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Was tun, wenn das Thema Europawahl für Menschen mit Behinderung zu abstrakt ist?

rnMaximilian-Kolbe-Schule

Das Wahlrecht für Menschen mit Behinderung ist zwar neu. Doch an der Maximilian-Kolbe-Schule ist die Auseinandersetzung mit Politik und Wahlen eine seit Jahre eingeübte Praxis. Wie geht das?

Nordkirchen

, 24.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Alle Schülerinnen und Schüler, die 18 Jahre werden, nehmen an dem besonderen Schul-Programm „AG 18 plus“ teil. „Hier werden verschiedenste Themen aufgegriffen“, sagt Volker Musiol, der seit mehr als 30 Jahren Lehrer ist und zudem einen 49-jährigen Mann mit geistiger Behinderung betreut. Um das Teilnahme-Recht an der Europawahl hat sich Musiol für den Mann bewusst nicht bemüht. „Das neue Wahlrecht hat viele Facetten und ist in Teilen auch schwierig“, sagt Musiol. „Was ist mit Menschen, die sich gar keine eigene Meinung bilden können?“ Musiol jedenfalls möchte nicht in seiner Funktion als Betreuer einem anderen Menschen seine persönliche politische Meinung aufdrängen.

Bundesverfassungsgericht bestätigt Wahlrecht

Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes dürfen allerdings voll betreute Menschen mit Behinderungen an der Europawahl am 26. Mai teilnehmen. Schon lange sieht übrigens die UN-Behindertenrechtskonvention dieses Wahlrecht vor. Und das Bundesverfassungsgericht hat Anfang des Jahres entschieden, dass ein Ausschluss dieser Menschen bei Wahlen nicht mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist. Ab dem 1. Juli gilt die Reform, die Menschen mit Behinderung auch in Deutschland das Wahlrecht erlaubt. Für die Maximilian-Kolbe-Schule ist die Ausübung dieses Rechtes aber gar nicht das ganz große Thema.

Schüler erleben die Freizügigkeit bei Klassenfahrten

„Alle unsere Schüler haben Eltern oder Betreuer, die sich um das Wahlrecht kümmern“, sagt Musiol. Die Schule, die auch Europaschule ist, kümmere sich vielmehr darum, dass die jungen Menschen „Europa direkt erleben“. Dazu gehören Schüleraustausche ebenso wie Fahrten in europäische Nachbarländer. Ob es die einheitliche Währung oder der unproblematische Grenzübertritt ist - nach Einschätzung von Volker Musiol spüren die Schüler der Maximilian-Kolbe-Schule „ganz genau, was Freizügigkeit bedeutet“. Schwieriger sei ihnen hingegen, ihnen das Thema Europawahl zu vermitteln. „Das ist für viele sehr abstrakt.“ Deshalb beschäftigt sich die Schule in der „AG 18 plus“ mit ganz konkreten europäischen Fragen wie etwa dem Klimawandel und dem Asyl.

Die Fragen aus dem Wahl-O-Mat sind „sehr interessant“

Ob es die kurdische Schülerin oder der syrische Flüchtling ist - Menschen aus anderen Teilen der Welt besuchen die Maximilian-Kolbe-Schule und können über ihre Heimatländer berichten. Für Volker Musiol ist die „politische Bildung das entscheidende Thema. Das ist Inklusion. Und so haben sich die Jugendlichen beispielsweise mit dem Wahl-O-Mat beschäftigt.“ Dabei sei es allerdings nicht darum gegangen, dass sich die Schüler am Ende für eine Partei entschieden haben. „Die hier gestellten Fragen sind sehr interessant.“

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