Windkraft: Schwarz-Gelbe Pläne spalten Nordkirchen

Neue Landesregierung

1500 Meter sollen neue Windräder mindestens als Abstand zu Wohngebieten haben - so plant es die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung. In Nordkirchen ist man da geteilter Meinung: Windkraftgegner freuen sich über diesen "Schritt in die richtige Richtung", für die Gemeinde wird es hingegen schwieriger, passende Orte zu finden.

NORDKIRCHEN

, 16.06.2017, 19:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Windkraft: Schwarz-Gelbe Pläne spalten Nordkirchen

Wird Nordkirchen keine Windkraftanlagen bekommen? Die Pläne, die die Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten hat, machen die Suche nach geeigneten Flächen zumindest sehr schwierig.

Für Windkraftgegner sind die Pläne der schwarz-gelben Landesregierung ein Grund zur Freude, der Gemeindeverwaltung erschweren sie die Suche nach geeigneten Flächen für Windkraftanlagen. 1500 Meter Mindestabstand der Anlagen zu Wohngebieten wollen CDU und FDP durchsetzen. So wirkt sich das Vorhaben schon jetzt auf die Gemeinde Nordkirchen aus.

Warten auf landespolitische Regelung

Die Suche nach Windvorrangzonen in der Gemeinde Nordkirchen hat durch Pläne der neuen Landesregierung einen Dämpfer erhalten. Das bestätigte Bürgermeister Dietmar Bergmann (SPD) am Freitag auf Anfrage dieser Redaktion. „Wir werden jetzt erst einmal eine klare landespolitische Regelung abwarten“, erklärt der Bürgermeister. Damit ist das Ziel der Gemeinde, Gebiete auszuweisen, in denen Windkraftanlagen gebaut werden, vorerst auf Eis gelegt.

Bislang galt als Vorgabe für die Ausweisung von sogenannten Windvorrangzonen ein Mindestabstand von 450 Metern zu Wohngebieten. CDU und FDP wollen diesen Abstand auf 1500 Meter erweitern – also etwa das Dreieinhalbfache.

Keine neuen Windkraftanlagen in Nordkirchen?

Damit würden in Nordkirchen allerdings voraussichtlich keine Flächen mehr übrig bleiben, auf denen Windkraftanlagen gebaut werden könnten, schätzt Dietmar Bergmann. In einem Standortkonzept, das die Planungsgesellschaft NWP aus Oldenburg im Juni 2016 vorgestellt hat, kamen nach Abzug aller Tabuzonen (darunter Wohn-, Gewerbe- und Naturschutzgebiete) noch rund 106 Hektar als potenzielle Flächen für Windenergie zusammen, aufgeteilt in sieben Flächen, die sich über sämtliche Ortsteile verteilen.

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Das Ziel der Gemeinde sei neben dem Beitrag zur Energiewende auch eine Planungssicherheit, so Dietmar Bergmann. Eine "Verspargelung der Landschaft" sei genauso wenig Ziel der Verwaltung wie große Windparks. Aber: „Wir wollen verhindern, dass das Gemeindegebiet offen für Anlagen wird“, so Bergmann weiter.

Heißt: Die Gemeinde will die Regeln dafür, wo welche Anlagen gebaut werden – vor allem die sogenannten weichen Tabuzonen – selbst festlegen. Nach aktuellem Stand wird es keine Spielregeln geben, wenn es voraussichtlich nicht einmal ein Spielfeld gibt.

Windkraftgegner erfreut über die politische Neuorientierung

Ralf Kopacki, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Windkraft Nordkirchen, nimmt die politische Neuorientierung mit Zufriedenheit zur Kenntnis. „Es ist der richtige Schritt in die richtige Richtung“, sagt Kopacki im Gespräch mit der Redaktion. Würde in Nordkirchen keine einzige Windkraftanlage gebaut werden, hätte die Bürgerinitiative ihr Ziel erreicht, erklärt der BI-Vorsitzende weiter.

Aus seiner Sicht scheitere die Windkraft als alternative Energiequelle schon an der nicht ausreichenden Speichertechnologie, um die erzeugte Elektrizität effizient zu nutzen. Darüber führt Ralf Kopacki mögliche gesundheitliche Auswirkungen an, unter anderem durch Infraschall und Schlagschatten. Auch einen Wertverlust der Immobilien in der Nähe von Windkraftanlagen nennt er als Kritikpunkt.

Windkraft in Nordkirchen
Noch gibt es auf dem Gemeindegebiet keine einzige Windkraftanlage.
Die Schlossgemeinde hat im Jahr 2015 18 Prozent ihres Bedarfs aus erneuerbaren Energien bezogen.
Das entsprach bei einem Gesamtverbrauch von 76.530 MWh/Jahr einem Anteil von 13.758 MWh/Jahr
Der prozentuale Anteil lag über dem des Landes (12 Prozent Öko-Strom) aber unter dem des Kreises (27 Prozent). Bundesweit lag der Schnitt bei 26 Prozent.
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