Acht Kommunen übernehmen die Energienetze

Eigene Gesellschaft

Acht Kommunen aus dem Kreis Coesfeld - darunter Olfen, Nordkirchen und Ascheberg - haben ihr Ziel erreicht: Zusammen mit dem strategischen Partner Gelsenwasser haben sie die Mehrheit an den Strom- und Gasnetzen übernommen. Aber was haben die Bürger davon?

KREIS COESFELD

, 03.12.2016, 08:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sieben Jahre haben Olfen, Ascheberg, Billerbeck, Havixbeck, Lüdinghausen, Rosendahl, Nordkirchen, Senden und Nottuln mit dem Energieriesen RWE hart verhandelt. Die Städte und Gemeinden haben sich durch Rückschläge nicht entmutigen lassen, sie sind mit einer Ausnahme – Nottuln stieg zwischenzeitlich aus – solidarisch geblieben.

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz im Sendener Rathaus betonten die Bürgermeister, dass die nächsten Generationen von der Übernahme der Strom- und Gasnetze profitieren werden. Eine Ausweitung ist deshalb ausdrücklich nicht ausgeschlossen. 

Städte und Gemeinden sichern wichtige Infrastruktur

Früher war alles ganz einfach. Es gab den Energieversorger. Erst war es in unserer Region VEW, später nach der Fusion RWE. Nach der Marktöffnung war aber nur noch wenig so, wie es vorher war. Seitdem können die Kunden frei wählen, von welchem Konzern sie den Strom beziehen.

Aber natürlich hat nicht jeder Strom-Anbieter ein eigenes Netz. In unserer Region gehörte es über viele Jahre RWE. Damit ist jetzt Schluss. Weitestgehend. Acht Kommunen halten 51 Prozent an den Strom- und Gasnetzen in der Region. RWE ist noch für eine Übergangszeit von sechs Jahren in den Netzbetrieb eingebunden.

"Wollen kein schnelles Geld verdienen"

Wie viel die neuen Eigentümer an RWE bezahlt haben, wollten sie nicht sagen. Sie betonten nur: „Wir haben keine kurzfristigen finanzielle Absichten, wir wollen kein schnelles Geld verdienen“, sagte Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann.

Aus Sicht von Alfred Holz, früherer Bürgermeister von Senden und einer der Initiatoren des Kaufs, geht es vor allem darum, die „Netze in kommunale Hand zu bekommen. Früher war die Einflussnahme auf den Netzbetrieb sehr gering.“

Mit dem Kauf der Strom-Netze haben sich die acht Gemeinden und Städte ein zentrales Stück Infrastruktur vor Ort gesichert.

Gelsenwasser und die Kommunen gründen Gesellschaft

Ohne Stromnetz keine Stromversorgung. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis, macht aber deutlich, dass ein Strom- oder Gasnetz einen enorm hohen Wert hat. Wie viele Millionen die acht Kommunen bezahlt haben, soll geheim bleiben.

Auf der Pressekonferenz in Senden betonten die Verantwortlichen nur, dass der Preis noch höher gewesen wäre, wenn die Stromnetze sofort auf die Kommunen und ihren strategischen Partner Gelsenwasser übergegangen wären. Vertraglich festgeschrieben ist, dass RWE in den nächsten sechs Jahren 25,1 Prozent an den Stromnetzen hält.

In den Haushalten der acht Kommunen wird dieses Geschäft übrigens nicht auftauchen. Die Gelsenwasser AG und die acht Städte und Gemeinden haben gemeinsam eine neue Gesellschaft gegründet, die MNG Stromnetze GmbH & Co. KG. Diese neue Gesellschaft hat auch einen Kredit aufgenommen zur Finanzierung des Geschäftes.

Sie profitiert von den derzeit niedrigen Zinsen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Schulden in 29 Jahren bezahlt sind, die Netze aber erst in 40 Jahren abgeschrieben sind. „Es handelt sich um ein selbstfinanziertes Paket, das die kommunalen Haushalte nicht belastet“, so Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann. 

Partner wollen zunächst intensiv Wirtschaftlichkeit prüfen

Die Übernahme der Energienetze ist zwar ein erster großer Schritt, er muss allerdings nicht der letzte sein. Die neue Geschäftsführerin Ulrike Mathis betonte auf der Pressekonferenz am Dienstag, dass Netz und Vertrieb entsprechend der gesetzlichen Vorgaben getrennt sein müssen. Das bedeute nicht, dass ein eigener Energievertrieb der Kommunen ausgeschlossen ist.

„Wir brauchen ein tragfähiges Konzept“, sagte Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann. Zunächst einmal müsse deshalb das Thema mit dem strategischen Partner Gelsenwasser diskutiert werden. Ähnlich die Position der Geschäftsführerin. „Es muss wirtschaftlich sinnvoll sein“, sagte Ulrike Mathis. Sollte das der Fall sein, könnte es vielleicht irgendwann eine Art „Stadtwerke Münsterland“ geben.

Zunächst einmal setzt die neue Stromnetz-Gesellschaft auf schlanke Strukturen. Sie hat keinen eigenen Standort. Angedockt ist sie vielmehr an die Gelsenwasser Betriebsdirektion in Lüdinghausen, Ascheberger Straße 28.

Mit einem möglichen Vertrieb würde übrigens die Gelsenwasser AG kein Neuland betreten. Das Unternehmen gehört zu gleichen Anteilen den Stadtwerken Dortmund und Bochum. Und die haben auch eigene Kraftwerke, unter anderem in Lünen. 

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