Das 1957er-Funkenmariechen Annemarie Ackfeld erzählt von früher

rnKitt Olfen

1957 war das große Jahr für Annemarie Ackfeld. Da war sie - damals noch mit ihrem Mädchennamen Bolle - das Funkenmariechen des Kitt. Noch heute erinnert sie sich gerne daran zurück.

von Maria Niermann

Olfen

, 17.02.2019, 05:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Diesen einen Satz wird sie während des Gesprächs noch mehrmals sagen: „Der Herrgott hat uns doch die Lebensfreude geschenkt.“ Annemarie Ackfeld liebt den Karneval, ganz besonders aber liebt sie die guten alten Zeiten des Olfener Karnevals.

Sie liebt den Karneval als Mitwirkende, als Wagenbauerin, als Feiernde, als Zuschauerin – und als Funkenmariechen. Im Jahr 1957 - da war sie das Funkenmariechen der Karnevalistischen Gesellschaft Kitt Olfen. Annemarie Bolle hieß sie damals noch und wurde mit ihren 19 Jahren das siebte Mariechen des Kitt. Erst 1950 hatte der Kitt Olfen das erste Funkenmariechen im Karneval präsentiert. Annemie Ackfeld kann die Namen ihrer Vorgängerinnen aufzählen, ohne auch nur einen Moment zu zögern: „Die erste war 1950 Mechthild Niewind, 1951 folgte Clärchen Kortmann, dann Lotti Diepenbrock …“

Das 1957er-Funkenmariechen Annemarie Ackfeld erzählt von früher

Funkenmariechen Annemarie Ackfeld tanzt auf der Straße. © Repro Karim Laouari

Sie kennt sie alle und sie erinnert sich so gern an die guten alten Zeiten. „Damals ging’s einfach sehr gemütlich zu.“ In ihrem Wohnzimmer liegen zahlreiche Erinnerungs-Fotos und das Jubiläumsheft des Kitt aus dem Jahr 1984. Darin natürlich auch ein Bild des Dreigestirns aus 1957: Prinz Hubert Hagen, Johann Rudi Ensberg und Funkenmariechen Annemarie Bolle. „Zu der Zeit gab es ungefähr 15 Gastwirtschaften in Olfen, und in denen wurde Karneval gefeiert. Das waren schöne Zeiten“, schwärmt sie. „Zelte? Nein die Zelte kamen erst viel später.“

Karnevalsfreunde steckte an

1938 wurde Annemie Ackfeld geboren in dem Haus, in dem sie heute lebt, direkt am Olfener Marktplatz/Ecke Funnenkampstraße. Ihr späterer Ehemann Heinz Ackfeld folgte ihr nach Olfen, und natürlich übertrug sie die Freude am Karneval auch auf ihn. Am Marktplatz in Olfen lebend, ist es auch schwer dem Karneval zu entgehen - aber das wollte Annemie Ackfeld auch gar nicht. Und dann zeigt sie Bilder vom Olfener Marktplatz in den 1950er- und 1960er-Jahren. „Der gesamte Marktplatz war voller Menschen. Bevor der Nelkendienstagsumzug startete, gab es Kartoffeln, Sauerkraut und Bratwürste am Hotel Niermann. Wir als Nachbarn haben geholfen, die Karnevalisten zu beköstigen.“ Und wieder strahlt Annemie Ackfeld. „Das war schön.“

Wettbewerb der schönsten Wagen

Die Familie Bolle/Ackfeld gehört zur Nachbarschaft der Funnenkampstraße. „Und wir haben immer – wie auch andere Straßengemeinschaften, Nachbarschaften und Bauerschaften - einen Karnevalswagen gebaut.“ Fast jede Straße habe mitgemacht, es sei ein richtiger Wettbewerb um den schönsten Wagen entstanden.

Und wieder zeigt sie Bilder. Einmal ging es bei der Straßengemeinschaft um das Eispaar Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler ein anderes Mal um die Fußball-Weltmeisterschaft 1954. „Obwohl wir damals ja nicht die technischen Ausrüstungen hatten, die es heute gibt, haben wir auch tolle Wagen gebaut – und immer aktuell,“ erinnert sie sich. Als eine dem Pferdesport verbundene Familie hat es sie auch ganz besonders gefreut, als der Reiterverein Lützow mit zahlreichen Pferden am Nelkendienstagsumzug teilnahm.

Viele Namen fallen

Und eines zeigt das Gespräch mit Annemie Ackfeld auch: Es fallen viele Namen. Die von Nachbarn und Freunden und vielen Olfener Karnevalisten – und viele dieser Namen tauchen auch heute – Jahrzehnte später – immer noch auf, im Gespräch: Diese Freunde aus vergangenen Zeiten reden miteinander, sie besuchen einander, sie helfen. Denn nicht jeder ist nach so vielen Jahren noch ganz gesund und kann ohne Einschränkungen leben. So bekommt auch Annemie Ackfeld Unterstützung, wenn sie am Rosenmontag den traditionellen Besuch der Blättkes-Verkäufer bekommt. „Die haben ja schließlich Hunger und Durst.“ Und mit ihren 80 Jahren sei sie auch kein junger Hüpfer mehr.

Tanzschritte beibringen

Genau vierzig Jahre nach der Session 1957 hatte Annemie Ackfeld noch einmal einen ganz großen Tag. Als Jubiläums-Mariechen durfte sie beim Prinzenfrühschoppen 1997 dabei sein. „Besonders schön war es an diesem Tag, als wir den „Vatikan“ zurück zum Pastorat brachten.“ In der Kitt-Sprache ist das jeweilige Pastoralteam der Vitus-Kirche der Olfener „Vatikan“. Zum „Vatikan“ gehörten damals Pastor Oskar Müller und Kaplan Reidegeld. „Denen mussten wir auf dem Heimweg erst einmal die Tanzschritte beibringen, um auf der Straße tanzen zu können“, so Annemie Ackfeld. Und als die Geistlichen sich zierten habe sie gesagt: „Herr Pastor: Der Herrgott hat uns doch die Lebensfreude geschenkt!“ Und gerne zeigt sie das Foto mit Pastor Oskar Müller und dem Jubiläums-Mariechen auf der Kirchstraße.

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