„Wir reden uns das schön“: Nordkirchener Hotelier übt scharfe Kritik an Hotel-Neubau

rnHotel-Projekt in Nordkirchen

Die Gemeinde Nordkirchen erhofft sich von dem neuen Hotel einen wirtschaftlichen Schub, die Bürger ein neues Schwimmbad. Bei den Hotelbetreibern sorgt es nicht unbedingt für Begeisterung.

Nordkirchen

, 10.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem geplanten Vier-Sterne-Hotel in Nordkirchen verbinden vor allem viele Einwohner der Schlossgemeinde die Hoffnung, bald endlich wieder ein Schwimmbad vor Ort zu haben. Die Verwaltungsspitze erhofft sich von dem Hotelprojekt und dem Fortbildungscampus für Finanzbeamte auch einen deutlichen Schub für die Nordkirchener Wirtschaft. Von bis zu 80 neuen Arbeitsplätzen ist die Rede.

Das Projekt hat allerdings auch eine Kehrseite, und die könnten die Betreiber der bereits bestehenden Hotels in Nordkirchen zu spüren bekommen, wenn der neue Vier-Sterne-Betrieb in ein paar Jahren an den Start geht.

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Seit 30 Jahren betreibt Heinz Perrar das Schlaun-Café, zu dem auch zehn Hotelzimmer gehören. Eins habe er in dieser Zeit gelernt, sagt Perrar am Telefon im Gespräch mit dieser Redaktion: „Der alte Spruch ‚Konkurrenz belebt das Geschäft‘ ist ein ganz dummer.“ Nichts anderes als Konkurrenz für die Nordkirchener Hotels sei das, was die Gemeinde da nördlich der Gesamtschule plant.

Erhofft er sich nicht touristisch einen Schub für die Schlossgemeinde und dadurch auch indirekt für die Auslastung seines Hotelbetriebs? Gibt es da vielleicht nicht doch etwas Vorfreude? „Nein“, sagt Perrar, „freuen tut man sich darauf nicht.“

Er schiebt allerdings ein „Aber“ hinterher. Im Hinblick auf das neue Schwimmbad, das die Gemeinde bekommt und in dieser Form selbst nicht hätte umsetzen können, sei das Großprojekt immerhin für die Allgemeinheit gut.

Keine goldenen Zeiten für Vier-Sterne-Hotel?

Rein wirtschaftlich sieht der Hotelbetreiber allerdings keine goldenen Zeiten auf den Vier-Sterne-Betrieb in Nordkirchen zukommen: „Wer soll denn da übernachten?“, fragt Perrar. Seine Begründung: In den Sommermonaten, der Haupt-Heirats-Saison und der Zeit rund um das Schlosskonzert sei die Auslastung den Nordkirchener Hotelbetrieben ausgezeichnet. In der Nebensaison hingegen nicht.

Dass der Hauptsaison-Betrieb den der Nebensaison aufwiegt, zweifelt Perrar bei einem Hotel dieser Größe und Preiskategorie an. „Wir reden uns das schön“, sagt er.

Probleme für seinen Hotelbetrieb sieht Albert Lücke, Betreiber des Plettenberger Hofs, nicht durch das neue Hotel. Das habe als Vier-Sterne-Betrieb ganz andere Preise und damit auch eine andere Zielgruppe als der Plettenberger Hof mit seinen acht Zimmern. „Nein, ich mache mir da keine Sorgen“, sagt Lücke.

Die Auslastung der Zimmer liege bei 65 Prozent im Jahresschnitt, sagt er. Viele seiner Gäste seien außerdem Stammkunden - darunter viele Handwerker. Die würden eher nicht in ein Vier-Sterne-Hotel wechseln, ist sich Lücke sicher.

Und, bis das Hotel wirklich da ist, könne noch einige Zeit vergehen, sagt er. „Es wurde ja schon so oft verschoben“, fügt Lücke hinzu.

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Dennis Mecke, Inhaber der Schloss Stuben, direkt neben dem Plettenberger Hof an der Schloßstraße, steht dem Projekt „mit geteilter Meinung gegenüber“, wie er sagt. Einerseits sei es schön, wenn durch das neue Hotel die touristische Strahlkraft Nordkirchens vielleicht zunimmt. Von mehr Touristen würden dann auch die kleineren Betriebe profitieren, sagt Mecke.

Andererseits sieht auch der Schloss-Stuben-Betreiber ganz klar die Konkurrenz für sein Geschäft und das der anderen Hotelbetriebe in der Schlossgemeinde. Das neue Hotel „könnte uns durchaus Gäste wegnehmen“, so Mecke.

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Neun Zimmer haben die Schloss Stuben mit insgesamt 19 Betten. Die typischen Hotelgäste würden sich aus verschiedenen Gruppen zusammensetzen, erklärt der Inhaber. Zum Wochenende seien es häufig die Hochzeits-, oder Freizeitreisenden, in der Woche auch viele Geschäftsreisende. Eine Klientel, die auch das neue Hotel im Visier hat.

Mecke will dagegen halten und die Qualität seines Hotels weiter verbessern: Eine Modernisierung sei genauso angedacht, wie spezielle Angebote und Aktionen, um Besucher zu locken.

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