Erkältet in die Kita? Nicht jedes Kind kann in der Corona-Krise betreut werden

rnErkältungssymptome

Was ist, wenn mein Kind Schnupfen hat? Darf es dann seine Kita nicht mehr betreten? Vielen Eltern - auch in Olfen - graut angesichts mangelnder Betreuungsspielräume vor solch einer Situation.

Olfen

, 01.08.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es ist eine Situation, die gar nicht so unrealistisch ist: Ein Kind hat eine Erkältung und wird in der Kita nicht mehr aufgenommen. Wegen der Sorge, dass es sich um eine Coronainfektion handeln könnte. Nicht nur für die Kinder ist das ein Schock. Auch für viele Eltern. Zumal, wenn es sich lediglich um leichte Symptome handelt.

Denn während der mittlerweile sechs Monate andauernden Corona-Pandemie, haben viele Mütter und Väter wegen der anfangs geschlossenen Kitas ihren Jahresurlaub schon genommen, um den Nachwuchs selber zu betreuen. Was tun, wenn jetzt mein Kind nicht mehr in die Kita darf? Wer bestimmt eigentlich, ob das erkältete Kind in der Kita abgewiesen wird oder ob es nicht doch nur einen leichten Schnupfen hat und in seine Kita-Gruppe darf?

Fragen, die wir mit einer Kita-Bereichsleitung beispielhaft für Olfen erörtert haben und die auch durch die Landesregierung beantwortet werden.

? Die Erzieher-Teams in den Kitas haben es nicht leicht in diesen Zeiten. Wie sollen sie umgehen mit der Situation, wenn ein verschnupftes Kind vor der Kita-Tür steht? Darf es rein? Muss es wieder abgeholt werden, wegen der Corona-Hygienevorschriften?

„Das ist echt ein Spagat, den die Erzieherinnen leisten müssen“, sagt Marlene Zapfe. Sie ist mit der Fachberatung Kindergärten bei der „DRK-Kindertageseinrichtungen im Kreis Coesfeld gGmbH“ betraut. Die gGmbH ist Trägerin der DRK-Kita Traumland mit dem DRK-Familienzentrum, der DRK-Kita Regenbogen und der DRK-Kita Schatzkiste. „Die Erkältungswelle wird ja auch erst noch kommen. Das wird eine echte Herausforderung. Auf der einen Seite möchten die Erzieherinnen die Kinder und Familien und Mitarbeiter in den Kitas schützen vor eventuellen Coronafällen, die wir aber natürlich nicht selber diagnostizieren können. Dafür muss es medizinisch abgeklärt werden. Andererseits gibt es ja auch eine Selbsterklärung, die Eltern unterzeichnen können. Wenn ihre Kinder 48 Stunden symptomfrei sind, dürfen sie die wieder bringen.“

Die Kitamitarbeiter müssen bei der Entscheidung, welches Kind mit welchen Krankheitssymptomen betreut werden kann und welches nicht, einen Spagat machen, sagt Marlene Zapfe, Fachberaterin beim DRK.

Die Kitamitarbeiter müssen bei der Entscheidung, welches Kind mit welchen Krankheitssymptomen betreut werden kann und welches nicht, einen Spagat machen, sagt Marlene Zapfe, Fachberaterin beim DRK. © picture alliance/dpa

? Die Unsicherheit bleibt aber, oder?

„Letzten Endes bleibt ein Restrisiko auf beiden Seiten“, sagt Marlene Zapfe. „Es kann mal sein, dass man jemanden wieder nach Hause schickt, weil man einfach bewertet, dass es dem Kind nicht gut geht und es eine starke Erkältung hat. Die Erzieherinnen und die Leitung vor Ort können nur drauf gucken und den bestmöglichen Umgang damit finden.“ Es sei für beide Seiten eine anspruchsvolle Situation. Auch für die Eltern, die durch Berufstätigkeit auf den Betreuungsplatz angewiesen seien. Klar sei aber: „Wir gehen damit nicht willkürlich um. Aber die Erzieherinnen rufen nicht sofort die Eltern an, wenn ein Kind mal ein Taschentuch zückt oder einmal hustet.“

„Die Erzieherinnen rufen nicht sofort die Eltern an, wenn ein Kind mal ein Taschentuch zückt oder einmal hustet.“
Marlene Zapfe, Fachberatung Kindergärten bei der „DRK-Kindertageseinrichtungen im Kreis Coesfeld gGmbH“

? Besteht die Chance, dass Kitas mehr Sicherheit bekommen, damit sie kompetenter entscheiden können, welches Kind mit welchen Symptomen rein darf oder nicht?

Die Landesregierung hat in diesen Tagen Empfehlungen zum Umgang mit Krankheitssymptomen für Eltern, Träger, Leitungen und Personal von Kitas herausgegeben. Dort heißt es unter anderem: „Die folgenden Empfehlungen beziehen sich auf Krankheitssymptome, die im Zusammenhang mit einer akuten, infektiösen und ansteckenden Erkrankung stehen oder auf eine solche hindeuten.“ Sie gelten nicht für diagnostizierte oder im Einzelfall bei Eltern und Einrichtung oder Kindertagespflegestelle bekannte, nicht-infektiöse chronische Erkrankungen wie beispielsweise Asthma, Allergien, Heuschnupfen oder Neurodermitis. Diese Kinder seien, wenn sie keine anderen oder neuen Symptome haben, in die Betreuung aufzunehmen, teilt das NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlingen und Integration mit.

? Welche Kinder werden denn nun nicht betreut?

In den Landesempfehlungen heißt es dazu: „Ganz grundsätzlich gilt: Kinder mit Fieber und/oder Symptomen, die nach Einschätzung der Eltern und der Einrichtung oder Kindertagespflegestelle auf eine akute, infektiöse und ansteckende Erkrankung hinweisen, sollen nicht betreut werden. Treten
die Symptome in der Kindertagesbetreuung auf, sind die Kinder von ihren Eltern abzuholen. Die Kinder sollen sich zu Hause auskurieren und ggf. einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt vorgestellt werden. Für die Wiederaufnahme ist kein ärztliches Attest erforderlich.“

? Und wenn mein Kind nur einen Schnupfen hat?

Das NRW-Ministerium formuliert die Antwort so: „Auch Schnupfen kann nach Aussage des RKI zu den Symptomen einer Covid-19-Erkrankung gehören. Angesichts der Häufigkeit einfachen Schnupfens/laufender Nase
bei Kindern empfehlen wir folgendes Vorgehen: Im Falle einer laufenden Nase ohne weitere Krankheitsanzeichen oder Beeinträchtigung des Wohlbefindens des Kindes sollte zunächst für 24 Stunden zu Hause beobachtet werden, ob weitere Symptome wie Husten, Fieber etc. hinzukommen. Wenn keine weiteren Symptome auftreten, kann das Kind wieder in der Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflegestelle betreut werden. Für die Wiederaufnahme ist kein ärztliches Attest erforderlich.“ Allerdings seien die Eltern in der Verantwortung, „den Gesundheitszustand ihres Kindes einzuschätzen, bevor sie es in die Kindertagesbetreuung bringen“.

? Nun haben viele Eltern seit Ausbruch der Corona-Pandemie ja bereits ihren Jahresurlaub genommen und wissen jetzt nicht, wie sie ihre Kinder betreuen können, wenn sie nicht in die Kita dürfen. Kann die Kita den Eltern entgegen kommen?

„Wir mussten bisher beachten, dass die Gruppen sich immer in den selben Konstellationen in den Räumen aufhalten“, erklärt Marlene Zapfe. „Wir kommen den Eltern aber insofern entgegen, dass sie ihre jetzt reduzierten Betreuungszeiten innerhalb des Zeitkorridors wählen können, der vor Corona für sie galt. Also können Eltern, die ihre Kinder jetzt nur 35 statt 45 Stunden in die Betreuung geben können, ihre 35 Stunden innerhalb des 45-Stunden-Kontingents individuell und flexibel aussuchen.“

Die Kita Schatzkiste gehört zu den drei DRK-Kindertageseinrichtungen in Olfen.

Die Kita Schatzkiste gehört zu den drei DRK-Kindertageseinrichtungen in Olfen. © Arndt Brede

? Wie lange wird der eingeschränkte Regelbetrieb in den Kitas aufrecht erhalten bleiben?

Das NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration hat jetzt mitgeteilt, dass ab dem 17. August „die Rückkehr in den Regelbetrieb in der Kindertagesbetreuung unter den Bedingungen der Pandemie“ vorgesehen ist. Alle Kinder können dann laut Familienminister Joachim Stamp – unter ständiger Berücksichtigung des Infektionsgeschehens, der Bedürfnisse der Kinder, der Interessen der Beschäftigten und der Belange der Familien – ihre Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege wieder im vertraglich vereinbarten Umfang besuchen. „Für den Kita-Alltag bedeutet das vor allem, dass bewährte pädagogische Konzepte wieder umgesetzt werden können.“ Grundsätzlich gelte aber: Je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens, Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts oder weiteren wissenschaftlichen und empirischen Erkenntnissen könne es aber auch immer zu erneuten Einschränkungen kommen. Auch landesweite Regelungen könnten derzeit nicht ausgeschlossen werden.

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