasleitung wird verlegt. Sechs Nein-Stimmen aus SPD und Grünen sowie eine Enthaltung stehen der mehrheitlichen Zustimmung des Ausschusses für die Verlegung entgegen.

Punkt 2: Es geht darum, an welcher Stelle im Neubaugebiet Mehrfamilienhäuser ihren Platz finden sollen.

Das sagt die Gemeinde: „Unser Wunsch ist es, nicht nur Einfamilienhäuser anzubieten, sondern auch Mehrfamilienhäuser“, sagt Bauamtsleiter Josef Klaas. Im ersten Plan sind vier Mehrfamilienhäuser am Eingangsbereich zum Baugebiet von der Bahnhofstraße aus eingezeichnet. Die Gemeinde bevorzuge, die Häuser nördlich an den vorgesehenen Spielplatz im Baugebiet bauen zu lassen. Dafür könne der Spielplatz etwas kleiner ausfallen.

Das sagt die SPD: „Wir sehen eine Verkleinerung der Spielplatzfläche als akzeptabel an“, merkt Gereon Stierl an. Der Spielplatz Zur Vogelruthe in der Nähe sei ja schon recht groß.“ Die Mehrfamilienhäuser sollten, wie von der Gemeinde vorgeschlagen, nördlich des Spielplatzes geplant werden. Zwei bis vier Mehrfamilienhäuser mit Wohnungen von 60 bis 70 Quadratmetern Fläche seien denkbar.

Das sagt die CDU: Tomas Quante führt aus: „Wir geben der Gemeinde recht und sehen die Mehrfamilienhäuser nördlich des Spielplatzes.“ Im Eingangsbereich zum Neubaugebiet, so, wie sie zurzeit eingezeichnet seien, würden sie zu massiv platziert sein.

Das sagen die Grünen: Auch sie sind der Meinung, die Mehrfamilienhäuser nicht so nahe, wie derzeit eingezeichnet, an die Straße zu setzen. „Direkt am Spielplatz wären sie ideal“, erklärt Werner Albin. Die Grünen fordern laut Uta Spräner vier bis sechs Mehrfamilienhäuser.

Das sagt die UWG: Die Mehrfamilienhäuser nördlich des Spielplatzes zu platzieren, sei akzeptabel, meint Christian Lübbert.

Warum die Politik schon planerische Eckpfeiler für Neubaugebiet in Capelle stellt

Noch ist hier freies Feld. Bald schon soll hier am Ortsrand Capelles ein Neubaugebiet entstehen. © Arndt Brede (Archiv)

Beschluss: Mehrfamilienhäuser nördlich des Spielplatzes

So lautet der Beschluss des Ausschusses: Dass die Mehrfamilienhäuser nördlich des Spielplatzes gebaut werden sollen und dafür der Spielplatz etwas kleiner wird, fand einstimmige Zustimmung.

Punkt 3: Hier geht es darum, ob es im Bebauungsplan Wohr gestalterische Festsetzungen, etwa in Sachen Steingärten, Zäune, Dachneigungen oder Klinker, geben soll oder ob die Gestaltung gelockert wird.

Das sagt die Gemeinde: Es gebe zwei Varianten, sagt Bauamtsleiter Klaas: den Vorgaben wie im Bebauungsplan Kolpingstraße-Nord zu folgen und zum Beispiel Dachneigungen vorzugeben oder, wie im Baugebiet Hegekamp, die Gestaltung recht locker zu handhaben.

Das sagt die SPD: Die Festsetzungen wie beim Baugebiet Große Feld III seien passend, sagt Lothar Steinhoff.

Das sagt die CDU: „Wir wollen nicht nur Steinbeete haben“, erklärt Thomas Quante. Die Verwaltung möge einen Vorschlag machen, ob Steinbeete in Gänze verboten werden können oder ob sie nur mit einem Anteil gegenüber Grünbereichen im Vorgarten angelegt werden sollen. Zudem fordert die CDU, die Grundstücke mit eher niedrigen Zäunen abzugrenzen. Bei der Dachneigung und der Klinkerart der zukünftigen Häuser sollen die Gestaltungsvorgaben des Neubaugebiets Große Feld III als Orientierung dienen.

Das sagen die Grünen: „Wir wollen keine Steingärten und keine Plastikzäune“, sagt Uta Spräner. Die Grünen fordern, die gestalterischen Festsetzungen am Grünordnungsplan des Neubaugebiets Große Feld III zu orientieren.

Das sagt die UWG: Laut Christian Lübbert kann die textliche Festsetzung wie bei Große Feld III übernommen werden.

Beschluss: Festsetzung ähnlich wie bei Große Feld III

So lautet der Beschluss des Ausschusses: Die Festsetzungen sollen ähnlich wie im Baugebiet Große Feld III aussehen. Das trägt der Ausschuss einstimmig.

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Alt-Eigentümer sollen Grundstücke dazu erwerben können

Konsens herrschte im Ausschuss, dass einige Grundstückseigentümer aus dem nördlichen Teil der schon vorhandenen Bebauung Grundstücke im Neubaugebiet erwerben können. Hintergrund: Im bestehenden Bebauungsplan waren die Grundstücke dieser Eigentümer deutlich größer dimensioniert vorgesehen. Bauen konnten sie in der Größe damals jedoch nicht. Nun sollen sie die Gelegenheit haben, ihre Grundstücke zu erweitern. Ob in einer Breite von vier, sechs oder sogar acht Meter, wie von einigen Anwohnern gewünscht, muss noch diskutiert werden. Laut Gemeinde seien bis zu sechs Meter „machbar“.

Bürgerversammlung im Mai/Juni

Wie geht es jetzt weiter? Was der Ausschuss beschlossen hat, fließt in den Bebauungsplanentwurf ein, über den der Bauausschuss beschließt. Der Entwurf wird danach öffentlich ausgelegt. Im Mai/Juni wird es dann noch eine Bürgerversammlung zum Neubaugebiet Wohr geben.

Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Kinderheilstätte Nordkirchen

„Benutzte Kondome und Erbrochenes“: Kinderheilstätte empört über nächtliche Saufgelage