Corona-Krise: Olfener Pendlerin kann nicht zurück nach Südafrika

rnLanger Heimaturlaub

Tausende Deutsche haben in der Coronakrise Südafrika Anfang April verlassen - auch Carina Lücke. Die Olfenerin hat ihr Leben komplett neu organisiert.

Olfen

, 17.10.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Leicht ist das für die Mutter nicht. Umso dankbarer ist sie für die Unterstützung und herzliche Wiederaufnahme durch zahlreiche Olfenerinnen und Olfener. Noch Anfang 2020 scheint das Leben für Carina Lücke perfekt. Die 38-Jährige ist - wie man im Volksmund sagt - mit sich und der Welt im Reinen. Beruflich. Privat.

Carina Lücke leitet in Kapstadt eine Stiftung für das erfolgreichste afrikanische Animations-Studio, Triggerfish. Eine absolut erfüllende Tätigkeit.

„Wir versuchen jungen afrikanischen Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern Zugang zur Aus- und Weiterbildung und damit eine Stimme in der globalen Medienlandschaft zu geben“, fasst Lücke das Ziel in einem Satz zusammen.

Zusammen mit ihrem Partner und dem zu dem Zeitpunkt zweijährigen Sohn wohnt sie in Muizenberg, einem gut 36.000 Einwohner zählenden Vorort Kapstadts mit einem 30 Kilometer langen Strand. Hört sich super an, ist aber auch eine glückliche Fügung. Denn es gibt ein spannendes Leben davor.

„Ich war geschockt von der Apartheid, habe mich aber in die Menschen und Landschaft verliebt.“ Carina Lücke

Das Abitur am St. Antonius-Gymnasium in Lüdinghausen mit den Leistungskursen Englisch und Französisch, danach Umzug nach Bremen. Carina Lücke absolviert hier den Internationalen Studiengang Politikmanagement. Das Auslandssemester führt sie 2003 nach Südafrika. „Ich war geschockt von der Apartheid, habe mich aber in die Menschen und Landschaft verliebt.“

Nach dem Studium Berufseinstieg bei einem Beratungsunternehmen

„Ganz solide“ fängt sie nach dem Studium bei einem Beratungsunternehmen an, das mit verschiedenen Ministerien auf Landes- und Bundesebene sowie mit der EU-Kommission zusammenarbeitet. Schnell leitet Carina Lücke ein 10-köpfiges Team, ist viel unterwegs - vor allem in den neuen Bundesländern. Nach sieben Jahren Hamburg ist Berlin der neue Wohnort.

Aber Südafrika lässt sie nicht los. Mit Freunden verbringt sie 2011 hier einen Urlaub, 2012 „braucht sie eine Pause vom intensiven Beratungsjob“. Drei Monate hilft sie in Hostels aus - und verliebt sich endgültig in das Land. Wirkliche Konsequenzen hat das noch nicht. Zunächst kehrt Carina Lücke zurück in ihren Beruf.

Bei einem weiteren dreimonatigen Aufenthalt im Jahr 2016 lernt sie ihren Partner kennen. Dazu gibt es ein Job-Angebot des erfolgreichsten Zeichentrick-Studios in Südafrika. Vor allem der zweigleisige Ansatz sagt ihr zu. Natürlich entstehen hier mit großem Aufwand Filme - „an einem 90-minütigen Film wirken 300 Leute mit“. Mittlerweile arbeitet das Studio auch an Produktionen für Disney und Netflix.

Mit dem Studio baut sie eine Stiftung auf, die Jugendlichen aus den Townships eine berufliche Perspektive eröffnen möchte. „Die größte Herausforderung ist dabei, die Eltern davon zu überzeugen, dass das die Zeichentrickfilmindustrie zukunftsfähige Jobs bietet“, sagt Carina Lücke. „Ich arbeite mit einem tollen Team zusammen, die Arbeit macht unheimlich Spaß.“

„Ich war völlig verunsichert, was der richtige Weg ist.“ Carina Lücke

Entsprechend groß ist der Schock, als die Corona-Pandemie Anfang März das Leben in Südafrika quasi über Nacht auf den Kopf stellt. Zunächst schließen alle Schulen, dann am 18. März auch die Grenzen. Auf den Straßen patrouillieren rund 70.000 Soldaten. „Ich war völlig verunsichert, was der richtige Weg ist.“

Seit dem 8. April wohnt Olfenerin wieder in ihrer Heimatstadt

Vor allem aus Sorge vor drohenden Unruhen verlässt sie das Land, kehrt am 8. April nach Olfen zurück. Verbunden mit dem festen Willen, nach zwei oder drei Monaten wieder nach Kapstadt zurückzukehren. Bis heute ist es ein Traum geblieben. Die Technik kann zwar vieles möglich machen - Carina Lücke erledigt die Arbeit vom Homeoffice aus, doch die große Entfernung ist nicht nur für den mittlerweile dreijährigen Sohn echt schwierig.

Gruppenbild vom Berufsorientierungs- und Zeichnen-Workshop der Triggerfish Foundation im Isivivana Jugendzentrum in Khayelitsha, eines der größten Townships in Südafrika. Zielgruppe waren Schülerinnen und Schüler aus dem Township aus Sekundarschulen.

Gruppenbild vom Berufsorientierungs- und Zeichnen-Workshop der Triggerfish Foundation im Isivivana Jugendzentrum in Khayelitsha, eines der größten Townships in Südafrika. Zielgruppe waren Schülerinnen und Schüler aus dem Township aus Sekundarschulen. © Lücke

Carina Lücke sagt aber auch, dass sie die Situation positiv sehen will: „Uns geht es hier in Olfen gut“, sagt sie. Beispielhaft führt sie an, dass der Sohn jetzt deutlich intensiver Deutsch lernt, in einen super Kindergarten geht und einen Kontakt mit den Großeltern und den Cousinen aufbauen kann. Deshalb wolle sie trotz aller negativen Begleiterscheinungen „nicht auf Biegen und Brechen“ zurück nach Südafrika gehen und plant auch in Zukunft mehr Zeit in Olfen ein.

„Viele Teenager sind in der Coronakrise schwanger geworden“

Mit Freude verfolgt Carina Lücke, wie in der Coronakrise in Kapstadt Suppenküchen eröffnet haben und wie mittlerweile sogar das Gemüse dafür angebaut wird. Zugleich gibt es Langfrist-Folgen. „Viele Teenager sind schwanger geworden.“

Zahlreiche Hilfsprojekte werden in Südafrika aus ihrer Sicht in den nächsten Jahren notwendig werden. Sie versucht einen kleinen Anteil zu leisten. Mehr denn je wird es aber aus ihrer Sicht notwendig werden, gerade nach der Pandemie jungen Menschen eine berufliche Perspektive aufzuzeigen.

Carina Lücke glaubt an die Zukunft des Landes. Sie wird nach Südafrika zurückkehren. Wenn es alles wie geplant funktioniert, bereits in naher Zukunft.

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