Eine Unterrichtsstunde mit Olfens Schulhund Flocke

Flauschige Fotostrecke

Es ist ruhig im Klassenraum der 2. und 4. Klasse. Die Jüngeren arbeiten am Laptop. Die Viertklässler unterhalten sich leise. Sie haben Deutsch und beantworten Aufgaben zu einem Text. Nur ein Mädchen und ein Junge sind kurz abgelenkt: Denn unter der Bank liegt Flocke. Ein Unterrichtsbesuch beim Schulhund der Wieschhofschule.

OLFEN

, 27.02.2016, 08:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine Unterrichtsstunde mit Olfens Schulhund Flocke

Wer seine Aufgaben erledigt hat, darf Schulhund Flocke streicheln.

Flocke ist zehn Monate alt und fast ausgewachsen. Das Welpen-Aussehen hat sie abgelegt, der Goldendoodle ist etwa kniehoch. Niedlich ist Flocke immer noch. Wohin sie kommt, wollen die Kinder ihr weiches Fell streicheln. „Wer fleißig war, darf das auch“, sagt Petra Deuker. Aber erst müssen die Aufgaben fertig sein. Die Schulleiterin hat an diesem Morgen eine Vertretungsstunde in der 2./4. Klasse.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So hilft Hund Flocke Kindern beim Lernen

25.02.2016
/
Pause für Flocke. Nach dem Unterricht macht es sich der Hund im Flur gemütlich.© Foto: Jessica Bader
Der Schulhund hat inzwischen seinen eigenen Briefkasten im Flur. Gedichte, Bilder, Briefe landen täglich darin.© Foto: Jessica Bader
Wer seine Aufgaben erledigt hat, darf Schulhund Flocke streicheln.© Foto: Jessica Bader
Die Werke der Schüler von zwei Wochen. Seit Flocke so viel Post bekommt, hat sie einen eigenen Briefkasten.© Foto: Jessica Bader
Schulleiterin Petra Deuker nimmt Flocke mit in den Unterricht. Die Schüler sind dann meist ruhig und konzentriert, sagt die Schulleiterin.© Foto: Jessica Bader
Ablenkung bedeutet der Hund im Klassenzimmer nicht. Die Schüler konzentrieren sich trotzdem auf ihre Aufgaben.© Foto: Jessica Bader
Die Schüler schreiben jeden Menge Briefe an den Hund. Jeder wird beantwortet.© Foto: Jessica Bader
Flocke ist jetzt zehn Monate alt und fast ausgewachsen. Ihre Ausbildung mit Schulleiterin Petra Deuker geht noch weiter.© Foto: Jessica Bader
Die Viertklässler lesen und beantworten Fragen zum Text. Erst wenn sie fertig sind, können sie sich mit Flocke beschäftigen.© Foto: Jessica Bader
Schlagworte Olfen

„In dem Moment, wo Flocke mitkommt, ist Seelenruhe“, erzählt Deuker. Das Klima in der Klasse ist gut. Während Flocke unterm Tisch liegt und das Kraulen der Schüler genießt, widmen sich die Kinder ihren Aufgaben. Konzentrieren könnten sie sich auch ohne Anwesenheit eines Hundes, sagt Petra Deuker. Aber mit Flocke sei es noch ruhiger, entspannter.

Wie lernt es sich besser, mit oder ohne Schulhund? 

Dass der Hund zu Besuch ist, ist ein Anreiz für die Schüler, ihre Aufgaben abzuschließen. Denn dann dürfen sie zu Flocke. Ein Junge hat alle sieben im Text versteckten Fehler entdeckt. Damit ist er fertig. Wie lernt es sich besser, mit oder ohne Schulhund? Die Antwort kommt schnell: „Wenn Flocke hier ist“, sagt der Viertklässler. Warum? „Na, weil sie toll ist.“

Jetzt lesen

Ob sie den Briefkasten heute schon geleert hat, will ein Mädchen beim Hinausgehen am Ende der Vertretungsstunde noch von Petra Deuker wissen. Der Briefkasten hängt seit etwa zwei Wochen im Flur der Schule. Er gehört Flocke. Denn der Hund bekommt Post. Gedichte, Bilder, Fragen. „Das hat sich irgendwie verselbstständigt“, sagt Petra Deuker. Plötzlich kamen die ersten Briefe, dann wurden es mehr, jeden Tag kam Post, dann bastelte eine Lehrerin den Briefkasten. „Oh Flocke, du bist so weich“, heißt es in einem Gedicht.

„Man sucht immer nach motivierenden Schreibanlässen“

Die Schulleiterin freut es. Sie beantwortet für Flocke jeden Brief. Die Texte und Gemälde, sagte sie, machten die Schüler in ihrer Freizeit mit viel Mühe. „Man sucht immer nach motivierenden Schreibanlässen und plötzlich ist einer da“, sagt Deuker.

Jetzt lesen

Die Antwortbriefe sind nicht die einzige Zusatzaufgabe der Schulleiterin: Das erste Basisseminar zu Flockes Ausbildung ist beendet. Ein zweites folgt in den Osterferien. Zwei Jahre dauert es bis zu einem Zertifikatskurs. Bis dahin werden Petra Deuker und Flocke Dinge gelernt haben wie Verständigung mit dem Hund, Signalgebung, Lernen und Belohnung, Stresssignale erkennen. „Wir arbeiten immer ein Stück weiter.“

Nach der Stunde ist Flocke müde, legt sich im Flur hin, schließt die Augen. Schon rennen Kinder über den Flur, bremsen ab, als sie die Hündin sehen und wollen sie streicheln. Flocke dreht sich auf den Rücken und genießt. 

 

 

Experteninterview: Welchen Nutzen erfüllt ein Schulhund?

Wir haben mit Udo Beckmann, dem Vorsitzenden des Verbandes Bildung und Erziehung in NRW gesprochen

Wie viele Schulhunde gibt es in Nordrhein-Westfalen?

Schätzungsweise sind an 600 bis 800 Schulen bundesweit Hunde im Einsatz. Genauere Zahlen habe ich nicht vor. Ob sie Tiere einsetzen, entscheiden die Schulen.

Wie kann sich ein Hund oder ein Tier im Unterricht auf Kinder auswirken? Studien haben die Wirkung von Tieren im Unterricht untersucht. Demnach berichten Lehrkräfte, die ihre Hunde ins Klassenzimmer mitnehmen, von vermehrter Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und einem besseren Sozialverhalten ihrer Schüler in Gegenwart des Tieres. Hunde können außerdem dafür sorgen, dass Kinder weniger Stress empfinden. Verantwortlich hierfür ist nach bisherigen Erkenntnissen das „Kuschel-Hormon“ Oxytocin. Es muss allerdings jemanden geben, der sich um die Tiere angemessen kümmert und sie sinnvoll in den Unterricht einbindet, ohne dass es in Stress für das Tier ausartet. Ist das gegeben, ist ein Hund ein Vorteil.

Halten Sie Hunde in der Schule für pädagogisch sinnvoll? Schulen sind Orte der fachlichen und sozialen Bildung, die auf ein selbstständiges und sozial verantwortliches Leben in unserer Gesellschaft vorbereiten. Um diese Ziele zu erreichen, können Tiere im Unterricht sinnvoll sein. Sie stärken die Persönlichkeiten der Kinder, leisten Gesundheitsprävention, steigern die Lernmotivation und Konzentration, führen zu einem Abbau von Schulängsten, erweitern die kognitiven Fähigkeiten, machen achtsamer und respektvoller im Umgang mit der Natur und ihren Geschöpfen, fördern die emotionale und soziale Intelligenz. Besonders sinnvoll ist ihr Einsatz in der Inklusion für Schüler mit sozial-emotionaler Entwicklungsstörung.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt