Das letzte Taxiunternehmen hat geschlossen: Aus Olfen kommt man abends nicht mehr weg

rnTaxi in Olfen

In Olfen gibt es seit April kein einziges Taxi-Unternemen mehr: „Ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt die Olfenerin Elke Koch, die selbst Taxi fährt. Wer nicht gut zu Fuß sei, komme nicht weg.

Olfen

, 19.10.2018, 17:42 Uhr / Lesedauer: 4 min

Elke (65) und Heinrich (68) Koch haben für die Kritik an der Taxiversorgung in Selm nur ein müdes Lächeln übrig. Dort hatte sich der Stadtrat damit beschäftigt, dass es abends schwer sei, ein Taxi zu bekommen von den drei örtlichen Unternehmen.

„Das ist Jammern auf hohem Niveau“, sagt Elke Koch. Denn in Olfen gebe es seit April dieses Jahres kein Taxiunternehmen mehr, auch ein Mietwagenunternehmen sei hier nicht zu finden. Ein Taxi aus Selm, Lüdinghausen oder Datteln zu rufen, wenn man anders nicht nach Hause kommt, sei jedoch eine teure Alternative.

„Eine Fahrt von uns aus ins Olfener Zentrum kostet circa 6 bis 7 Euro“, sagt Elke Koch. „Taxiunternehmen aus den umliegenden Städten nehmen aber zusätzlich noch Geld für die Anfahrt.“ So sei man schnell bei einem Gesamtpreis von 20 Euro - und das für eine circa eineinhalb Kilometer lange Strecke. Nachts und am Wochenende könne es mit einem Preiszuschlag noch teurer werden. Elke Koch kennt die Preise so genau, weil sie selbst Taxifahrerin ist. „Deshalb kann ich auch verstehen, wenn sich hier in Olfen kein neues Taxi-Familienunternehmen niederlässt“, sagt die 65-Jährige.

„Die Kosten sind für kleine Unternehmen zu hoch“

Schließlich seien die Kosten für einen Taxibetrieb sehr hoch. Fahrer und Autos müssen bezahlt und laufende Kosten gedeckt werden. „Ich weiß nicht, ob sich das in Olfen lohnt“, sagt Heinrich Koch. Dennoch: „Wenn ich am Wochenende mal einen über den Durst getrunken habe und es in Strömen regnet, muss ich irgendwie nach Hause kommen - und dafür möchte ich keine 20 Euro bezahlen müssen.“ Doch die Alternativen haben Nachteile.

Die Stadt Olfen empfiehlt - zumindest unter der Woche - den Bürgerbus. Der Bürgerbus sei eine tolle Sache und die Vorbestellung laufe problemlos ab, so Elke Koch. Am Wochenende und am späten Abend, wenn Partygänger und Restaurantgäste ein Taxi benötigen, fahre der Bürgerbus jedoch nicht. „Die Fahrer machen das ja auch freiwillig“, sagt Heinrich Koch, „da wollten wir auch nicht am Wochenende oder spätabends fahren.“

Busse sind keine Alternative

Auch normale Busse seien keine Alternative. Dafür seien die Fahrten nicht regelmäßig genug. Außerdem habe nicht jeder eine Bushaltestelle direkt vor der Haustür. „Von uns aus muss man circa zehn Minuten zur nächsten Haltestelle laufen“, sagt Elke Koch. „Wenn man nicht gut zu Fuß ist, ist das kaum möglich.“ Insbesondere Fahrten zum Bahnhof seien problematisch.

Denn Olfen hat keinen eigenen Bahnhof, Zugfahrgäste müssen in Selm oder Lüdinghausen einsteigen. „Und weil die Fahrtzeiten der Busse und Züge nicht passen, steht man da auch schon mal eine Stunde am Bahnhof“, sagt Heinrich Koch. Die Bahnhöfe Dülmen und Haltern sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln so gut wie gar nicht zu erreichen. In Selm gebe es zudem keine Aufenthaltsmöglichkeit wie ein Café oder ähnliches. Man sei einfach auf ein Auto angewiesen, oft sogar auf zwei.

Mit dem Auto ans Ziel

Auch die Kochs haben zwei Autos. Denn wenn Elke Koch zu ihrer Arbeitsstelle in Lüdinghausen fährt, bliebe ihrem Ehemann sonst nur das E-Bike. „Bei schönem Wetter geht das ja, aber nicht bei Regen“, sagt er. Doch nicht jeder Haushalt könne sich zwei Autos leisten. „Und wer keinen Führerschein hat oder nicht mehr fahren kann oder möchte ist aufgeschmissen“, sagt Elke Koch. Und es gebe immer wieder Situationen, in denen ein Taxi nötig wäre. „Ich musste mir zum Beispiel extra freinehmen, als mein Mann neulich zum Arzt musste und danach nicht fahren durfte“, sagt Elke Koch.

Früher, als Taxi Leufke noch mit seinen Fahrern in Olfen unterwegs war, habe man immer problemlos ein Taxi bekommen. Doch seit April gibt es das Taxiunternehmen nicht mehr. „Seit dem Tod des letzten Taxi-Konzessionsinhabers im April diesen Jahres ist kein Taxi-Angebot in Olfen vorhanden“, teilt Astrid Diekerhoff von der Stadt Olfen mit. „Bis heute gibt es keine Ambitionen von Taxiunternehmen, die sich in Olfen ansiedeln möchten.“ So bleibt den Olfenern vorerst nur, sich selbst ans Steuer zu setzen oder sich abholen zu lassen, zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren.

Stadt Olfen in der Pflicht

Doch auf Dauer könne das nicht die Lösung sein, finden die Kochs. „Da sollten sich die Stadt oder der Kreis hinterklemmen und nach einer Lösung suchen“, sagt Elke Koch. Doch weder der Kreis Coesfeld noch die Stadt Olfen können hier eingreifen. „Wir können kein Taxiunternehmen subventionieren oder einen Anreiz geben“, sagt Stephan-Matthias Hoffmann, der im Kreis Coesfeld für den Taxi- und Mietwagenverkehr zuständig ist.

Unternehmen benötigen zwar eine Genehmigung vom Kreis, um den Taxibetrieb aufnehmen zu dürfen, doch eine Möglichkeit ein Taxiunternehmen nach Olfen zu holen hat der Kreis nicht. „Wenn jemand Interesse hat, bin ich gerne zu Gesprächen bereit“, betont Stephan-Matthias Hoffmann. Der Unternehmer müsse jedoch den Qualitätsstandards des Kreises entsprechen, das könne man dann gemeinsam prüfen. „Wir haben jedoch im ländlichen Bereich ein Problem: Es gibt oft nur einen oder keinen Taxiunternehmer“, sagt Stephan-Matthias Hoffmann. Denn Taxiunternehmen siedeln sich nur dort an, wo das Geschäft rentabel ist.

Mietwagenunternehmer übernimmt nur Krankenfahrten

Da es in Olfen lediglich ein Mietwagenunternehmen gibt, das Krankenfahrten anbietet, bleibe den Olfenern nur der Bürgerbus oder ein Taxiunternehmen aus einem anderen Ort. „Da muss man sich jedoch bereit erklären, die Anfahrt zu bezahlen und da kommt einiges zusammen“, sagt Stephan-Matthias Hoffmann. Einzige Ausnahme: Wenn die Fahrt in den Ort geht, in dem das Taxiunternehmen ansässig ist, muss die Anfahrt nicht bezahlt werden. Und es gibt noch eine Besonderheit: die Nähe zum Kreis Unna.

„Wenn man zum Beispiel ein Taxi aus Selm ruft, ist der Preis verhandelbar“, erklärt Stephan-Matthias Hoffmann. Denn Selm habe ein anderes Pflichtfahrgebiet. Wie berichtet ist es jedoch schon für Selmer schwierig, ein Taxi aus Selm zu bekommen. Ob die Olfener da mehr Erfolg haben, ist fraglich.

Taxen werden gebraucht

Doch es muss eine zufriedenstellende Lösung für Olfen her, so Elke Koch. Denn es gebe genug Menschen, die auf einen Transportservice angewiesen seien. Auch in ihrem Beruf mache sie die Erfahrung, dass Taxen oder Mietwagen gebraucht werden. „An manchen Tagen haben wir vielleicht nur drei bis vier Touren pro Nase“, sagt Elke Koch, „an anderen dafür 20.“ Für Olfen wünscht sich die 65-Jährige, dass zumindest für die Wochenenden ein neuer Transportservice gefunden wird - auch, damit bei Cliquenabenden wieder jeder ein Gläschen trinken darf.

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