Ein Schüler auf dem Weg zum Nachwuchsforscher

Interview zum Nachhören

Irgendwie ist gerade eine gute Zeit für Jens Noske. Der 16-jährige Schüler der Wolfhelm-Gesamtschule ist am Freitag als einer der drei Besten des Zehner-Jahrgangs geehrt worden. Und nun hat er auch noch gute Karten, den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zu gewinnen. Wie er zu diesem wissenschaftlichen Hobby gekommen ist, erzählt er im Interview zum Nachhören.

Olfen

, 17.06.2015, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Schüler auf dem Weg zum Nachwuchsforscher

Jens Noske (16) und sein Lehrer Tobias Horstmann an der Wolfhelm-Gesamtschule.

Jens Noske schrieb eine Arbeit mit wissenschaftlichem Anspruch über Flüchtlinge. Nicht über Flüchtlinge der heutigen Zeit eigentlich, aber trotzdem mit engem Bezug zur Integrationsdebatte in der Zeit der heutigen starken Flüchtlingsströme. So eine Zeit gab es nämlich schon einmal, 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Damals wurden die Deutschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten vertrieben. Jens Noske, der in Lüdinghausen wohnt, hat mit einigen dieser Menschen über die damalige Zeit gesprochen. „Mein Großvater stammt selbst aus dem Sudetenland“, erzählt er. Darum habe er schon oft darüber nachgedacht, zu diesem Thema mal zu recherchieren. Er meldete sich für den Wettbewerb an und begann im Herbst mit der Arbeit.

Beeindruckt in Interviews

„Es gibt viele vor allem mündlich überlieferte Quellen – also viele Zeitzeugen“, sagt er. Er kenne zwei ältere Damen, die wie er in der evangelischen Kirchengemeinde aktiv seien. Mit ihnen führte er Interviews. Besonders beeindruckt habe ihn die Aussage einer der beiden Frauen.

„Sie sagte mir, als sie nach Lüdinghausen kam, wurde sie in de Schule geärgert und gehänselt – mit den gleichen Kindern im Sportverein seien sie aber immer gut klargekommen.“ Die Vertriebenen sprachen zwar Deutsch, aber einen anderen Dialekt – dadurch fielen sie auf.

"Eigentlich eine Erfolgsgeschichte"

Laut Jens Noske löste sich die Problematik erst mit den Jahren: „Die Integration hat geklappt. Es ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte, die ich nun ins Verhältnis zur heutigen Integrationsdebatte gestellt habe.“ Herausgekommen ist eine Mappe mit 20 Seiten, auf denen er wie in einer wissenschaftlichen Arbeit, also mit Fußnoten und korrekter Zitierweise, eine Klammer von früher zu heute setzt. „Wir können viel daraus lernen“, sagt Jens Noske.

Schulleiterin Anne Jung sagt: „Wir sind sehr stolz auf Jens.“ Sein Geschichtslehrer Tobias Horstmann, der ihn bei der Arbeit außerhalb des Unterrichts unterstützte, meint: „So viel Eigenmotivation, Ideen und Kreativität habe ich bei einem Schüler selten erlebt.“ Er ist der erste Schüler der Mittelstufe, der am Wettbewerb teilnimmt. Und hat eine Top-Platzierung auf Landesebene schon sicher.

Montag nach Bonn

Am Montag fahren Tobias Horstmann und Jens Noske nach Bonn ins Haus der Geschichte. Dort werden die Preise an drei Sieger des Landeswettbewerbs verliehen. Wer gewinnt, qualifiziert sich für den Bundeswettbewerb. Dann könnte es im November auch noch nach Berlin gehen: In Schloss Bellevue verleiht Joachim Gauck den Preis persönlich an die Sieger. 

Lesen Sie jetzt