Darum begleitet die Polizei in Olfen und Nordkirchen weiter unzählige Martinszüge

rnMartinsumzüge

Für viele Kinder ist der Martinszug einer der schönsten Termine im Kindergarten- oder Schuljahr. Doch viele Eltern machen sich Sorgen um die Sicherheit. Die Polizei hat eine klare Position.

Olfen

, 31.10.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie kann das sein? Zwei Orte (Olfen und Selm) - nur wenige Kilometer voneinander entfernt und doch ganz verschieden. Zumindest wenn es um die Sicherung von Martinszügen geht. Die Kreispolizeibehörden Unna und Coesfeld vertreten nahezu konträre Positionen.

„Wenn die Bezirksbeamten vor Ort einen Sicherungsbedarf erkennen, wird er erfüllt“, sagt Polizeipressesprecher Rolf Werenbeck-Ueding (Coesfeld). Mit erheblichen Folgen für den Arbeitsalltag der Beamten vor Ort.

Bereits für den 5. November gibt es einen ersten Eintrag bei der Kreispolizeibehörde für die polizeiliche Begleitung eines Umzuges. „Der letzte Termin ist in diesem Jahr der 29. November“, sagt Werenbeck-Ueding. Ganz besonders stark sei die Polizei am 11. November gefordert. An diesem Montag begleitet die Polizei 18 Züge im Kreis.

Im Nachbarkeis Unna gelten ganz andere Vorgaben

Nur wenige Kilometer weiter sieht die Situation ganz anders aus. Die Polizei im Kreis Unna verwies unserer Redaktion gegenüber auf eine Vereinbarung zwischen den Städten und Gemeinden, dem Kreis und der Kreispolizeibehörde Unna.

Darin geht es um Festumzüge und Brauchtumsumzüge im Kreis. Laut des Merkblatts müssten Veranstalter und Erlaubnisbehörden „vom Grundsatz der ‚nicht polizeilichen Begleitung‘ ausgehen“, heißt es darin.

Gründe dafür, dass die Polizei nicht mehr wie gewohnt bei den Zügen dabei ist, seien eine „Verlagerung von polizeilichen Aufgabenschwerpunkten und die damit verbundene Konzentration des polizeilichen Personaleinsatzes“, heißt es dort weiter.

Im Nachbarkeis Coesfeld sehen das die Verantwortlichen anders. Auch hier müssen die Verantwortlichen der Züge die Veranstaltung beim örtlichen Ordnungsamt anmelden. „Die Kommune koppelt sich dann mit der Polizei zurück“, sagt Rolf Werenbeck-Ueding. „Wir schauen dann auf den geplanten Weg und ob es Verbesserungsmöglichkeiten gibt.“

Bezirksbeamte entscheiden über den Sicherungsbedarf

Führt der Weg der Teilnehmer über sicheres Areal, wird der Zug nicht von der Polizei begleitet. Die Entscheidung treffe am Ende der örtliche Bezirksbeamte. Es gehe dabei um die Frage, ob es einen Sicherungsbedarf gebe oder nicht. Führe der Weg beispielsweise über eine Hauptstraße, sei der Fall eindeutig.

Die Teilnahme der Polizei entbinde die Veranstalter aber nicht von Sicherungsaufgaben, so der Pressesprecher. „Die Behörde kann Auflagen erteilen, beispielsweise eine Absicherung des Zuges nach hinten durch Erwachsene mit Warnwesten.“

Ist der Zug erst einmal unterwegs, gelten nach Auskunft der Polizei für andere Verkehrsteilnehmer klare Regeln. „Ein geschlossener Verband durch Fußgänger hat Vorrang“, sagt Rolf Werenbeck-Ueding. Was das konkret bedeutet?

Geschlossener Verband genießt bei Umzügen Sonderrechte

Geht beispielsweise der erste Teil eines Martinszuges bei Grün über eine Ampel und springt dann die Ampel um, dann müssen die weiteren Teilnehmer nicht auf „Grün“ warten. Für die motorisierten Verkehrsteilnehmer gilt also die Verpflichtung, bei Martins- oder Lichterzügen ganz besonders vorsichtig zu sein.

Aus Sicht der Polizei im Kreis Coesfeld sind aber nicht nur die Kinder und ihre Eltern bei Martins- oder Lichterzügen besonders schutzdürftig.

Einsätze der Polizei sind „imagebildend“

„Bei Schützenfestumzügen erfolgt eine Bewertung wie bei Martinszügen“, sagt der Polizeipressesprecher. Im Klartext: Sieht der Bezirksbeamte eine Sicherungspflicht, ist die Polizei vor Ort.

„Polizeieinsätze bei derartigen Veranstaltungen dienen der Sicherheit und sind zugleich für die Polizei vor Ort imagebildend“, hieß bereits in der Antwort der NRW-Landesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Kai Abruszat FDP im Herbst 2014. Eine Position, die noch heute zumindest im Kreis Coesfeld gilt.

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