Digitalisierung: Mutter fühlt sich beim Thema Homeschooling allein gelassen

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Allein gelassen mit der Schulbildung ihres Grundschulkindes fühlte sich eine Mutter aus Olfen während des Lockdowns. Wie sieht das Konzept der Wieschhofgrundschule aus und wo gibt es Baustellen?

Olfen

, 07.11.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 4 min

Als im März die Schulen wegen der Corona-Pandemie weitgehend dicht machen mussten, war das für viele Eltern ein Problem. Statt in die Schule zu gehen und vor ausgebildeten Pädagogen zu sitzen, mussten die meisten Kinder zu Hause bleiben und plötzlich die Eltern als Aushilfs-Lehrer einspringen.

„Es ist ja kein Hexenwerk“, sagt eine Mutter aus Olfen über den Grundschul-Lehrstoff ihres Kindes, aber dennoch sei es nicht ganz einfach den Stoff zu vermitteln. Kinder hätten einen anderen Ansatz an Dinge heranzugehen und herangeführt zu werden und sie sei eben keine ausgebildete Pädagogin. Sie persönlich sieht Verbesserungsbedarf am Homeschooling-Konzept der Wieschhofschule, sie fühlte sich nicht gut genug informiert, sagt sie und es fehle noch an Digitalität. Sie möchte lieber anonym bleiben.

Sie und ihr Mann sind beide berufstätig, erklärt sie. Die Hausarbeiten mussten sie gemeinsam aufteilen. „Das haben wir hingekriegt“, sagt sie, das sei anderen ja auch nicht anders gegangen, „aber was mich wirklich schockiert hat, ist dass die Kinder so zurückgelassen werden“, findet sie.

„Einen Tacken Arbeitsblätter bekommen“

„Wir haben einen Tacken Arbeitsblätter bekommen“, sagt die Mutter. Besonders digital sei das nicht gewesen und auch die korrigierten Arbeitsblätter habe sie nicht zurückbekommen. Auch als ihr Kind nun wegen Corona-Fällen an der Schule in Quarantäne musste, auch da hätte es nur Schnellhefter mit Zetteln gegeben.

Zwar hätten sich immer wieder Klassen- oder auch Fachlehrer telefonisch gemeldet, doch da sei es nicht um Fachliches gegangen, sondern eher um die Frage, wie es dem Kind so gehe. „Wie soll es denn in Zukunft weitergehen? Corona wird uns ja noch ein Weilchen begleiten“, sagt die Olfenerin. Sie wünscht sich, dass zumindest der Mathe- und Deutschunterricht komplett digital stattfinden könnte. „In der Grundschule wird schließlich der Grundstein gelegt“, sagt die Mutter. Sie hat Angst, dass durch die Corona-Bedingungen Kinder auf der Strecke bleiben.

„Eine riesige zusätzliche Belastung“

Petra Deuker, die Schulleiterin der Wieschhofschule, hat Verständnis für die schwierige Lage der Eltern. Neben der Arbeit auf Kinder, die komplett im Homeschooling seien, zu achten und diese bei den Schulaufgaben zu unterstützen, sei „eine riesige zusätzliche Belastung.“ Der erste Lockdown mit geschlossenen Schulen sei „sicherlich eine richtig harte Zeit“ gewesen, sagt Deuker.

Allerdings kann sie viele der Vorwürfe, die die Mutter im Gespräch mit unserer Redaktion geäußert hat, nicht nachvollziehen. Sie verweist auf ein ausführliches Digital-Konzept, was die Schule schon im März, direkt zu Beginn des Distanzunterrichts erarbeitet hätte. „Da hatten wir schon angefangen, uns selbstständig fit zu machen“, erklärt Deuker. Aktuell würden die Lehrer auch in Erklärvideos geschult. Bereits 2012 gibt es 150 Laptops und 18 Whiteboards an der Schule, die von den Kindern auch regelmäßig im Unterricht genützt würden. Digital sei man - anders als die Mutter das darstellt - entsprechend fit.

Verschiedene Lernmittel für die Kinder

Das in Papierform zur Verfügung gestellte Material sei nur eines von verschiedenen Lernmaterialien. So hätten die Teams der verschiedenen Jahrgangstufen in den Lockdown-Monaten März, April und Mai Padlets für das Distanzlernen erstellt, die auch danach jetzt noch beibehalten worden seien. Padlets sind eine Art digitaler Pinnwand, auf die die Schüler mit einem Link und einem Passwort zugreifen können. Dort finden sie dann Erklärvideos, Lernspiele und weitere Informationen.

„Aktuell haben wir die Inhalte sogar etwas abgespeckt, weil wir gesehen haben, dass es zu viel war“, erklärt Petra Deuker. Das selbstständige Lernen zu Hause sei eben für ältere Jahrgangsstufen einfach zu händeln, als für Grundschüler. Auch den Vorwurf, dass es kein Feedback gegeben habe, weist Deuker zurück. In der Lockdown-Zeit habe es Möglichkeiten gegeben, Arbeitsblätter in ein Behältnis im Flur abzugeben. Alles sei korrigiert worden.

Lehrerinnen und Lehrer müssen genaue Dokumentation vorlegen

Die Lehrer stünden durch einen E-Mail-Verteiler und durch regelmäßige Telefonate mit den Eltern in Kontakt. Auch auf der Homepage seien alle aktuellen Entwicklungen sofort zu finden, beteuert Deuker. Dass die im Konzept festgelegten Strategien umgesetzt würden, das müssten die Lehrerinnen und Lehrer sogar genau dokumentieren. „Das wird umgesetzt“, sagt Deuker. Durch das verbindliche Konzept könne man jederzeit von Präsenzunterricht auf Fernunterricht umsteigen, das sei ja zum Beispiel auch passiert, bei den Klassen, die sich nach den Herbstferien in Quarantäne befunden hätten.

Petra Deuker, Leiterin Wieschhofschule

Petra Deuker, Leiterin Wieschhofschule © Foto: Jessica Hauck (A)

Dass die Eltern-Information in den Zeiten des schnell angelegten Lockdowns ab März aber auch nicht immer optimal geklappt hat, zeigen die Ergebnisse einer Befragung, die die Schule vor den Sommerferien durchgeführt hat. Die Wieschhofschule hat sie selbst in ihren Plan zum Distanzunterricht festgeschrieben: „Die Elterninformation sollte regelmäßig erfolgen und transparent sein, damit keine Unsicherheiten entstehen und Eltern sich nicht überfordert fühlen, wie es im Lockdown der Fall war“, steht dort. Petra Deuker geht aktuell aber - da Bund und Länder ja die Priorität auf eine Öffnung der Schule gelegt haben - von einer Homeschooling-Zeit von maximal zehn Tagen aus. Also zweimal fünf Schultage während der 14-tägigen-Quarantäne.

Eltern und Lehrer müssen eigene technische Geräte nutzen

Angesprochen auf den Wunsch der Mutter, wichtige Kernfächer wie Deutsch und Mathe komplett digital anzubieten, kann Petra Deuker zustimmen. Auch sie würde so was gerne anbieten. „Dann müsste man aber vom Schulträger die entsprechende technische Ausstattung erhalten, damit man zum Beispiel Zoom-Konferenzen abhalten kann“, erklärt Petra Deuker. Ihr Computer habe zum Beispiel gar keinen Audioausgang.

Auch im Homeschooling gilt bislang: Die Kinder nutzen zu Hause die technische Ausrüstung, die die Eltern zur Verfügung stellen und auch die Lehrer müssen dann auf ihre Privat-Geräte ausweichen.

„Dazu gehören der private Breitbandanschluss, der PC, das Laptop, das Tablet. Leihgeräte aus der Schule stehen leider nicht zur Verfügung“, hält auch das Digital-Konzept fest. Helfen sollen hier auch die Tablets, die neben der Wolfhelmschule auch die Wieschhofgrundschule erhalten soll.

iPads für alle sollen 2021/2022 bereit stehen

Das Geld dafür kommt aus dem Digitalpakt Schule des Landes NRW. Dafür hat die Stadt Olfen 433.793 Euro an Mitteln beantragt und diese bereits bewilligt bekommen, teilt die Stadt dazu mit. Ein Abruf der Mittel könne erst nach Verwendung erfolgen, ein Teil davon solle aber bereits ab diesem Jahr abgerufen werden.

Das Geld soll unter anderem in die Erneuerung der WLAN-Infrastruktur im Herbst 2020 fließen, die Beschaffung erster iPads ist für Ende 2020 vorgesehen. Ganze Jahrgänge der Wolfhelmschule und der Wieschhofschule sowie auch die Lehrer sollen dann zum Schuljahr 2021/2022 mit iPads ausgestattet sein, so die Stadt. Für die Eltern sollen dann nach derzeitigem Stand keine zusätzlichen Kosten entstehen.

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