Patrick Linnemann und der SuS Olfen werden noch längere Zeit zusammenarbeiten. © Matthias Henkel
Fußball

Patrick Linnemann verlängert beim SuS Olfen – und der SuS Kaiserau spielt eine Rolle dabei

Die sportliche Lage beim SuS Olfen ist wenig hoffnungsvoll. Dennoch verlängert der Klub mit Trainer Patrick Linnemann. Kurioserweise sorgt die Misere auf dem Platz mit dafür, dass der Coach bleibt.

Patrick Linnemann bleibt Trainer beim SuS Olfen. Das gab der Fußball-Bezirksligist am Donnerstag bekannt. Der Zeitpunkt war doch etwas überraschend, schließlich steckt der SuS in einer sportlichen Misere und ist das Tabellenschlusslicht seiner Spielklasse. Auch Linnemann hätte mit einem Wechsel liebäugeln können, entschied sich jedoch zum Verbleib. Das hat auch etwas mit seinem Ex-Klub SuS Kaiserau zu tun.

Dass der Trainer jedoch an der Hoddenstraße bleiben würde, bahnte sich an. Schon Anfang Oktober, nach der deutlichen 0:5-Niederlage gegen Waltrop, als Linnemann seine Mannschaft erstmals öffentlich kritisierte, gingen die beiden Sportlichen Leider Norbert Sander und Christian Brüse auf den Trainer zu und führten erste Gespräche. „Die beiden haben mir gesagt, dass sie mit mir verlängern wollen, weil sie meine Arbeit schätzen“, berichtet Linnemann.

Patrick Linnemann ist nur wenig überrascht

Für Außenstehende dürfte der Schritt überraschend gekommen sein, schließlich holte der SuS Olfen bislang erst einen Punkt. Linnemann selbst zeigte weit weniger Verblüffung, als man durch den externen Blick annehmen könnte. „Klar, die Tabellensituation ist nicht die geilste, das steht außer Frage“, sagt der Trainer zwar, „trotzdem ist man sich der eigenen Arbeit bewusst. Ich stehe permanent im engen Kontakt mit Christian und Norbert, von denen ich Feedback bekomme.“

Für den SuS-Coach deutete sich also die Entscheidung der beiden Sportlichen Leiter schon an. „Etwas überraschend war es wegen der Ergebnisse aber schon“, gibt Linnemann auf Nachfrage zu. „Trotz alledem habe ich mich gefreut.“

Patrick Linnemann berichtet von einem Zusammengehörigkeitsgefühl, das mit dazu beiträgt, beim SuS Olfen zu bleiben.
Patrick Linnemann berichtet von einem Zusammengehörigkeitsgefühl, das mit dazu beiträgt, beim SuS Olfen zu bleiben. © Matthias Henkel © Matthias Henkel

Auch aus der Mannschaft gab es Rückmeldung für den Coach. „Sie hat signalisiert, dass sie mit mir weitermachen will. Hier gab es sicher auch einige Gedankenspiele, was passiert, wenn wir absteigen sollten, ob wir zusammenbleiben.“

Selbst empfindet Linnemann viel Freude an der Zusammenarbeit mit seiner Mannschaft – auch weil das Team mitzieht, wie er sagt. „Das bekommt man über die Motivation und den Spaß mit, den die Jungs haben. Die arbeiten selbst dann gut mit, wenn es auch mal Übungen ohne Ball gibt.“

Sportliche Lage des SuS Olfen ist für Verlängerung mitverantwortlich

Ein weiterer Grund, der für die Ausdehnung der Zusammenarbeit mitverantwortlich ist, ist die sportliche Misere, in der sich das Bezirksliga-Team befindet. „Ich bin vier Tage in der Woche bei den Jungs. Mit der Mannschaft verbringe ich fast mehr Zeit als mit der Familie. Da sind mir die Jungs ans Herz gewachsen“, stellt Linnemann voran, bevor er weiter ausführt: „In dieser kurzen Zeit haben wir schon so viel fußballerischen Mist mitgemacht: die Verletzten, die schlechte Punkte-Ausbeute – das schweißt zusammen.“

Das Gemeinschaftsgefühl hat Linnemann vom SuS Kaiserau, dessen zweite Mannschaft er noch in der Vorsaison trainierte, mit nach Olfen gebracht, wie er sagt. „In Kaiserau gab es den Benchmark: ‚Liebe kennt keine Liga‘. Damit wurde ich infiziert und damit bin ich nach Olfen gekommen.“

Aber nicht nur der Zusammenhalt erleichterte Linnemann, die Entscheidung in Olfen weiterzumachen: „Diese Mannschaft hat unfassbar viel Potenzial. Wenn sie zusammenbleibt, hat sie eine große Zukunft.“

Gemeinsamer Weg könnte länger andauern

Allerdings könnte in der kommenden Saison die Realität Kreisliga A statt Bezirksliga heißen. Linnemann wird dann da sein, darauf hat er sich bei der Verlängerung mit der Sportlichen Leitung geeinigt. Und vielleicht könnte der gemeinsame Weg sogar noch länger gehen. „Ich bin immer offen damit umgegangen, dass ich überkreislich trainieren will“, sagt Linnemann zwar, „das heißt aber nicht, dass ich nicht mit in die Kreisliga A gehe.“

Zu guter Letzt gibt Patrick Linnemann Verein und Mannschaft noch ein Versprechen: „Wenn wir runtergehen sollten – was ich nicht glaube – ist das Kapitel hier erst für mich abgeschlossen, wenn ich die Jungs dahin gebracht habe, wo sie hingehören – und das ist überkreislicher Fußball.“

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Redakteur
Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel