Bürgermeister: "Olfen als Ganzes im Auge behalten"

Sommerinterview

Dorfladen, Förderschule, Finanzen, Gesamtschule und viele weitere Themen stehen derzeit auf der Agenda der Stadtverwaltung. Wie Bürgermeister Wilhelm Sendermann die Dinge einschätzt, hat er uns im Sommerinterview verraten.

OLFEN

, 12.08.2017, 07:44 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bürgermeister: "Olfen als Ganzes im Auge behalten"

Bürgermeister Wilhelm Sendermann hatte als erster vor einigen Monaten bei einer Regionale-Veranstaltung von der Möglichkeit gehört, ein Konzert in die Stadt zu holen. Er gab das an die Schulleiterin Anne Jung weiter und die sorgte dann mit ihrem Kollegium dafür, dass das Projekt wahr wurde.

Was war in den vergangenen Monaten das wichtigste Projekt für die Steverstadt?

Ich glaube, dass Olfen nicht nur ein wichtiges Projekt gehabt hat. Wir haben an ganz vielen Zukunftsaufgaben gleichzeitig gearbeitet. Wir haben die offene Ganztagsgrundschule neu geordnet, das neue Gewerbegebiet konzipiert oder das neue Flüchtlingsheim gebaut. Auch die Windkraftanlagen kommen jetzt. Wichtig war auch die Verabschiedung des Dorfentwicklungsplans für Vinnum. Ich bemerke, dass die Vinnumer nun aus dem Prozess heraus intensiv mitdiskutieren und versuchen, Entscheidungen für ihren Ortsteil zu finden. Ich setze darauf, dass die großen Fragen wie Dorfladen und Dorfgemeinschaftshaus mit einer intensiven Diskussion jetzt zu einer Lösung finden. Ich lasse jetzt aber auch die Vinnumer mal die Diskussion intern führen. Ich finde es gut, dass man dort mitmacht, die Zukunft selbst zu gestalten.

Wird es einen Dorfladen geben?

Ich würde mich auf ein Experiment einlassen, zumal die Durchgangsstraße ein heftiges Pfund für die Wirtschaftlichkeit sein kann.

Was war denn gut in den vergangenen Monaten?

Ganz viel. Ich denke, wir sind in vielen Dingen ganz gut vorangekommen. Die Haushaltskonsolidierung ist wirklich gelungen. Wir haben die personellen Veränderungen im Rathaus sehr gut umgesetzt. Wir konnten inhaltlich Projekte nach vorne bringen. Der Umbau der Grundschule hat begonnen. Wir haben die OGGS so umstrukturiert, dass wir keinen Stress mehr mit dem Land wegen der Förderung bekommen. Die Versorgung mit Kindergartenplätzen ist geregelt, wir haben noch Reserven. Wir wollen auch probieren, ob die Spielgruppe als Konzept eine neue Zukunft hat. In Kürze wird sich entscheiden, ob es eine gemeinsame Gesamtschule mit Datteln gibt. So haben wir ganz viele Dinge nach vorne gebracht. Ich bin aber auch überzeugt, dass es richtig ist, sich etwas zu sortieren. Deswegen habe ich auch das Thema der Entwicklung des Olfener Westens geschoben. Erst wenn andere Dinge erledigt sind, gehen wir dieses Thema an. Das wird aber in den kommenden Monaten der Fall sein.

Ein Thema, das auch bei den Bürgern heftig diskutiert wird, ist der Skatepark.

Das Projekt wird intensiv diskutiert, ist aber eigentlich keine für Olfen wichtige Strukturentscheidung, sondern die Abdeckung eines Bedürfnisses für eine spezielle Benutzergruppe. Ich glaube, es war unglücklich, eine Planung zu machen ohne einen gesicherten Standort zu haben. Das habe ich aber so übernommen. Der Diskussionsprozess war sehr intensiv. Ich habe mich bemüht, ihn offen zu führen, damit sich alle wieder finden. Ich hoffe, dass wir es nun so hinbekommen, dass die Gegner am Ende gut mit dem Skatepark leben können. Deswegen sind begleitende Maßnahmen wie Sicherheitsdienst und Videoüberwachung auch wichtig, um nicht Schwierigkeiten erst entstehen zu lassen. Vielleicht wird aber eine Entscheidung auch erst über ein Bürgerbegehren oder einen Bürgerentscheid herbeigeführt werden. Hoffentlich wird durch eine solche Einzelfrage nicht ein Keil in unsere Gesellschaft getrieben.

Kommen wir zur großen Politik. In Düsseldorf hat es einen Machtwechsel gegeben. Vorteil für Olfen?

Wir haben immer versucht, uns mit dem Land, dem Kreis und den Nachbarn bestmöglich zu arrangieren. Egal welches Parteibuch die Gesprächspartner haben, am Ende müssen die Konzepte und Argumente zählen. Es wäre sicherlich vor Jahren nicht möglich gewesen, beispielsweise mit der Stadt Datteln an eine gemeinsame Gesamtschule zu denken. Wir werden versuchen, einen noch besseren Austausch mit dem Land hinzukriegen. Die Kontakte dafür sind geknüpft.

Sie sprachen die gemeinsame Gesamtschule an. Wie stehen Sie dazu? Wird eine gemeinsame Schule kommen?

Mit einer Kooperation mit der Stadt Datteln könnten wir unsere Gesamtschule auf Jahre sichern. Da ist aber in den nächsten Wochen noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich hoffe, dass das klappt.

Die Aufgabe der Förderschule in Lüdinghausen war und ist ein großes Thema. Die Landesregierung möchte zwar etwas ändern, doch beschlossene Schließungen bleiben bestehen. Wie geht die Stadt Olfen mit diesem Thema um?

Die Kommunen im Südkreis hätten sich gewünscht, dass die Entscheidung vom Kreis jetzt nicht getroffen worden wäre, weil noch unklar ist, wie die neue Landesregierung damit auf Dauer umgehen wird. Eine Fahrt unserer Kinder nach Nottuln als neuer Förderschulstandort ist meiner Meinung nach eigentlich nicht zumutbar. Man hätte warten sollen, bis klar ist, was im Land zukünftig als sinnvoll angesehen wird. Persönlich glaube ich nicht, dass die Regelschulen das Thema Inklusion umfassend organisieren können. Vielleicht können wir im Kreis doch noch Lösungen dazu finden. Ich könnte mir Coesfeld und Lüdinghausen gut als Standorte vorstellen. Wir werden im Südkreis weiter kämpfen und überlegen, wie wir auf diese Entscheidung für Nottuln reagieren können. Das könnten vielleicht auch Kooperationen mit dem Nachbarkreis Unna sein.

Jetzt lesen

Wie steht es um den städtischen Haushalt? Bleibt Olfen schuldenfrei?

Wir haben alle Weichen dafür gestellt. Der Rathausumbau kommt später. Bei den laufenden Einnahmen und Ausgaben haben wir Verbesserungen von insgesamt 500 000 Euro jährlich erreicht. Damit müssten wir klar kommen und schuldenfrei bleiben.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate?

Wir haben weiterhin viele Punkte auf der Tagesordnung. Die Diskussionen zum Beispiel zur Skateanlage haben gezeigt, dass die Menschen sehr wohl an kommunalpolitischen Themen interessiert sind. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin intensiv diskutieren, finde aber auch, dass manchmal durch zu viele Emotionen Grenzen überschritten werden. Das sollten wir wieder sachorientierter hinbekommen. Wir müssen Olfen als Ganzes im Auge behalten. Denn dieses von den Bürgern getragene Gemeinwesen ist eigentlich unser größtes Gut.

Lesen Sie jetzt