SuS Olfen wäre ohne Ehrenamtliche wie Andreas Hülk aufgeschmissen

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Aufgaben gibt es in Vereinen viele, freiwillige Helfer immer weniger. Aber es gibt auch Positivbeispiele. Wie Andreas Hülk (37), der sich stark beim SuS Olfen engagiert.

Olfen

, 16.04.2019, 13:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir treffen den Familienvater auf dem Fußballplatz. Umringt von vielen Kindern, den F2-Junioren des SuS Olfen. Mittendrin sein achtjähriger Sohn Milan, der schon auf den Spuren des Vaters und Trainers ist. „Seit 1986 bin ich im Verein“, sagt Andreas Hülk. Alle Jugendteams „seines SuS Olfen“ hat er durchlaufen, um dann in die Senioren aufzurücken.

Zuletzt führte er als Kapitän die erste Mannschaft aufs Feld. Mittlerweile lässt er etwas ruhiger angehen, läuft für die Alten Herren auf – wie übrigens auch seine beiden Trainerkollegen Jörg Kiefer und Andre Pohlmann. Was treibt Andreas Hülk an, neben seinem Beruf als Projekt-Ingenieur in Gelsenkirchen mit vielen Dienstreisen, neben Familie und Beruf sich noch als Trainer und auch im Vorstand des Vereins zu engagieren?

Andreas Hülk will dem Verein „etwas zurückgeben“

Andreas Hülk hat nicht vergessen, wie schön seine Zeit als Jugend- und Seniorenspieler beim SuS Olfen war. „Jetzt möchte ich etwas an den Verein zurückgeben.“ Eine Einstellung, die immer weniger Menschen haben. Auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des Vereins merkte der Vorsitzende Bernhard Bußmann kritisch an, wie deutlich sich der demografische Wandel beim SuS Olfen bemerkbar macht, ebenso das fehlende ehrenamtliche Engagement bei Veranstaltungen. Eine typische Entwicklung.

Dem Deutschen Freiwilligensurvey (FWS), wesentliche Grundlage der Sozialberichterstattung zum freiwilligen Engagement in Deutschland, ist zu entnehmen, dass auch im Sport der Fachkräftemangel zunimmt. Während 1999 noch 11,2 Prozent der Bevölkerung sich im Sportbereich engagiert hatten, waren es 2009 noch 10,1 %. In absoluten Zahlen sind dies etwa 650.000 Menschen weniger. Gleichzeitig steigen die Erwartungen von Mitgliedern. Auch schon im Jugendbereich.

Neben dem Traineramt engagiert sich Andreas Hülk im Vorstand

Wenn vor einigen Jahren sich Vereine um Trikots, Stutzen oder Hosen gekümmert haben, war das für die meisten Aktiven mehr als okay. „Die Ansprüche sind größer geworden“, bestätigt Andreas Hülk. Heute müsse es das „ganze Programm sein“ – also zusätzlich ein Trainingsanzug, eine Regen- und eine Winterjacke. Eine Herausforderung für Sportvereine, der sich Andreas Hülk zusätzlich stellt. Seit über zehn Jahren engagiert er sich im Vereinsvorstand, hat sich um Turnier-Organisation und andere Dinge gekümmert.

Jetzt bringt er sich bei der Beschaffung der Sportbekleidung und beim Sponsoring ein. Und er macht es gerne. Als besonders vorteilhaft empfindet er die Rahmenbedingungen bei der Mannschaftsbetreuung. „Wir sind drei Trainer und sprechen uns so ab, dass möglichst immer zwei beim Training sind.“ Hülk muss also nicht zwingend an jedem Montag und Mittwoch auf dem Platz stehen. Dennoch, wenn Andreas Hülk sein gesamtes Engagement für den SuS addiert, kommen locker acht bis zehn Stunden in der Woche zusammen. Zeit, die für andere private Dinge nicht zur Verfügung steht.

Fußball ist ein wichtiger Bestandteil des Familienlebens

Grundvoraussetzung für dieses Engagement ist für Andreas Hülk die Zustimmung seiner Frau Denise. „Wenn sie das nicht so unterstützen würde, würde ich es nicht machen“, sagt Hülk klipp und klar. „Die Familie“ – neben seinem Sohn Milan hat er noch die vierjährige Tochter Emilia – „steht an erster Stelle.“ Ein wichtiger Teil des Familienlebens ist dabei auf jeden Fall der Fußball. Beim Training ist schnell feststellbar, wie viel Spaß Vater und Sohn auf dem Platz haben – obwohl es gerade sehr windig ist und es zudem regnet. Eine Situation, von der viele Sportvereine nur träumen können.

Dem Deutschen Freiwilligensurvey (FWS) ist zu entnehmen, dass fast jeder zweite Sportverein die Gewinnung und Bindung von ehrenamtlichen und engagierten Mitarbeitern als großes oder sogar sehr großes Problem ansieht. Dazu zählt vor allem die Gewinnung und Bindung von Engagierten auf Vorstandsebene.

Engagement soll Spaß machen und ein Ausgleich sein

Der Württembergische Landessportbund betont in einem Positionspapier zum Ehrenamt, dass „gerade junge Menschen nicht mehr nur den Wunsch haben sich einzusetzen und einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Sie wollen, oft im Gegensatz zur Arbeitswelt, auch beteiligt werden, ihre Interessen vertreten, eigene Kompetenzen erweitern und neue Erfahrungen sammeln.

Selbstverständlich soll ein Engagement Spaß machen und ein Ausgleich zu Schule, Studium oder Beruf sein.“ Andreas Hülk hat bei seinem Traineramt im SuS Olfen allerdings einen besonderen Ansatz. Weil sein Sohn in der Mannschaft spielt, ist das Training auch immer eine wunderbare gemeinsame Zeit mit dem eigenen Kind. Eine Sonderrolle spielt deshalb Milan aber im Team nicht, wie der Vater versichert.

Beim SuS Olfen engagieren sich mehr als 30 Jugendtrainer ehrenamtlich

Wie groß der Bedarf bereits bei einem Sportverein wie dem SuS Olfen ist, machen einige Zahlen deutlich: Werner Sander vom geschäftsführenden Vorstand nennt erstaunliche Zahlen. „Es gibt mehr als 30 Jugendtrainer und Betreuer, die sich ehrenamtlich engagieren.“ Dazu kommen die Trainer mit einer besonderen Qualifikation, die sich um die erste A-, B- und C-Jugend kümmern und damit dem Leistungsgedanken der SuS-Fußballer Rechnung tragen. Weitere 15 bis 20 Mitglieder übernehmen „kleine Aufgaben-Päckchen“ – wie halt auch Andreas Hülk.

Ob die immer weiter wachsenden Aufgaben eines Vereins wie Steuern oder Datengrundschutzverordnung auf Dauer ehrenamtlich gestemmt werden können, ist nach Einschätzung von Werner Sander alles andere als gesichert. „Auf Dauer müssen wir wohl dem ein oder anderen eine Aufwandsentschädigung für bestimmte Aufgaben bezahlen, damit er neben seinem Engagement nicht auch noch sein eigenes Geld mitbringen muss.“

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