Einmal im Monat wird im alten Ofen im Backhaus in Olfen Brot gebacken. © Marie Rademacher
Heimatverein

Brot als Brauchtumspflege: Der historische Ofen im Olfener Backhaus

Backen ist in Olfen Brauchtumspflege: Im Backhaus heizt Walter Böddeker einmal im Monat den alten Holzofen an.

Was leuchtet mehr: das von der Glut knisternde Holz im Ofen oder die Augen desjenigen, der es hineingelegt hat? So ganz einfach ist diese Frage gar nicht zu beantworten. Walter Böddeker ist der Bäckermeister des Olfener Backhauses – und seine Leidenschaft fürs Handwerk, für den historischen Holzofen des Heimatvereins – sie stehen ihm einfach ins Gesicht geschrieben. Wenn er die leicht quietschenden Türen des schweren Ofens öffnet, das Feuer betrachtet, wenn er das Laib herausholt und nach dem Abkühlen durchschneidet.

Das Backhaus in Olfen ist 2008 eingeweiht worden.
Das Backhaus in Olfen ist 2008 eingeweiht worden. © Nico Drimecker (Archiv) © Nico Drimecker (Archiv)

Einmal im Monat – immer am dritten Dienstag – backt Walter Böddeker für den Heimatverein. Ein „Glück“ nennt er es, dass er vor etwa zehn Jahren, als er mit seiner Familie von Gelsenkirchen nach Olfen gezogen ist, das Backhaus vorgefunden habe. Das habe ihm, der in Gelsenkirchen lange als Bäcker selbstständig war und auch mit einem Holzofen gebacken hat, die Möglichkeit gegeben, auch im Ruhestand noch weiterzumachen. Und das auf eine ziemlich besondere Weise.

Das Backhaus ist 2008 eingeweiht worden – so alt ist es noch gar nicht. Aber: Damals hat es die Meisterrunde des Heimatvereins gebaut. Eine Gruppe von Rentnern, die auch am Bau des Heimathauses beteiligt war. „Täglich treffen sich die Handwerker auf einem freien Grundstück an der Freiherr-vom-Stein-Straße. Dort wird das Backhaus aus Eichenholz in verschiedenen Einzelteilen gebaut. Der Giebel ist fast fertig, auch die vier Wände des später fünf mal fünf Meter großen Backhauses werden von Tag zu Tag deutlich erkennbar. Und alles geschieht in Handarbeit. Das Eichenholz ist zwei Jahre abgelagert, es soll von Eichen auf Olfener Stadtgebiet stammen“, schrieben die Ruhr Nachrichten im Juli 2007.

Ofen vom Hof aus Ascheberg

Auch wenn das Haus relativ neu ist: Der Ofen ist es nicht. Den Steinbackofen haben Mitglieder des Heimatvereins auf dem Hof Ahlmann in Ascheberg fachmännisch abgetragen und im Backhaus wieder aufgebaut.

Walter Böddeker ist der Bäckermeister in Olfen.
Walter Böddeker ist der Bäckermeister in Olfen. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

„Sorgfältig wurde der Ofen von Mitgliedern, die noch das Backen in ähnlichen Öfen gelernt haben, in Betrieb genommen. Auf Grund der inzwischen gewonnenen Erfahrungen gelingen schmackhafte Stuten und anderes Gebäck“, erklärte der Heimatverein im Juni 2008 in den Ruhr Nachrichten – kurz bevor das Backhaus mit einer Feier und Stuten mit Knochenschinken eingeweiht wurde. Geheizt und gebacken haben damals Josef Schröer, Friedrich Sube, Gertrud Schröer und Norbert Knepper. Walter Böddeker war damals noch nicht dabei. Aber mittlerweile kennt auch er den Ofen wie seine Westentasche.

Anders als bei modernen Backöfen ist es nämlich nicht so, dass man einfach am Rädchen dreht und dann kommt die Hitze. Bis zu drei Tage vor den eigentlichen Backtagen beginnt Walter Böddeker damit, den Ofen zu heizen, damit an jedem dritten Dienstag im Monat auch alles glatt läuft. Den Teig setzt er direkt im Backhaus an.

Stutenkerle in der Weihnachtszeit

Die ersten, die das frische Brot dann kosten sind die Besucher, die mittwochs zum Frauenfrühstück kommen. Die Laibe werden aber auch an die Mitglieder des Heimatvereins verkauft. In der Adventszeit gehört auch das Backen von Stutenkerlen längst zur Tradition in Olfen.

Spaß macht der Beruf, in dem er Meister ist, Walter Böddeker immer noch – auch im Ruhestand. Und nicht nur im Backhaus. Auch zu Hause backt er immer noch gerne. Unter anderem eine Eisköniginnen-Torte für seine Enkelin, wie er lachend erzählt.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher