Aus für Notunterkunft sorgt für Abschiedsschmerz

Flüchtlinge in Vinnum

Shie Kofi Andrews aus Ghana lebt in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Vinnum, die in wenigen Tagen geschlossen wird. Christina Ullrich leitet die Einrichtung. Zwei unterschiedliche Menschen. Zwei unterschiedliche Kulturen. Zwei unterschiedliche Lebenswege. Was die beiden eint, ist der Abschiedsschmerz.

VINNUM

, 21.10.2016, 06:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aus für Notunterkunft sorgt für Abschiedsschmerz

Shie Kofi Andrews (2.v.r.) und die anderen Flüchtlinge müssen sich von dem Team der Norunterkunft Vinnum - hier mit Ayan Ayub (l.) und Alfred Marcellus (r.) verabschieden.

Abschiedsschmerz, denn die Notunterkunft schließt zum Ende des Monats. Etwas mehr als ein Jahr, nachdem die ersten Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten der Welt dort einzogen. Wenn am kommenden Montag und Mittwoch die letzten elf Flüchtlinge in die Notunterkunft Dülmen gebracht beziehungsweise anderen Kommunen zugewiesen werden, dürfte es Tränen geben. Bei den Flüchtlingen und bei den Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die sich um diese Menschen in der Zeltstadt am Lehmkamp gekümmert haben.

Fünf Monate ist Shie Kofi schon in der Notunterkunft. Eine lange Zeit. In der die DRK-Mitarbeiter wichtige Menschen für ihn geworden seien, erzählt er auf Englisch im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten: „Sie waren immer für uns da. Nicht nur, dass wir hier zu essen oder zu trinken bekommen haben. Sie haben uns zu Ärzten und Krankenhäusern gebracht.“ Und alles das, „zu jeder Zeit“. „Wenn wir sie brauchen, sind sie da.“

Wie es ihm jetzt, wo er die Unterkunft bald verlassen muss, geht? „Ich weiß nicht, wohin ich komme, aber ich weiß, dass ich die Menschen hier vermissen werden. Sie sind gut für mich. Ich werde sie in meinem Herzen haben.“

Wie geht es den Mitarbeitern?

Auch für die DRK-Mitarbeiter in der Notunterkunft dürfte es auch gar nicht so leicht sein, am Ende des Monats Abschied zu nehmen. „Gerade hat ein ehemaliger Bewohner, der uns vergangene Woche verlassen hat, angerufen, um mir zu sagen, dass er sich bei allen bedankt“, erzählt Christina Ullrich. Ihrer Stimme ist anzumerken, dass ihr dieser Anruf nahe geht.

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Obwohl Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Coesfeld als Träger der Einrichtung, sagt, man müsse als Mitarbeiter immer Distanz wahren, ist Christina Ullrich sicher: „Ein Stück Herz wird hier bleiben.“ Das liege an den vielen Menschen, die in Vinnum Zuflucht gefunden haben. An den Schicksalen, die einen berühren. Ja, aber auch am eigenen Ehrgeiz, dafür zu sorgen, dass es den Flüchtlingen gut geht, sich den Aufgaben zu stellen. „Das alles geht aber nur mit einem starken Team“, sagt die Einrichtungsleiterin.

„Sie alle haben ihre Sache hervorragend gemacht“

Eine Tatsache, die auch DRK-Kreisvorstand Christoph Schlütermann und Vertreter der Stadt mit Bürgermeister Wilhelm Sendermann an der Spitze bei einem Besuch am Donnerstag in der Notunterkunft würdigten. „Sie alle haben ihre Sache hervorragend gemacht“, lautete nur ein Satz von vielen, mit denen Schlütermann seine Mitarbeiter lobte. Sein Dankeschön an die Mitarbeiter nahm Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann auf, „uneingeschränkt.“ Es habe alles besser geklappt, als erwartet. Dank des Engagements der Mitarbeiter der Notunterkunft. „Aber auch dank des DRK-Ortsvereins Olfen mit der Kleiderkammer und des Bürgerbusvereins, der zur Verfügung stand.“

Wie es mit den DRK-Mitarbeitern aus der Notunterkunft beruflich weiter geht, wenn die Zeitverträge auslaufen, sei noch nicht abschließend geklärt, sagt Christoph Schlütermann. „Ich hoffe, dass sich die eine oder andere Perspektive in Integrationsaufgaben ergibt“, schob Sendermann ein. Denn mit der verstärkten Zuweisung von Flüchtlingen in die Verantwortung der Stadt Olfen ergeben sich neue Aufgaben. 

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