Darum blicken Eltern in Olfen und Nordkirchen neidvoll in den Ost-Partnerkreis

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So ändern sich die Zeiten: Vor 30 Jahren haben Verwaltungsmitarbeiter und Vertreter von Banken im Kreis Neuruppin Aufbauhilfe geleistet. Jetzt blicken West-Jugendliche neidvoll in den Osten.

Olfen, Nordkirchen

, 02.10.2019, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eltern kennen die Frage in allen Facetten: „Kannst Du mich nach Ascheberg bringen?“ Oder: „Holst Du mich wohl aus Südkirchen ab?“ Oder: „Wer kann mich nach dem Nachmittagsunterricht abholen?“ Wer im Südkreis Coesfeld mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B will, muss viel Zeit mitbringen. Wenn es überhaupt eine Verbindung gibt.

Gerade für Schüler kommt dann noch die Frage der Finanzierung auf. Jetzt gibt es erste Initiativen im Kreis Coesfeld, die Situation zu verbessern. Dazu gehört, dass sich der Kreis ab dem Schuljahr 2020/21 an den Kosten für das landesweit zu nutzende Azubi-Ticket beteiligt - allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Neues Azubi-Ticket ist an vielfältige Voraussetzungen geknüpft

Dazu gehört beispielsweise, dass sich der jeweilige Ausbildungsbetrieb auch an den Kosten beteiligt. Zudem werden ausschließlich Azubis im ersten Ausbildungsjahr gefördert, die zudem ein Berufskolleg des Kreises Coesfeld besuchen müssen. Damit ist klar, viele Jugendliche werden „durchs Sieb fallen“.

Richten wir den Blick auf den Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg, denn er ist für viele Menschen unserer Region stark im Blick. Der Kreis Coesfeld hatte nach der Wende den Kreis Neuruppin beim Aufbau neuer Strukturen unterstützt. Mittlerweile gibt es auch einen offiziellen Partnerschaftsvertrag und viele private Kontakte.

Im Sommer 2020 soll ein interessanter Modellversuch starten

Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist nicht weniger als eine „Revolution“ im öffentlichen Personennahverkehr geplant. Zum Schuljahr 2020 soll ein Modellversuch starten, den sich auch im Kreis Coesfeld viele Jugendliche wünschen würden.

Alle Schülerinnen und Schüler sollen ab dem kommenden Sommer sämtliche Busse und Bahnen im Landkreis nutzen können - unabhängig von der Entfernung zur Schule. Damit nicht genug. Das kostenlose Schülerticket soll auch für Fahrten innerhalb des Kreisgebiets nutzbar sein, die nicht im Zusammenhang mit Schule und Unterricht stehen - rund um die Uhr.

„Moderne Mobilität von Beginn an ökologisch denken“

Man stelle sich vor, dieses Modell würde auf den Kreis Coesfeld übertragen: Schüler könnten beliebig oft und zu unterschiedlichsten Zeiten im Kreis unterwegs sein. Die logische Folge wäre, so manches Elterntaxi müsste nicht unterwegs sein. Ein Plus für die Umwelt und für die Familien.

Und genau darum geht es den Verantwortlichen in Brandenburg. Landrat Ralf Reinhardt sagt: „Moderne Mobilität sollte von Beginn an ökologisch gedacht und gestaltet werden. Wir versuchen es in einer ländlichen Region beispielhaft umzusetzen.“ Um dieses Projekt umsetzen zu können, nimmt der Kreis Ostprignitz-Ruppin in den Haushaltsjahren 2020 und 2021 jeweils 2 Millionen Euro in die Hand.

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