Angst vor Geflügelpest: Im Kreis Coesfeld gilt jetzt Stallpflicht

Tierseuche

Federvieh darf seit Samstagmorgen (27. 3.) im Kreis Coesfeld nicht mehr draußen sein. Der Kreis hat Stallpflicht verordnet: nicht die einzige Maßnahme zum Schutz vor der Geflügelpest.

Kreis Coesfeld

, 27.03.2021, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit Samstag (27. 3.) herrscht Stallpflicht im Kreis Coesfeld.

Seit Samstag (27. 3.) herrscht Stallpflicht im Kreis Coesfeld. © dpa

Nicht nur das Coronavirus macht zurzeit Probleme. Das aviäre Influenzavirus drängt gerade ebenfalls in den Fokus - zumindest bei Landwirten und Hobby-Tierhaltern. Dieser Krankheitserreger ist auf dem Vormarsch in Nordrhein-Westfalen - und mit ihm eine gefürchtete Tierseuche: die Geflügelpest oder Vogelgrippe . Offizieller Name: HPAIV H5.

Das Veterinäramt des Kreises Coesfeld hat im gesamten Kreisgebiet die

Freilandhaltung von Geflügel untersagt. Das betrifft Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse. Geflügelausstellungen und -märkte seien ebenfalls untersagt, heißt es in der amtlichen Mitteilung der Vollständigkeit halber. Denn die waren zurzeit ohnehin nicht geplant - wegen der Covid-19-Pandemie, die zwar nicht das Geflügel betrifft, aber seine menschlichen Halterinnen und Halter.

Aufstallungspflicht gilt auch für Hobby-Halter

Die Freilandhaltung ist seit Samstagmorgen (27. 3.) verboten. „Geflügel darf somit ab sofort nur noch in Stallungen oder überdachten Volieren gehalten werden“, schreibt der Kreis Coesfeld in einer Mitteilung von Freitagabend. Die Aufstallungspflicht gelte nicht nur für Landwirte, sondern auch für Hobbyhaltungen.

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Große Bedeutung hat jetzt das, was manche Geflügelhalter bislang möglicherweise als Bürokratismus abgetan hatten: die Anmeldung der Tiere bei der Tierseuchenkasse. Zu den Aufgaben der bei der Landwirtschaftskammer angesiedelten Tierseuchenkasse gehört es, mit den erhobenen Beiträgen beim Auftreten einer Tierseuche Entschädigungen zu leisten und Beihilfen für vorbeugende Maßnahmen anzubieten. Wer seine Tiere noch nicht angemeldet hat, wird dringend aufgefordert, dies nachzuholen. Der jeweilige Bestand mit Tierzahlen sei auch dem Veterinäramt des Kreises Coesfeld mitzuteilen, heißt es. Das könne auf unterschiedlichen Wegen erfolgen: telefonisch (02541/18-3912), per Fax (02541/18-3999) oder per E-Mail an die Adresse veterinaerdienst@kreis-coesfeld.de.

Ausbrüche im Kreis Warendorf, Verdacht in Münster

Die Sorge vor der Geflügelpest ist nicht neu. Seit Herbst 2020 breitet sie sich in

Deutschland aus - zunächst unter Wildvögeln, inzwischen aber auch auf Höfen. Die Infektionsausbrüche rücken immer näher. Nach amtlicher Angabe gibt es aktuell Ausbrüche in den Hausgeflügelbeständen in den Kreisen Gütersloh, Paderborn, Kreis Minden-Lübbecke, dem Hochsauerlandkreis und dem

Kreis Warendorf. Eins Mastputenbestand im Stadtgebiet von Münster soll ebenfalls infiziert sein.

Nicht nur Geflügelhalter sind in aufgefordert zu handeln. Auch Halter von Schweinen, Pferden, Schafen, Ziegen, Geflügel, Gehegewild und Bienen sind laut Kreisverwaltung verpflichtet, ihren Tierbestand schriftlich bei der

Tierseuchenkasse zu melden.

Auch Schafe, Pferde und Bienen der Tierseuchenkasse melden

Das Veterinäramt bittet, dieses auch für kleinere Bestände unbedingt zu beachten. Denn nur so könne sichergestellt werden, dass im Seuchenfall alle betroffenen Tierhalter schnell ermittelt und informiert werden

können.

Geflügelpest ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, hat gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung von dem schlimmsten Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland, den es je gegeben habe, gesprochen. 14 Bundesländer seien inzwischen betroffen.

Mehrere Millionen Vögel bereits verendet

Die Seuche habe sich von Norden nach Süden ausgebreitet. Auch diese Seuche, die sich über Wildvögel verbreitet hat, macht aber nicht an Grenzen halt. Außerhalb Deutschlands wurden insgesamt 659 Ausbrüche bei Geflügel in 25 europäischen Ländern gemeldet, wie das Loeffler-Institut ist seiner Risikoabschätzung vom 25. März berichtet. Die Zahl der toten Vögel wird auf mehrere Millionen geschätzt.

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