Eltern der Musikschüler warten auf Verträge - Stadt auf neuen Leiter

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Das Musikforum ist gerade erst als Projekt des Musikschulkreises in Olfen gestartet. Jetzt hat der Leiter der Musikschule seinen Abschied angekündigt, Eltern beschäftigt eine weitere Frage.

Olfen

, 02.10.2020, 10:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elmar Sebastian Koch (45), seit vier Jahren Leiter des Musikschulkreises Lüdinghausen, gibt Ende des Jahres seine Position auf. Eine seiner letzten Aufgaben wird sein Jahresbericht im Musikschulausschuss am Montag, 5. Oktober in Lüdinghausen sein. Vielleicht kommt dann auch ein Thema zur Sprache, dass Eltern wichtig ist.

Rund 75.000 Kinder nehmen NRW-weit in Grundschulen am kulturellen Bildungsprogramm des Landes „JeKits - Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ teil. Der Unterricht ist im ersten Jahr kostenlos. Wer weitermachen will, muss einen Vertrag unterschreiben. Doch genau an dieser Stelle scheint es gerade zu haken.

Eltern aus dem Verbreitungsgebiet des Musikschulkreises (Nordkirchen, Olfen, Senden, Lüdinghausen, Werne) bringen ihre Kinder zwar regelmäßig zum Unterricht - allerdings ohne schriftliche Bestätigung. „Wir warten seit Beginn des neuen Schuljahres auf einen Vertrag“, sagt ein Vater aus Werne, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Kinder bekommen Musikunterricht, Eltern haben aber keinen Vertrag

Die Folgen liegen auf der Hand: Wenn der unterschriebene Vertrag bei den Eltern ankommt, wird er eine deutliche Nachforderung enthalten. Dabei geht es um Monatsbeiträge, die um die 50 Euro liegen können. Natürlich könnten die Betroffenen die Summe zurücklegen, doch bleibt die Frage, warum die Eltern noch keine Verträge bekommen haben.

Die Stadt Lüdinghausen als Trägerin der Musikschule verweist auf die Stadt Werne. Sie sei für die Vertragsangelegenheiten verantwortlich - der Musikschulkreis ausschließlich für den Unterricht. Die Stadt Werne war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Unabhängig von dieser Punkt bietet der Jahresbericht von Elmar Sebastian Koch einen wichtigen Hinweis zur Situation im Musikschulkreis.

„Stand das Jahr 2018 noch im Zeichen des Ausbaus der Teilnehmerstunden und damit einhergehend mit einer Vergrößerung der Reichweite des Musikschulangebotes, so mussten auch wir 2019 erkennen, dass eine „auf Kante genähte“ Personalstruktur an Grenzen stößt.“

Schulleiter will künftig „mehr bei der Familie sein“

Weiter heißt es in dem Bericht, dass „längerfristige gesundheitsbedingte Ausfälle von Lehrkräften in der Regel nicht oder nur verzögert kompensiert werden können, da Vertretungspotenzial fehlt. Erstattungen und Einnahmeausfälle sind die Folge“.

Alles Fragen, auf die Koch keine Antworten mehr finden muss. In einem Zeitungsinterview räumte er ein, dass er seine Entscheidung zur Aufgabe des Amtes mit Blick auf die „Work-Life-Balance" getroffen habe. Koch, gerade zum zweiten Mal Vater geworden, will „künftig mehr bei der Familie sein.“ Aktuell befindet er sich im Urlaub, daran schließt sich die Elternzeit an. Der Musik wird er aber verbunden bleiben.

Wo das sein wird, hat Koch noch nicht gesagt. Der in Speyer aufgewachsene Musiker hat viele Jahre im Süden Deutschlands gelebt. Er wurde in Leonberg bei Stuttgart geboren, wuchs in Speyer auf. An der Musikschule Karlsruhe hat er Chorleitung studiert, später absolvierte er in Weimar ein Kapellmeisterstudium. Vor rund 20 Jahren ist er mit seiner Frau nach Werne gezogen.

Stadt Lüdinghausen will die Stelle so schnell wie möglich besetzen

Bei der Sitzung des Musikschulausschusses am Montag soll die Nachfolgeregelung auf den Weg gebracht werden. „Wir möchten die Vakanz so kurz wie möglich halten“, sagt Lüdinghausens Beigeordneter Matthias Kortendieck.

Die oder der neue Leiter(in) der Musikschule muss sich nach Einschätzung von Koch auf einen Paradigmenwechsel einstellen: „Genügte es vor einigen Jahren noch, die Türen aufzumachen, um die dort wartende Interessenschar hereinzulassen, so müssen die Musikschulen heute aktiv auf ihre Zielgruppe zugehen.“

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