Auf dem Rasenplatz in Capelle könnte es bald eine Wohnbebauung geben. Die Pläne dazu hat die Gemeinde jetzt erstmals veröffentlicht. © Günther Goldstein
Sportplatz Capelle

Wohnen auf Sportplatz: Anwohner wünscht sich Umweltschutz statt Baugebiet

Wenn es um neue Baugebiete geht, zieht der Umweltschutz in Nordkirchen den Kürzeren, findet ein Bürger der Gemeinde. Er kritisiert die Pläne zum Wohngebiet auf dem Capeller Sportplatz.

Wo jetzt noch der Rasen des Sportplatzes in Capelle steht und Fußballer ihre Bälle ins Tor schießen, könnte irgendwann ein 7000 Quadratmeter großes Wohngebiet entstehen. Diese Pläne hatte die Gemeinde Nordkirchen jüngst im Bauausschuss vorgestellt.

Martin Klopsch aus Capelle sieht diesen Vorschlag der Gemeindeverwaltung kritisch. Erst gerade, so sagt es der Richter, der in der Nähe des Sportplatzes wohnt, habe das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil dem Umwelt- und Klimaschutz eine vorrangige Bedeutung bei staatlichen Entscheidungen eingeräumt. Mehr an die nächste Generation zu denken, das spreche aus diesem Urteil, findet Klopsch und das ist auch ihm ein Anliegen.

Sind Wohngebiete alternativlos?

„Man müsste bei diesen Wohngebieten darüber nachdenken, was macht man für den Umweltschutz und ist ein Wohngebiet wirklich alternativlos?“, gibt Klopsch zu bedenken. Er sei nicht grundsätzlich gegen Wohngebiete, „aber wenigstens eine Diskussion darüber würde ich mir erwarten.“

In den vergangenen Jahren sei in Nordkirchen ausgebaut und ausgebaut worden. Mit dem neuen Baugebiet Wohr in Capelle, oder auch mit dem Wohngebiet Capeller Straße in Südkirchen. Aber hätte man nicht einfach so vorgehen können, dass man nach zwei Baugebieten die Fläche beim dritten geplanten Gebiet nicht für den Naturschutz in die Pflicht nimmt? Zum Beispiel für eine Obstwiese oder für ein Projekt wie Urban Planting?, schlägt Klopsch vor.

Von der Stadt ins Grüne gezogen

Klopsch und seine Frau sind vor 14 Jahren von Kamen nach Capelle gezogen. Damals lebte das Paar mitten in der Stadt, wie Klopsch sagt. „Wir wollten immer ins Grüne ziehen“, sagt er. So fiel die Wahl schließlich auf Capelle, mit viel münsterländischer Natur und Sehenswürdigkeiten in der Nähe. Umweltschutz sei ihm wichtig, sagt Martin Klopsch. „Wir versuchen Plastik zu vermeiden, füttern Igel und Vögel im Garten und versuchen umweltbewusst zu leben. Und dann ist man immer ein bisschen schockiert, dass um einen herum nichts passiert“, sagt er. In Nordkirchen sei der Gedanke an die Umwelt noch nicht besonders weit in den Köpfen verankert, findet Klopsch.

Dass er Kritik an den Plänen dieses Baugebietes übe, liege aber nicht daran, dass er in der Nähe wohne, sagt der Capeller. Er habe sich nachweislich auch in den vergangenen Jahren immer wieder kritisch zu neuen Baugebieten geäußert und sich bei der Gemeinde gemeldet. „Der ständige Flächenverbrauch muss hinterfragt werden“, sagt Klopsch. Ob das wirklich notwendig sei, das müsse man sich bei jedem Baugebiet fragen – und fest verankern, dass im Hinblick auf die Umweltaspekte zunächst die Notwendigkeit diskutiert werde. Und wenn sich die Gemeinde dann für ein Baugebiet entscheide, dann solle da so umweltverträglich wie möglich gebaut werden, findet er.

„Es passiert durchaus einiges“

Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann möchte sich den Vorwurf nicht gefallen lassen, die Gemeinde würde nichts für den Umweltschutz tun. „Für jede Maßnahme, die wir durch Bebauung durchführen, müssen wir eine Ausgleichsfläche schaffen“, sagt Bergmann. „Dazu sind wir verpflichtet.“

So entstehe Beispielsweise an der Capeller Straße in Südkirchen auf der rechten Seite eine Ausgleichsfläche, die bepflanzt wird. Ein weiteres Beispiel, wo die Gemeinde im Sinne des Umweltschutzes gehandelt habe, sei die Entfesselung des Capeller Bachs. Diese sei anstelle eines Regenrückhaltebeckens aus Beton erfolgt. „Es passiert durchaus einiges“, sagt Bergmann. Dass die Gemeinde, den Klimaschutz nicht bedenke, „das weise ich von mir“, sagt Bergmann.

Zudem schreibe der Landesentwicklungplan eine Nachverdichtung vor. Das bedeutet, dass freistehende Flächen für die Bebauung genutzt werden sollen. „Das streben wir auch in Capelle an“, sagt Bergmann. Zum Hintergrund: Nach dem aktuellen Beschlussvorschlag der Gemeinde, soll der Ascheplatz in Capelle zum Kunstrasenplatz werden. Der schon bestehende Rasenplatz würde dann als Sportfläche nicht mehr gebraucht. Auf ihm sollen nach dem Vorschlag der Gemeinde die Wohnhäuser entstehen.

Abstimmungsbedarf besteht ohnehin noch

Martin Klopsch glaubt, dass die Pläne dafür gar nicht so neu sind. Schon im Januar waren Bäume dort gefällt worden sagt er. Gerüchteweise habe es damals schon geheißen, dass das wegen eines Baugebietes passieren soll. Es habe sich dabei um Pflegearbeiten an Bäumen, Sträuchern und Hecken gehandelt, hatte die Gemeinde damals erklärt. Dabei bleibt Dietmar Bergmann auch auf Nachfrage und weist auch diesen Vorwurf entschieden zurück. „Das Konzept hat sich erst im Laufe der letzten Monate ergeben, als es hieß, beim Feuerwehrgerätehaus muss was getan werden“, sagt der Bürgermeister.

Die Feuerwehr befindet sich ebenfalls auf dem Gelände. Ob an der jetzigen Stelle eine Modernisierung durchgeführt, oder an anderer Stelle ein Neubau entstehen soll, müsse aber noch diskutiert werden, hatte Bauamtsleiter Josef Klaas bei der Ausschusssitzung gesagt.

Auch bei den Neubauplänen auf dem Sportplatz sei das letzte Wort ja noch gar nicht gesprochen, macht Dietmar Bergmann deutlich. Über den Flächennutzungsplan müsse abgestimmt werden und eine Bürgerbeteiligung würde es dann auch geben. Dort sei dann auch genug Raum, um über mögliche Kritik und Bedenken zu sprechen.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder