Corona-Krise: Lippeverband warnt vor schwerwiegenden Schäden durch Klopapier-Alternativen

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Hamsterkäufe führen derzeit immer wieder zu Engpässen bei Toilettenpapier. Doch der Griff zu Küchenrollen, Tempos, Feucht- und Kosmetiktüchern oder Zeitungspapier ist keine gute Alternative.

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 28.03.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Lippeverband vermutet aktuell vor dem Hintergrund der Corona-Krise, dass, sobald die Reserven an Toilettenpapier in den kommenden Tagen aufgebraucht sind, die Menschen zu Alternativen greifen und diese in der Toilette entsorgen. Das sagt Anne-Kathrin Lappe, Pressesprecherin des Lippeverbandes auf Anfrage der Redaktion. „Als Wasserwirtschaftsverband können wir uns nicht wirklich auf diese Situation vorbereiten. Wir kontrollieren die Motoren und Pumpen nun noch häufiger.“

Wenn das Toilettenpapier zur Neige geht, greifen viele zu Alternativen. Doch die könnten die Kläranlagen und Pumpwerke belasten, mahnt der Lippeverband.

Wenn das Toilettenpapier zur Neige geht, greifen viele zu Alternativen. Doch die könnten die Kläranlagen und Pumpwerke belasten, mahnt der Lippeverband. © Arndt Brede

So viel Wasser klärt der Lippeverband in seinen Anlagen

  • In der Kläranlage Selm des Lippeverbandes wurden im Jahr 2018 demnach 1.949.307 Kubikmeter Abwasser auf hohem technischem Niveau gereinigt (im Vorjahr: 2.489.635)., wie der Lippeverband mitteilt.
  • In der Kläranlage Selm-Bork wurden 773.594 Kubikmeter gereinigt (im Vorjahr: 926.184).
  • In der Kläranlage Selm-Cappenberg wurden 173.983 Kubikmeter Abwasser gereinigt (im Vorjahr: 243.827).
  • In der Kläranlage Olfen wurden 877.734 Kubikmeter gereinigt (im Vorjahr: 918.278).
  • In der Kläranlage Nordkirchen wurden 1.174.185 Kubikmeter gereinigt (im Vorjahr: 1.553.284).
  • Insgesamt wurden in den Kläranlagen des Lippeverbandes in Selm, Olfen und Nordkirchen 4.948.803 Kubikmeter Abwasser entsorgt (im Vorjahr: 6.131.208).
Zahlen für das Jahr 2019 liegen noch nicht vor

Feuchtes Toilettenpapier, Feuchttücher, Hygieneartikel, Küchenrolle, Taschentücher – alles, außer das klassische Toilettenpapier – sei ein großes Problem für Pumpwerke und Kläranlage. „Allerdings nicht nur jetzt, sondern zu jeder Zeit“, sagt Anne-Kathrin Lappe. Auch wenn auf den Verpackungen häufig stehe, dass das Material wasserlöslich sei, lösen sich die Stoffe nicht kleinteilig genug auf oder verketten sich nach dem Auflösen erneut miteinander. „Sie sind eben darauf ausgelegt, möglichst reißfest und haltbar zu sein. Das ist bei normalem Toilettenpapier anders – es zersetzt sich sehr leicht.“

Keine schöne Arbeit

Was sind die Folgen? „Beim Transport des Abwassers verketten sich die Fasern von Küchenpapier, feuchtem Toilettenpapier und so weiter zu langen Strängen und bilden sogenannten Verzopfungen, die die Pumpen lahmlegen. Diese Verzopfungen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lippeverbandes dann per Hand aus den Pumpen entfernen – wirklich keine schöne Arbeit.“

Doch auch wenn die Stoffe den Weg zur Kläranlage geschafft haben, ohne eine Verstopfung auszulösen, müssen sie laut der Pressesprecherin spätestens hier mit Rechen aus dem Abwasser geholt, gesammelt und anschließend entsorgt (verbrannt) werden. Anne-Kathrin Lappe skizziert, was passieren kann: „Die Kosten sind nicht unerheblich und werden von uns allen getragen – über den Abwasserpreis.“

Kläranlagen wie die in Nordkirchen würden durch Alternativen zu Klopapier wie Feuchttücher zusätzlich belastet. Derzeit kontrolliert der Lippeverband die Anlagen zusätzlich.

Kläranlagen wie die in Nordkirchen würden durch Alternativen zu Klopapier wie Feuchttücher zusätzlich belastet. Derzeit kontrolliert der Lippeverband die Anlagen zusätzlich. © Lippeverband

Das, was die Menschen als vermeintliche Alternativen zu herkömmlichem Toilettenpapier ins Klo werfen, ist aber nicht nur in finanzieller Hinsicht ein großes Problem: „Nicht nur technisch, sondern auch ökologisch sind die Feuchttücher, Taschentücher und so weiter eine Belastung für unser Wasser“, sagt die Lippeverband-Sprecherin. Bei der Herstellung der reißfesten Tücher werden sogenannte Nassfestmittel auf Polyamid-Epichlorhydrinharz-Basis verwendet, die nur schwer biologisch abbaubar seien.

Was kann man denn machen, wenn man kein Toilettenpapier mehr im Haus hat? Anne-Kathrin Lappe sagt dazu: „Letztendlich kann man nehmen, was immer man möchte. Wichtig ist, dass man diese Alternativen keinesfalls über die Toilette, sondern im Restmüll entsorgt. Die Entsorgung über die Toilette könne auch den privaten Hausanschluss verstopfen.

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