Im Berufsalltag ist Matthias Kortenbusch Versicherungskaufmann mit eigener Agentur. Der 50-Jährige ist aber auch Kitt-Präsident. Unserer Redaktion hat er einen großen Traum verraten.

Olfen

, 17.01.2019, 11:11 Uhr / Lesedauer: 6 min

Jubel, Trubel, Heiterkeit: In der „fünften Jahreszeit“ geht in Olfen wie sonst vielleicht nur im Rheinland die Post ab. Neben Olfenern feiern viele Gäste aus den umliegenden Orten mit. Die karnevalistische Gesellschaft macht es möglich. Seit 1834 organisiert sie Veranstaltungen - inklusive des Umzuges am Nelkendienstag.

So lange muss niemand zurückblicken, um die größeren Veränderungen festzustellen. Bei den Rahmenbedingungen und bei der Art und Weise, wie gefeiert wird. Party, Party, Party ist beispielsweise das Motto an Weiberfastnacht und am Karnevalssamstag. „Obwohl es kein Programm gibt, werden wir leutemäßig überrannt“, sagt Matthias Kortenbusch beim Gespräch in seinem Büro mitten in der Stadt. Für eine geplante halbe Stunde lässt der Geschäftsführer Versicherungen Versicherungen sein, stellt sich unseren Fragen über seine ganz persönliche Beziehung zu Karnevalsfeiern, zum großen Thema Sicherheit und - wie könnte es für einen Kaufmann anders sein - auch zu den Finanzen.

Darum ist der Karneval in Olfen so ein großer Publikumsmagnet

Rund 100 Großwagen, Fußgruppen und Musikgruppen sorgen traditionell beim Nelkendienstagsumzug in Olfen für ein buntes Bild und eine fröhliche Stimmung. Das genießen die Besucher. © Foto: Jessica Bader

Seit 1992 engagiert er sich im Vorstand. Seitdem hat er einige Veränderungen erlebt und mitgestaltet. „Der Kneipenkarneval in Olfen wird nicht mehr so intensiv gefeiert wie vor 20 Jahren.“ Das liege auch daran, dass es weniger Gaststätten gibt. Die größte Veränderung hat es aber eindeutig beim Thema Sicherheit gegeben. „Wir sind im ganz engen Austausch mit der Stadt als genehmigungspflichtige Behörde, mit der Polizei, mit der Feuerwehr, dem DRK und den Sicherheitsdiensten, die wir haben“, sagt der Präsident. Der Kitt habe ein Eigeninteresse daran, die größtmögliche Sicherheit bei allen Veranstaltung gewährleisten zu können.

Kortenbusch berichtet von jährlich stattfindenden Gesprächen. Beim Rückblick werde analysiert, was besser gemacht werden kann und was verändert werden muss. In den vergangenen Jahren jedenfalls hat sich so viel getan, dass sich „der Aufwand für den Kitt hier deutlich erhöht hat“, sagt Matthias Kortenbusch. Dennoch gibt sich der Verein nicht der Illusion hin, eine „absolute Sicherheit“ gewährleisten zu können. „Ich glaube, dass sich diese Illusion jeder Veranstalter nehmen muss. Aber wir sind in Olfen gut aufgestellt.“ Und sein Gesichtsausdruck verrät, dass er davon absolut überzeugt ist.

Als Landjugend-Mitglied die ersten Wagen gebaut

Die mittlerweile üblichen Straßensperren oder ähnliche Vorsichtsmaßnahmen waren nicht einmal ansatzweise ein Thema, als Kortenbusch seine ersten direkten Berührungspunkte mit dem Kitt hatte. Als Mitglied der Landjugend engagierte er sich mit 17 Jahren im Wagenbau. Ein Feuer war entfacht. Matthias Kortenbusch und der Kitt, das passte. Weil er selbst gerne feiert. Weil er gerne Verantwortung übernimmt. Und weil er die Gemeinschaft liebt. Fast schon logisch, dass er auch Elferratsmitglied war. 1991 war das.

Ein Jahr später wählten ihn die Mitglieder zum 2. Schriftführer. Bis 2004 blieb er auf diesem Posten. Dann „stieg er auf“, wurde Vizepräsident, ließ sich noch stärker in die Verantwortung nehmen. 2013 trat er die Nachfolge von Dieter Krämer als Kittpräsident an. Mit Überzeugung. Mit Begeisterung. Und mit der Erkenntnis, Dinge weiter zu entwickeln. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass viele Arbeiten nicht vergnügungssteuerpflichtig, sondern harte Arbeit und intensives Abwägen sind.

Darum ist der Karneval in Olfen so ein großer Publikumsmagnet

Die Fußgruppen begeistern die Besucher stets mit kreativen Kostümen. © Foto: Thomas Aschwer

„Die Anforderungen allgemein haben sich geändert. Wir müssen mit mehr Leuten unterwegs sein, um sich den verstärkten Anforderungen bei Datenschutz und insbesondere auch Sicherheit zu stellen.“ Zudem müsse der Vorstand kontinuierlich einen Generationswechsel organisieren. „Wir müssen junge Leute an den Kitt heranbringen. Deshalb halten wir immer wieder Ausschau, wer Interesse an der Arbeit im Verein hat.“ Ein anderes Thema sei das Anforderungsprofil des Publikums. Kortenbusch denkt dabei gerade auch an die Zeltveranstaltungen. „Wenn man immer das Gleiche macht, ebbt der Zuspruch irgendwann ab.“ Die Abende, die den Verein für das Programm Geld kosten - also Sonntag und Montag -, habe der Kitt in den vergangenen Jahren „puschen können. Es ist aber noch Luft nach oben.“

Recherche im Internet erleichtert die Künstler-Auswahl

Die beiden Kitt-Mitglieder Marco Merten und Christoph Hölscher sind deshalb zu einer Zeit unterwegs, in der kaum jemand an Karneval denkt. Im Sommer. „Sie recherchieren mittlerweile viel im Internet, schauen sich Auftritte der Künstler auf Youtube an, um dann die Verträge vorzubereiten.“

Der Kittpräsident erinnert sich noch gut, wie der Verein in der „Vor-Internet-Zeit Künstler verpflichtet hat. „Peter Hölscher hat sich damals um die Programmgestaltung intensiv gekümmert. Er ist immer wieder losgefahren und hat sich die Künstler bei Auftritten angesehen.“ Damals wie heute halfen und helfen gute Kontakte zu Veranstaltern, Technikern und anderen. Immer wieder geben sie Tipps, welche Künstler beim Publikum gut ankommen. Beim Prinzenball am Rosenmontag kommen in diesem Jahr Freunde Kölscher Karnevalslieder auf ihre Kosten. Die Kölsche Cover Band und die Band Kölsche Adler werden bekannte Karnevalshits aus der Domstadt präsentieren. Fans von Anna-Maria Zimmermann dürfen sich auf ihren Auftritt am Rosenmontag freuen. Dazu kommen andere bekannte Künstlerinnen und Künstler.

Dass der Kaufmann Kortenbusch dabei ganz genau auf die Finanzen achtet, überrascht nicht wirklich. „Wir haben unser festgezurrtes Budget, das wir auch immer einhalten.“ Wie hoch es ist? Es bleibt, so der Vorstand, intern. Matthias Kortenbusch räumt immerhin ein, dass es einen Spagat gibt, ein gutes Programm hinzubekommen und das Budget einzuhalten. „Aber wir sind fleißig und penibel. Wir wollen nicht abgehoben werden, sondern im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Programm gestalten. “ Der Kitt sei dabei ein kleines Unternehmen, „das man führen muss.“ Und dieses Unternehmen solle am Ende auch mindestens mit einer schwarzen Null aus dem Jahr gehen. Doch was wären die schönsten Karnevalsveranstaltungen, wenn die Zelte nur spärlich gefüllt wären. Sind sie zum Glück aber nicht. Im Gegenteil - und das bei den enormen Kapazitäten. Das Zelt am Marktplatz bietet 1100 Personen Platz, das Zelt hinterm dem Rathaus 675 Personen. Sogar 2500 Menschen können im Zelt an der Stadthalle feiern. Dass die Zelte stets sehr gut gefüllt sind, ist nach Einschätzung von Matthias Kortenbusch aber kein Selbstläufer.

Olfener Unternehmen profitiert vom Karnevalsboom

Das gilt auch für die Gastronomie. Thorsten Hellwig, Pressesprecher der Dehoga NRW, kennt einen großen Unterschied zwischen dem Karneval und dem „Jahresendgeschäft“ ab Ende November. Weihnachts- und Silvesterfeiern seien ein „Flächenphänomen“, finden also überall im Land statt. Beim Karneval gebe es regional große Unterschiede. „Zudem spielt in den Restaurants Karneval in der Regel keine große Rolle.“ Beim Karneval werde mehr getrunken als gegessen. Natürlich seien die Umsätze bei Getränken genauso wertvoll wie bei Speisen, doch vom Karneval würde vor allem die Eventgastronomie profitieren.

Hohe Umsätze macht zum Beispiel zu Karneval das Olfener Unternehmen Karaloon, das seit Frühjahr 2014 an der Schlosserstraße Luftballons vor allem für den Handel produziert und donnerstags und freitags (jeweils 9 bi 16 Uhr) einen Fabrikverkauf anbietet. Das 30 Mitarbeiter zählende Unternehmen unterstützt zudem den Kitt und steht damit für eine Reihe von Olfener Firmen, die den Karneval erst möglich machen.

In allen Altersklassen

Aber auch bei den Menschen findet der Karneval aus Sicht des Kitt-Präsidenten in Olfen „eine sehr gute Akzeptanz – und zwar in allen Altersklassen. Wir haben einen sehr gut organisierten Kinderkarneval, der in Olfen einen hohen Stellenwert hat. Wir haben drei verschiedene Altersklassen bei den Kittfunken.“ Aber der Karneval ist auch für Jugendliche interessant, die nicht dem Verein angehören. Viele engagieren sich bei Fuß- und Wagenbaugruppen. „Wir werden dieses Jahr auch neue Großwagen-Gruppen aus Olfen bekommen“, sagt Kortenbusch. „Und die Zahl der Dauermitglieder ist stetig moderat ansteigend. Aktuell sind es um die 570.“ Das jährlich wechselnde Dreigestirn ist und bleibt das besondere Aushängeschild des Kitt in der Öffentlichkeit. Zusammen mit den Prinzenbegleitern übernehmen sie zahlreiche Termine und haben damit direkten Kontakt mit sehr vielen Bürgern. „Sie finden dabei eine hohe Akzeptanz. Wir merken, dass sie bei der Bevölkerung und bei den Unterstützern (Firmen) gerne gesehen sind. Sie freuen sich jedes Jahr über unseren Besuch.“

Darum ist der Karneval in Olfen so ein großer Publikumsmagnet

Anders als allere Vereine hat der Kitt keine Probleme, neue Mitglieder und Aktive für den Karneval zu gewinnen. Die Mitgliederzahl ist sogar „moderat steigend“. © Thomas Aschwer

Die Strahlkraft des Olfener Karnevals ist so groß, dass Olfen über seine Stadtgrenzen sehr schnell vorrangig mit dem Karneval in Verbindung gebracht wird. Ähnlich wie die großen Städte am Rhein. Für alle gilt, dass der Karneval ein großer Wirtschaftsfaktor ist. Der Bund Deutscher Karneval hat vor einigen Jahren errechnet, dass in der fünften Jahreszeit bundesweit rund zwei Milliarden Euro erwirtschaftet werden. 3000 Unternehmen mit mehr als 40.000 Mitarbeitern leben danach ganzjährig vom Karneval. Besonders hohe Umsätze werden natürlich in den Hochburgen gemacht. Nach einer Berechnung der Unternehmensberatung Boston Consulting aus dem Jahr 2009 löst allein der Kölner Karneval einen Umsatz von 460 Millionen Euro aus. Davon entfielen allein 165 Millionen Euro auf die Gastronomie.

Matthias Kortenbusch möchte beim Jubiläum helfen

Ein ganz wichtiger Partner für den Kitt ist die Stadt. „Ohne die Unterstützung der Stadt ist der Olfener Karneval in der bekannten Form nicht möglich“, sagt Kortenbusch. „Ich kann nur sagen, dass wir - seitdem ich im Kitt aktiv bin - mit der Stadt immer eine hervorragende Zusammenarbeit hatten – egal wer in welcher Funktion für uns zuständig war. Und so soll es möglichst lange bleiben. In 15 Jahren wird der Kitt 200 Jahre alt. Dann soll natürlich weiter Karneval gefeiert werden. Und auch Matthias Kortenbusch will dabei sein. „Ich wünsche mir persönlich, dass ich dieses Jubiläum noch in irgendeiner Form und Funktion begleiten und mit organisieren kann. Nicht nur diesen Karneval, sondern das ganze Jubiläumsjahr. In welcher Funktion ich dann für den Kitt tätig bin, das kann ich noch nicht sagen. Aber ich hoffe, dass ich gesund und bei Verstand bin, um die Verantwortlichen, die beim Kitt in der ersten Reihe stehen, zu unterstützen.“

Vorerst fühlt sich Kortenbusch in der ersten Reihe absolut wohl. Über das Jahr gerechnet engagiert er sich zwei bis drei Stunden in der Woche „sehr gerne“. Aktuell verschwendet Matthias Kortenbusch deshalb keinen Gedanken daran, das Amt des Präsidenten abzugeben. Den Kitt habe immer ausgezeichnet, dass die Präsidenten über sehr viele Jahre ihr Amt ausgeübt haben. Matthias Kortenbusch macht es „gerade einmal“ fünf Jahre. „Wenn es weiterhin mit der Unterstützung des Vorstandes so gut läuft und alle an einem Strang ziehen, kann ich mir noch einige weitere Jahre vorstellen“, sagt der Präsident, der selbst mit großer Begeisterung Karneval feiert. „Das kann man auch beobachten, insbesondere wenn meine offiziellen Aufgaben an den jeweiligen Tagen beendet sind. Dann kann ich auch mal Gas geben und feiern.“ Ohne Blick auf die Uhr. Wie beim Interview, das deutlich länger dauert als geplant. Aber Kortenbusch wäre nicht Kortenbusch, wenn er nicht zum Schluss betont, dass der Präsident auch bei der schönsten Kitt-Feier „selbstverständlich in der Verantwortung ist.“

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