Lesung

„Einmal Hölle und zurück!“: Werner Hansch spricht über seinen Absturz

Werner Hansch ist eine Sportreporter-Legende. Und ein guter Freund von Hermann Beckfeld. Daran hat auch Hanschs tiefer Fall nichts geändert. Beide werden darüber bald in Olfen erzählen.
Werner Hansch ist als Sportreporter bekannt aus TV und Radio. Hermann Beckfeld, ehemaliger Chefredakteur der Ruhr Nachrichten, hat ein Buch über ihn geschrieben. © picture alliance/dpa

Im Wartezimmer des Glücks sitzen viele Menschen, auch Werner Hansch und der Spielteufel. Mehr als zehn Jahre lang setzt der Kult-Sportreporter in Wettbüros auf Pferde, meistens auf die falschen, und verzockt alles, was er hat: sein Vermögen, sein Haus, seine Liebe. Als er immer neues Spielgeld braucht, erzählt er Freunden Lügengeschichten, pumpt sie an. Auch Hermann Beckfeld, ehemaliger Chefredakteur der Ruhr Nachrichten, leiht ihm Geld.

Am 8. November 2021 kommen beide zu Lesung und Talk in die Buchhandlung BBS & Schönes nach Olfen. Hermann Beckfeld, Moderator und Autor des Buches „Einmal Hölle und zurück!“, das den Absturz in die Spielsucht, die erfolgreiche Therapie und den Sieg im Promi-Big-Brother-Haus schildert. Werner Hansch, genannt die Stimme des Ruhrgebiets, der im Gespräch schonungslos erzählen wird, wie die Krankheit seine Scham und Würde auffraß.

Es ist ihr zweiter gemeinsamer Auftritt in einer Buchhandlung, und natürlich gibt „Einmal Hölle und zurück!“ die Richtung vor. Hermann Beckfeld beschreibt den Weg seines Freundes in die Sucht; vom ersten eher zufälligen Besuch einer Zockerbude in Recklinghausen bis zur Spielsucht, die Werner Hansch viel zu lange nicht wahrhaben möchte. Erst setzt er nur 20, 30 Euro am Tag, später wird er täglich bis zu 5000 Euro der Kassiererin zuschieben, um dann mit leeren Händen heimzufahren.

TV- und Hörfunkreporter lügt und betrügt Freunde

Irgendwann muss der gefeierte TV- und Hörfunkreporter sein Haus verkaufen, bekommt bei den Banken keinen Kredit mehr, lügt und betrügt Freunde und Bekannte. Er hätte alkoholisiert einen Autounfall verursacht und müsste nun den Anwalt der Gegenpartei bezahlen, ansonsten würden Bild & Co. berichten. Und das wäre für einen wie Werner Hansch, der überall hofiert wird, undenkbar. Er würde um seinen Ruf fürchten.

Auch seine Lebensgefährtin darf von seiner Leidenschaft nichts erfahren. Heimlich, nur nachts, wenn seine Moni schläft, studiert er die Rennprogramme, füllt die Spielscheine aus. Es kommt, wie es kommen muss: Werner Hansch schläft im Wohnzimmer ein, Moni ist entsetzt, als sie die Tippscheine sieht, die auf dem Parkettboden liegen. Sie kämpft um ihren Werner, fordert ihn vergeblich auf, eine Therapie zu machen, verlässt ihn. Völlig fassungslos bleibt der ansonsten so schlagfertige Mann allein zurück … und fährt Stunden später wieder zum Wettbüro. Erst als eine Zeitung über mögliche Betrügereien und seine Schulden schreibt, entschließt er sich zur Therapie.

Eltern starben innerhalb von fünf Wochen

Bewusst hat Hermann Beckfeld in seinem Buch Kapitel über das Leben von Werner Hansch eingestreut. Der Junge aus Recklinghausen–Süd, der mit seiner Mutter nach Polen flüchtet, dessen Vater ins KZ Buchenheim kommt, dessen Eltern innerhalb von fünf Wochen sterben. Der ehemalige Student, der vom Trabrennbahnsprecher zum bundesweit bekannten Reporter aufsteigt. Frühzeitig muss Werner Hansch lernen, allein klarzukommen. Und er scheitert als Rentner, der verdrängt hat, sich rechtzeitig die Sinnfrage auf der Zielgeraden des Lebens zu stellen. Er lässt sich von niemandem helfen, schweigt und verliert. Als sprachgewandter Sportreporter gefeiert, als eloquenter Talkgast gefragt, wird die Suche nach einem neuen Nervenkitzel zur Sucht, zur persönlichen Tragödie.

Natürlich werden Werner Hansch und Hermann Beckfeld in Olfen über die „Wende“ sprechen; über die Therapie, den Einzug ins Promi-Big-Brother-Haus und seine Aufgabe als Botschafter des Fachverbandes Glücksspielsucht und den neuen Glücksspielstaatsvertrag, den der ehemalige Reporter für gefährlich hält.

Und vielleicht fällt auch im Talk sein Satz, der am Ende des Buches steht: „Ich möchte noch einmal einen blauen Himmel sehen.“

„Einmal Hölle und zurück!“ – Lesung und Talk mit Werner Hansch in der Buchhandlung BBS & Schönes am 8. November 2021, Einlass 19 Uhr, Beginn 19.30 Uhr. Karten für 15 Euro nur bei BBS & Schönes. Infos auch unter www.BBSolfen.de