Das hat die Rückschaupflicht mit den schweren Motorradunfällen im Kreis zu tun

rnMotorrad-Unfälle

Die Motorrad-Saison 2019 neigt sich langsam dem Ende, das Fazit der Polizei fällt zwiespältig aus. Auch deshalb, weil viele Verkehrsteilnehmer eine Regel nicht kennen. Mit fatalen Folgen.

Olfen, Nordkirchen

, 26.09.2019, 08:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kreispolizei Coesfeld hat die schlimmsten Motorrad-Unfälle mit Todesfolge im Kreis Coesfeld in diesem Jahr analysiert. Jetzt steht fest, dass alle drei Unfälle die gleiche Ursache haben. Motorradfahrer und Linksabbieger sind jeweils so heftig zusammengestoßen, dass in allen drei Fällen der Motorradfahrer starb. Situationen, die auch vor Ort für viel Gesprächsstoff sorgen.

Für viele Verkehrsteilnehmer scheint danach klar, wer Vorfahrt hat und wer am Ende Schuld oder auch eine Mitschuld am Unfall hat. Aber so eindeutig wie es für viele scheint ist es nicht. Polizeihauptkommissar Rolf Werenbeck-Ueding, Pressesprecher der Kreispolizei, weist auf die „doppelte Rückschaupflicht“ hin.

Was bedeutet die „doppelte Rückschaupflicht“ konkret?

Was bedeutet das konkret: Wer inner- oder außerorts nach links oder rechts abbiegt, muss sich vor dem Einordnen und nochmals vor dem eigentlichen Abbiegevorgang durch doppelte Rückschau darüber vergewissern, dass jegliche Gefährdung nachfolgenden Längsverkehrs ausgeschlossen ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Überholen an dieser Stelle überhaupt gestattet ist.

Noch längst nicht jeder Verkehrsteilnehmer scheint mit der Regel voll vertraut zu sein. Polizei-Pressesprecher Rolf Werenbeck-Ueding berichtet von Diskussionen über die (Teil-)Schuld von Linksabbiegern bei Unfällen.

In der Tat ist nicht ganz so eindeutig wie es sich zunächst anhört. So geht es bei Unfällen um die Frage, ob der vorausfahrende Autofahrer den überholenden Motorradfahrer erkennen konnte. „Das ist eine Einzelfallentscheidung des Richters“, sagt der Pressesprecher.

Drei Motorradfahrer sind in 2019 bereits gestorben

Neben der theoretischen Diskussion bleibt die traurige Tatsache, dass bei drei schweren Unfällen nach dem Muster drei Motorradfahrer ihr Leben verloren. Damit ist eine positive Entwicklung in 2018 (eine toter Motorradfahrer) wieder umgekehrt. 2017 starben auf den Straßen im Kreis Coesfeld vier Motorradfahrer.

Diese Zahl überrascht angesichts der deutlich rückläufigen Zahl der Unfälle mit Motorradfahrern. Musste die Polizei 2017 im Kreis 55 Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern aufnehmen, waren es im vergangenen Jahr 77. Stand 25. September 2019 sind es im laufenden Jahr 36 - davon vier in Olfen. Auch wenn das Jahr noch nicht um ist, die Zahlen aus 2018 dürften nicht erreicht werden. Eine gute Entwicklung also.

Motorrad fällt an der Füchtelner Mühle auf eine Fahrerin

Sorgen bereitet der Polizei aber die Tatsache, dass bei den 36 Unfällen insgesamt 21 Schwerverletzte und 15 Leichtverletzte zu beklagen waren. Dabei gab es in Olfen einen ungewöhnlichen Fall. Als eine Motorradfahrerin an der Füchtelner Mühle eine Pause gemacht hat, kippte das Motorrad plötzlich um und fiel auf die Frau. Sie wurde schwer verletzt.

Kurz vor dem Ende der Motorrad-Sommersaison bleibt die Erkenntnis, dass viele Warnungen der Polizei absolut verpufft sind. Bei zwei Drittel der Motorrad-Unfälle spielten nach Aussage der Polizei fehlender Abstand, Überholmanöver und/oder zu schnelles Fahren eine Rolle. In über 90 Prozent der Fälle waren Motorradfahrer aktiv beteiligt. Damit nicht genug. Wenn Motorradfahrer in diesem Jahr im Kreis Coesfeld in einen Unfall verwickelt waren, waren sie, so Rolf Werenbeck-Ueding, „in über 90 Prozent der Fälle aktiv am Unfall beteiligt“.

Polizei will weiter das Gespräch mit den Fahrern suchen

Das bedeute nicht im Umkehrschluss, dass sie in allen Fällen alleine verantwortlich waren. Damit scheint klar, dass die Schwerpunktkontrollen die Raser nicht wirklich dazu gebracht haben, ihr Verhalten zu überdenken und zu verändern.

Noch hat die Polizei nicht entschieden, welche Maßnahmen 2020 umgesetzt werden. Das Ziel steht hingegen fest, die Zahl der Unfalltoten möglichst reduzieren.

Lesen Sie jetzt