Wenn es um das Üben eines Instrumentes geht, hat Elmar Koch, Schulleiter des Musikschulkreises Lüdinghausen, einen Tipp: „Wer darauf wartet, dass das Kind von allein übt, kann lange warten.“

Olfen

, 05.06.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Viel wichtiger sei, dass eine Übephase von vornherein von den Eltern in den Tag eingebunden werde. „Es geht nicht darum, ob geübt wird, sondern zu welchem Zeitpunkt. Das muss nicht lange sein“, sagt der 44-Jährige. Eine Viertelstunde am Tag würde anfangs schon ausreichen. „Das ist dann ein Ritual wie Zähneputzen.“

Reise nach Frankreich war spannend für alle

Der Musikschulkreis unterrichtet städteübergreifend Kinder und Erwachsene in Lüdinghausen, Nordkirchen, Olfen, Senden und Werne. In der vergangenen Woche hatte eine Versammlung stattgefunden, in der unter anderem das System der Kostenverteilung besprochen worden war. Auch die Entwicklungen und Themen, die den Musikschulkreis bewegen, waren Thema der Veranstaltung.

„Im Jahr 2018 hatten wir 2500 Schüler, unsere Zahlen sind kontinuierlich gestiegen“, freut sich der Musikschulleiter, der die Inhalte der Versammlung noch einmal in einem Gespräch aufgreift. „Was die Masse angeht, sind wir gut aufgestellt und haben eine hohe Reichweite.“

Allein die Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas, wie das Projekt „Jekits“, sei eine große Bereicherung. Dann kommt noch die Ensemble-Arbeit dazu. „Verschiedene Blas- und Streichorchester, das Jugend-Sinfonieorchester, Kammerorchester, Chöre: Motivierend ist Musik immer dann, wenn Leute zusammenkommen“, sagt der Musikschulleiter, der auch selbst mehrere Orchester leitet.

Besondere Erlebnisse seien gemeinsame Fahrten, zum Beispiel in Lüdinghausens Partnerstadt Taverny in der Nähe von Paris. Dort hatte der Musikschulkreis im letzten November am 100-jährigen Gedenktag zum Ende des Ersten Weltkriegs teilgenommen. „Wir hatten viele gemeinsame Konzerte. Es war wirklich spannend, das alles kennenzulernen“, erinnert sich der Musikschulleiter.

Man musiziert, so lange man ein Instrument festhalten kann

Das Alter der Schüler ist beim Musizieren völlig unerheblich. „Meistens beginnen die Kinder so mit acht Jahren im Jekits-Unterricht. Und dann kann man musizieren, so lange man noch in der Lage ist, ein Instrument festzuhalten“, sagt der 44-Jährige und lacht.

Welche Instrumente liegen im Trend? Nach wie vor sind es die Klassiker, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene begeistern. „Klavier und Gitarre sind ganz weit vorne, dann kommen die Streicher.“

Neu im Programm sei die E-Gitarre, auf die der Musikschulleiter auch sehr stolz ist. „Unser neuer Kollege Peter Kersting unterrichtet das Instrument. Der baut die Dinger auch, hat also richtig Ahnung.“ Koch freut sich; zuvor sei der Musikschulkreis gerade im Bandbereich etwas „zu dünn besetzt“ gewesen.

40 Lehrer an 45 Orten - eine riesige logistische Aufgabe

Was oft schwierig ist, das sei die Organisation des Unterrichts. Im Musikschulkreis gibt es Gruppen-, Zweier- oder Einzelunterricht. Die Unterschiede zwischen den monatlichen Preisen sind schon enorm. „Was tun, wenn sich eine Zweiergruppe auflöst? Dann möchte man ja auch nicht, dass der verbleibende Schüler die hohen Kosten für den Einzelunterricht tragen muss.“ Da sei schon viel Organisation nötig. Meist würde dann nach einer Übergangszeit die passende Lösung gefunden. Doch für die Zukunft denkt Koch über flexiblere Modelle nach.

Auch die vielen verschiedenen Orte verlangen genaue Planung. „Unser Einzugsgebiet ist so groß wie das Stadtgebiet von Köln, nur mit weniger Einwohnern. Wie haben 45 Lehrkräfte, die inklusive der Schulen an 40 verschiedenen Orten tätig sind“, erklärt Elmar Koch. „Das ist eine riesige logistische Aufgabe.“ Zumal, wenn sich Zweier- oder Dreiergruppen aus verschiedenen Orten zusammenfinden.

„Tag der Musik“ in der Wolfhelmschule

Der Musikschulleiter bedauert ein wenig, dass Kinder heute einen sehr getakteten Tagesablauf mit wenig Freizeit hätten. Auch die Zusammenarbeit mit den Schulen stoße leider oft an organisatorische Grenzen. „Klar ist es blöd, wenn ein Kind eine halbe Stunde nach Schulschluss Jekits hat - und trotzdem nach Hause gehen muss, weil die Schule für den kurzen Zeitraum kein Betreuungsangebot hat.“ Für solche Fälle gebe es in Werne eine individuelle Lösung: Eine Zwischenbetreuung, für die die Eltern dann einen geringen Betrag zahlen.

Am Sonntag, 30. Juni, steigt rund um die Wolfhelmschule Olfen der große „Tag der Musik“. Mit dabei sind die Chöre, Orchester und die Band des Musikschulkreises sowie viele weitere Ensembles. Neben der großen Bühne gibt es auch abseits einiges zu entdecken: „Für Kinder gibt es jede Menge Spielmöglichkeiten, und unsere Ensembles treten auf“, lädt Elmar Koch ein.

Lesen Sie jetzt