Starkregen

Bei Starkregen und Hochwasser will die Stadt Olfen frühzeitig warnen

Die Flutkatastrophe an der Ahr hat gezeigt, dass die Menschen dort offenbar nicht rechtzeitig gewarnt worden sind. Wie sieht es in Olfen aus? Dort fließen ja die Stever und die Lippe.

Wenn es zu extremem Starkregen und Hochwasser kommt, gelten in Olfen die Lippe und die Stever als Risikogewässer. Insbesondere Anwohner in Olfen, die unmittelbar an der Stever wohnen, müssen mit Überflutungen rechnen. Der Stadtverwaltung und ihrer Spitze ist das bewusst.

Aber wie wird die Bevölkerung gewarnt? Bei Hochwasser, extremem Unwetter, Chemie-Unfällen, Schadstoff-Austritt, Großbränden, Bombenentschärfungen oder Terrorakten tritt laut einer Pressemitteilung der Stadt Olfen ein Warnsystem in Kraft. „Die Olfener werden dann über Sirenen und die App Nina gewarnt, außerdem informiert die Stadt Olfen die Medien“, erklärt Christopher Hölscher von der Stadt Olfen. „Auf Durchsagen in Rundfunk und Fernsehen sollte die Bevölkerung dann besonders achten.“

Die Stadt Olfen hatte ein Fachbüro aus Senden beauftragt, um künftig möglichst alle Bürger vor Gefahren warnen zu können. Das Netz der Sirenen werde in den nächsten Jahren gerade in der Innenstadt immer dichter, heißt es aus der Stadtverwaltung. Der Sirenennetzplan werde Jahr für Jahr umgesetzt. Vor kurzem sei eine neue Mastsirene auf dem Kindergartengelände am Reiner-Klimke-Weg installiert worden.

Sechs Jahre bis zum fertigen Sirnenennetz

Dabei wird es aber nicht bleiben: Noch in diesem Jahr wird eine neue Sirene auf dem Dach des Baubetriebshofes an der Otto-Hahn-Straße angebracht, teilt die Stadt mit.

Der zuständige Mitarbeiter bei der Stadt Olfen, Christopher Hölscher, geht aktuell davon aus, dass es rund sechs Jahre dauern wird, bis alle neu geplanten Sirenen aufgebaut sind. Zurzeit besitzt die Stadt Olfen vier Sirenen.

„Wir setzen wie andere Kommunen auch darauf, mittels Sirenen auch bei Großschadensereignissen die Olfener Bevölkerung zu warnen“, ordnet Bürgermeister Wilhelm Sendermann den Olfener Plan ins große Ganze ein. „Mit dem weiteren Ausbau werden wir das auch immer mehr in den Fokus rücken. Wir müssen das auch bekannter machen. Jetzt bei den Starkregenereignissen in NRW und Rheinland-Pfalz hat man wieder gesehen, wie wichtig das ist.“

Vielen älteren Olfenern sind die Sirenensignale noch gut vertraut. Bis zum Ende des Kalten Krieges wurden Sirenen zweimal jährlich bei einem Probealarm getestet. In der Schule gab es immer wieder Sirenenalarm, Schüler mussten ihre Klassen vorsorglich verlassen. Dann wurden die Sirenen über Jahrzehnte in allen Städten demontiert – bis Experten dämmerte, dass die Bevölkerung mit Warn-Apps nur begrenzt erreichbar ist. Nicht jeder schaut auf sein Handy, mancher schaltet es stumm.

Sirenenmast neben der Kita: Darüber reden baiut Ängste ab

Wie aber kommen jüngere Olfener – etwa Kinder – mit Sirenen zurecht? Die Stadt Olfen hat ja direkt neben der Kita an der Appelstiege eine Sirenenmast hingesetzt. Wie ist es dazu gekommen? Gab es Bedenken? Wie gehen die Kinder damit um? Wir haben Stephanie Kißmann, Bereichsleitung für Kitas beim Träger der Olfener Kita, der Jugendhilfe Werne, dazu befragt.

„Die Stadt hat beschlossen, dass der Mast dort aufgestellt wird und hat uns dann darüber informiert. Zunächst habe die Kitaleitung Bedenken dagegen gehabt, sagt Stephanie Kißmann. Der Bagger sei ja über das Kitagelände gefahren und auch optisch sei der Mast einfach nicht schön. „Aber der Platz ist eben ausgewählt worden und das Gelände ist städtisch.“

Wie geht das Erzieherteam mit dem Thema Sirenenalarm um? „Es ist mit den Kindern thematisiert, wofür der Mast da ist“, erzählt die Bereichsleiterin. Sollte mal ein Probealarm losgehen, würde das Team die Mädchen und Jungen vorher warnen und vor allem mit den Unter-Freijährigen ins Gebäude gehen.

Das bedeuten die Sirenen-Signaltöne

  • Eine Minute Dauerton: Das ist das Signal mit der Bedeutung „Entwarnung“.
  • Eine Minute auf- und abschwellender Heulton: Dieses Signal hat die Bedeutung „Gefahr! Fenster und Türen schließen, das Radio einschalten und auf Durchsagen achten“.

Was wird bei den Kindern hängen bleiben? Werden sie aus der Erfahrung in der Kita mit dem Thema Sirenen zehren können, wenn sie älter sind? Wird also ihre Sensibilität geschärft? „Wir arbeiten in der Kita ja sehr lebenspraktisch und situationsorientiert“, erklärt Stephanie Kißmann. Aus Themen des Lebensalltags erwachsen nicht selten Projekte in der Kita. Die Kinder werden sensibilisiert. Kita sei Vorbereitung auf die Schule, aufs Leben. Und über einen Sirenenmast direkt neben der Kita zu sprechen, Ängste zu nehmen, gehöre eben dazu. „Damit die Kinder auch erkennen, dass es wichtig ist, dass der Sirenenmast dort steht.“

Der Ausbau des Sirenennetzes ist nur ein Baustein in einer Gesamtstrategie der Stadt Olfen. Bei der Stadtverwaltung und in der Politik laufen unterdessen Planungen, wie die Stadt Olfen sich und ihre Bürger vor Starkregenereignissen wappnen soll. Dazu hatte die Stadt Olfen an einem wissenschaftlich begleiteten Projekt gearbeitet, das Strategien aufzeigen soll, wie Olfen resistent gegen Ereignisse wie Starkregen ist. Nach und nach sollen Erkenntnisse aus dem Projekt dann auch in konkrete Maßnahmen münden.

Über den Autor
Redaktion Selm
Ich finde meine Themen auf der Straße und bin deshalb gerne unterwegs.
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Arndt Brede

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