AfD ohne Reserveliste: Ehepaar van Suntum tritt trotzdem in Olfen an

rnKommunalwahl 2020

Der Wahlausschuss des Kreises Coesfeld hat die Reserveliste der AfD abgelehnt. Nun treten sechs Kandidaten als Einzelkämpfer an - gleich zwei davon in Olfen. Ihre Chancen stehen schlecht.

Olfen

, 04.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den Kreis Coesfeld war es ein einmaliger Vorgang: Der Wahlausschuss hat in seiner Sitzung vom 30. Juli die Reserveliste der AfD für unzulässig erklärt. Damit geht die rechtspopulistische Partei am 13. September nur noch mit sechs Direktkandidaten ins Rennen um einen Sitz im Kreistag.

Wie Wolfgang Heuermann, beim Kreis Coesfeld zuständig für die Kommunalwahl, auf Anfrage erklärt, habe die AfD selbst für diese Entscheidung gesorgt: „Der Bezirksverband hat Einspruch gegen die Liste des Kreisverbandes eingelegt.“ Eine Begründung dafür gab es nicht. „Das ist auch nicht notwendig, so etwas kann frist- und formlos passieren.“

Der Vorgang erinnert an die parteiinternen Querelen der AfD im Nachbarkreis Unna. Auch hier hatte der Bezirksvorstand die Reserveliste für den Kreistag einkassiert - mit der Begründung, dass die Spitzenkandidaten aufgrund ihrer Nähe zum Rechtsextremismus der Partei eher schaden als nutzen. Entsprechend lehnte der Wahlausschuss in Unna die Reserveliste ab - der AfD-Kreisverband will dagegen nun beim Landeswahlleiter Beschwerde einlegen.

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AfD-Kandidaten sind keine Parteimitglieder

Und im Kreis Coesfeld? Eine Anfrage unserer Redaktion hat der AfD-Bezirksverband Münster bisher nicht beantwortet. Gegenüber den Westfälischen Nachrichten hatte Bezirkssprecher Steffen Christ allerdings erklärt, dass die beiden Spitzenkandidaten der AfD im Kreis Coesfeld gar keine Parteimitglieder wären. Es wäre sicher nicht im Sinne der Partei, wenn sie womöglich über die Reserveliste in den Kreistag einzögen, wird der Sprecher in dem Artikel zitiert.

Einen Zusammenhang mit möglicherweise rechtsextremen Tendenzen nannte Steffen Christ nicht. Dabei liegt diese Vermutung zunächst nahe: Bei den beiden Spitzenkandidaten handelt es sich nämlich um Dorothe und Ulrich van Suntum aus Nordkirchen. Vor allem der emeritierte Professor war in der Vergangenheit mit zumindest fragwürdigen Äußerungen zu einer Holocaust-Leugnerin aufgefallen.

In einem Interview hatte er seine Aussagen später relativiert. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter beschimpft er allerdings weiterhin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Verräterin, fordert die AfD in der Diskussion um den rechtsextremen „Flügel“ zur Einigkeit auf und wünscht sich ein „neues Europa“ als eine Gemeinschaft von Deutschland - dann mit einer „zurechnungsfähigen Regierung“ - Polen, Ungarn und Großbritannien. Die Ermittlungen gegen rechtsextreme Bundeswehrsoldaten bezeichnet er als „linke Säuberungsaktionen“.

Der Nordkirchener Ulrich van Suntum tritt ebenfalls als AfD-Direktkandidat für den Kreis Coesfeld an.

Der Nordkirchener Ulrich van Suntum tritt ebenfalls als AfD-Direktkandidat für den Kreis Coesfeld an. © Laouari (A)

Dorothe van Suntum war unter anderem Sprecherin des AfD-Kreisverbandes Coesfeld. Sie tritt nun genau wie ihr Mann als Direktkandidatin für die AfD an - und zwar im Wahlkreis XXIII (Olfen-Nordkirchen). Ulrich van Suntum wird ebenfalls in Olfen auf dem Zettel stehen, als Kandidat für den Wahlkreis XXII. „Aus taktischen Gründen“, wie der ehemalige Professor im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt: „Die AfD hatte nicht genug Kandidaten für alle Wahlkreise. Also wurden nur die Kreise, in denen ein gutes Ergebnis möglich ist, mit Kandidaten besetzt.“

Frist für neue Vorschläge ist abgelaufen

Zwischenzeitlich hatten sich die van Suntums aus der AfD zurückgezogen - offiziell, weil sie zu stark nach rechts abgedriftet sei. Nach einem Zwischenspiel in Bernd Luckes Partei Alfa (mittlerweile „Liberal-konservative Reformer“) scheint sich das Paar nun wieder der AfD anzunähern - allerdings ohne Mitgliedschaft: „Ich bin offiziell gefragt worden, ob ich als parteiloser Kandidat für die AfD antrete“, so van Suntum.

Im Gegensatz zum Kreis Unna scheint die AfD das Scheitern ihrer Liste in Coesfeld übrigens hinzunehmen. Laut Wolfgang Heuermann liegt keine Beschwerde gegen die Entscheidung des Kreiswahlausschusses vor - und auch die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen ist am 27. Juli abgelaufen.

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