Stadt über Eichenprozessionsspinner: „Wir können nicht mehr an jedem Radweg tätig werden“

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Wer in den Außenbereichen Olfens den Befall mit Eichenprozessionsspinnern meldet, hat kaum eine Chance, dass die Stadt einschreitet. Auch gegen Warnschilder hat die Stadt sich entschieden.

Olfen

, 14.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Hoch oben in den Eichen im Olfener Außenbereich Feldkamp sind sie zu finden: die Nester des Eichenprozessionsspinners. „80 bis 90 Prozent der Bäume sind befallen“, schätzt Frank Heine.

Frank Heine ist Anwohner und fühlt sich von der Stadt in Sachen Eichenprozessionsspinner im Stich gelassen. Er habe die Auskunft erhalten, dass die Stadt in den Außenbereichen nichts mehr gegen den Schädling tue. „An einem offiziellen Radweg“, sagt Frank Heine, „da ist die Stadt nicht bereit, etwas zu tun, das finde ich schon traurig.“ Seine Kinder würden hier entlang fahren auf dem Weg zur Schule, ganz abgesehen von den Bürgern und Touristen, die den dort

befindlichen Rundradweg durch den Eichenwald nutzten.

Klemens Brömmel vom Bauamt der Stadt Olfen bestätigt das. „Das ist im Moment Standpunkt der Stadt“, sagt Brömmel. Aufgrund des flächendeckenden Befalls sei es für die Stadt nur noch möglich, an markanten Stellen wie Schulen oder Bushaltestellen tätig zu werden. „Orte, denen man nicht aus dem Weg gehen kann“, sagt Brömmel, „aber wir können jetzt nicht an jedem Radweg tätig werden. Wir haben für uns entschieden, dass wir im Außenbereich bei der Menge nicht hinterher kommen können.“

Stadt über Eichenprozessionsspinner: „Wir können nicht mehr an jedem Radweg tätig werden“

Die Eichen an der Feldmark im Hintergrund des Bildes sind von Nestern des Eichenprozessionsspinners übersät. © Martina Niehaus

Keine Warnschilder vor Eichenprozessionsspinner

Doch Frank Heine ärgert noch etwas: „Wo hunderte Radfahrer bei schönem Wetter herfahren, da kann man doch wenigstens bereit sein, Warnschilder aufzuhängen“, sagt er. Auch das habe die Stadt abgelehnt. „Wir haben über Schilder diskutiert“, sagt Klemens Brömmel. Allerdings sei das „flächendeckend“ schwierig. Es sei „trügerisch“, ein falsches Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, wenn nur einige Stellen beschildert seien. Die Bürger würden dann vielleicht denken, dass an einer anderen Stelle keine Gefahr vom Eichenprozessionsspinner ausgehe, nur weil man dort noch kein Schild aufgestellt habe.

Das Argument, ob es dann besser wäre, gar nicht erst mit dem Warnen anzufangen, lässt Klemens Brömmel nicht gelten: „Ich glaube, das Thema ist soweit bekannt“, sagt er. Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um eine Raupe, bei der vor allen Dingen die vielen, kleinen Härchen am Raupenkörper für den Menschen zum Problem werden können.

Ausschlag und Atembeschwerden

Die Haare können Juckreiz und Ausschlag verursachen, im schlimmsten Fall können sie Asthma und Atemprobleme auslösen und so zur Gefahr für den Betroffenen werden.

Dass es mehr Fälle als in den letzten Jahren gibt, beantwortet Brömmel mit einem „absolut.“ Erste Befälle habe es schon vor fünf Jahren gegeben. Die seien aber in einem so geringen Maße gewesen, dass die Öffentlichkeit sie kaum wahrgenommen habe.

Arbeit mit Prioritätenlisten

Für Landes- oder Kreisstraßen, die im Außenbereich von Olfen liegen, sind jeweils Straßen.NRW in Münster oder der Kreis Coesfeld zuständig. Auch diese beiden Behörden arbeiten mit Prioritätenlisten, sobald ihnen ein Befall gemeldet wird. Doch beide Behörden kommen kaum noch hinterher.

„Man wird dem gar nicht Herr werden können, wir können nicht überall sein“, sagt Klaus Dammers vom Kreis Coesfeld. „Jede Woche gibt es eine neue Liste zum Abarbeiten“, sagt Heinrich Lütke-Wenning, Abteilung Straßenbau bei Straßen.Nrw Münsterland. Beide arbeiten mit Prioritäten, an Schulen oder Kindergärten werden sie zuerst aktiv. Der Unterschied: Der Kreis Coesfeld arbeitet laut eigenen Aussagen mit Schildern, wenn eine bekannte Stelle noch nicht behandelt werden kann. Straßen.NRW sieht die Städte und Gemeinden in der Pflicht.

Keine Prophylaxe weil Gefahr für andere Raupen

Brömmel hat Verständnis für die Sorgen der Anwohner, würde sich aber auch Vorgaben, zum Beispiel von der Landesebene wünschen, da das Problem mit dem Eichenprozessionsspinner viele Städte in Nordrhein-Westfalen, sowie auch andere Bundesländer betrifft. „Und ich glaube, dass wir damit in den nächsten Jahren noch leben müssen“, sagt Brömmel.

Das prophylaktische Spritzen, also die Behandlung der befallenen Bäume im Frühjahr, noch bevor sich die Brennhaare der Raupen ausgebildet haben, macht die Stadt nicht mehr. Andere Städte, wie zum Beispiel Selm, haben die Methode gerade für sich entdeckt.

„Das haben wir die letzten zwei Jahre an markanten Stellen gemacht“, sagt Brömmel. Zu 80 Prozent seien an den betroffenen Bäumen auch keine Raupen mehr aufgetaucht. „Der Nachteil ist aber, dass auch andere Raupen davon betroffen sind.“ Deshalb empfiehlt die Untere Naturschutzbehörde im Kreis Coesfeld diese Behandlung nicht mehr.

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