Erst wird die Ahsener Brücke angepackt und dann die Vinnumer Brücke

rnMarode Lippebrücken

18 Monate werden der Bau der Lippebrücke bei Vinnum und der Umbau der Straße von der Einmündung Markfelder Straße bis Vinnum dauern. Wann, entscheidet sich in zehn Kilometern Entfernung.

Vinnum

, 11.12.2018, 13:48 Uhr / Lesedauer: 5 min

In einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung skizzierten Vertreter der Kreise Coesfeld, Unna und Recklinghausen am Montag, wie der derzeitige Stand der Planungen ist und wie es auch mit weiteren für Olfen und Vinnum wichtigen Projekten weitergehen soll. Was sich in den nächsten Jahren in Vinnum und Umgebung tun wird, ist umfangreich. Und auch kompliziert, weil gleich drei Kreise - Unna, Coesfeld und Recklinghausen - beteiligt sind. Zum Beispiel beim notwendigen Neubau der Lippebrücke bei Vinnum und beim Ausbau der Kreisstraße (K) 2 vom Ortseingang Vinnum bis zur Markfelder Straße in Datteln samt Errichtung eines Radweges. Darüber hinaus stehen einige sogenannte verkehrsplanerische Maßnahmen aus dem Dorfinnenentwicklungskonzept Vinnum an. Dazu gehört eine Lösung für die belastete Kreuzung Haupt-, Waltroper-, Borker Straße, Im Berg. Ein Gesamtpaket, das nach und nach realisiert werden soll.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Rund 80 Frauen und Männer besuchten die Bürgerversammlung im Saal von Mutter Althoff.

Rund 80 Frauen und Männer besuchten die Bürgerversammlung im Saal von Mutter Althoff. © Arndt Brede

? Wie ist der Sachstand bei der Lippebrücke bei Vinnum?

Laut Jürgen Busch, Sachgebietsleiter Unterhaltung, Neubau und Erweiterung von Verkehrsflächen, sind Renovierung, Sanierung und Reparatur der verrosteten Brücke, die auch Risse im Stein aufweise, nicht möglich. Deshalb sei ein Neubau der Brücke erforderlich. Als die Besucher der Bürgerversammlung die Fotos der Schäden sahen, die Busch zeigte, gab es Kopfschütteln.

Regina Tümmler vom Kreis Recklinghausen gab Informationen zum aktuellen Sachstand der Prüfung der Lippebrücke bei Vinnum.

Regina Tümmler vom Kreis Recklinghausen gab Informationen zum aktuellen Sachstand der Prüfung der Lippebrücke bei Vinnum. © Arndt Brede

? Wie gravierend sind die Schäden?

Eine Prüfung am Donnerstag, 6. Dezember, und Freitag, 7. Dezember, habe ergeben, dass eine kurzfristige Sperrung der Brücke nicht notwendig sei, sagte Regina Tümmler, Ressortleiterin Kreisstraßenneu,-umbau,-ausbau beim Kreis Recklinghausen. Jedoch müsse die Brücke unterhalten werden. „Wir können sie nicht noch weitere fünf bis zehn Jahre in dem Zustand lassen, wie sie jetzt ist“, betonte sie. Es gebe jedoch noch keine durchkalkulierten Ergebnisse der jüngsten Prüfung.

? Was wird derzeit getan?

Zurzeit stehe das Planfeststellungsverfahren an, sagt Jürgen Busch. Im Planfeststellungsverfahren, das die Abläufe ordnen soll, haben Private, aber auch Behörden und Unternehmen zum Beispiel, die Möglichkeit, sich zu den Plänen zu äußern. Gegebenenfalls müssen die letztendlichen Planungen einer gerichtlichen Überprüfung standhalten. Planerisch seien die Kreise Unna und Recklinghausen schon weit, zum Beispiel, wie groß die Brücke werden soll, wie die Kreisstraße 2 künftig zwischen der Einmündung Markfelder Straße und Vinnum aussehen soll und wo ein Radweg entlanglaufen soll. Prüfungen, das sei klar, werden in kürzeren Abstände als alle sechs Jahre, wie bisher, laufen.

? Wie alt und groß ist die alte Brücke eigentlich?

Die Widerlager, auf denen die Brücke ruht, stammen aus dem Jahr 1900. Der Überbau, also die Stahlkonstruktion, wurde 1952 erneuert. Fahrzeuge über zwölf Tonnen dürfen sie nicht überfahren. „Das tun sie aber“, hieß es von Vinnumer Bürgern während der Bürgerversammlung am Montagabend. Die Brücke ist 51 Meter lang. Sie ist 5,50 Meter breit. Nutzbare Breite für den Verkehr: 3,50 Meter. „Dieser Querschnitt entspricht nicht der Verkehrsbelastung“, betonte Jürgen Busch. Sie ist einspurig.

? Wie wird eine neue Brücke aussehen?

Sie wird 68 Meter lang sein. Und sie wird zwölf Meter breit sein. Es wird zwei Fahrspuren mit jeweils 3,25 Metern Breite geben. Dazu kommt ein Rad- und Gehweg von 2,50 Metern Breite. Der Rest der Breite wird durch Bankette, Sicherheitsabstände und einen Dienstweg für Kreismitarbeiter bestimmt.

? Werden bei den Planungen auch Umwelt- und Naturschutzaspekte berücksichtigt?

Es habe Überlegungen gegeben, die alte Brücke zu verschieben, also für den Verkehr zunächst zu erhalten, während daneben eine neue Brücke gebaut wird, erklärt Busch. Eine andere Überlegung sei gewesen, die neue Brücke versetzt zu bauen und den Straßenabschnitt entsprechend anders zu legen. Das sei aber in den Studien zur Verträglichkeit mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie, einer Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union, verworfen worden. Der Eingriff in die Natur sei zu eklatant. Während der Bürgerversammlung wurde aus den Reihen der Besucher Kritik an der FFH-Studie laut. Sie sei nicht glaubhaft, hieß es. Zumal es sich beim Eingriff in die Natur durch den Brückenneubau um einen vorübergehenden und keinen dauerhaften Eingriff handele. Viele Vinnumer befürchten zudem kilometerlange Umleitungen durch Selm, Lünen und Datteln fahren zu müssen, wenn die Vinnumer Lippebrücke gesperrt ist. Die dadurch entstehenden vermehrten Abgasemissionen müssten - möglicherweise durch Referenzmessungen auf einer der Umgehungsstrecken, der Leveringhäuser Straße in Waltrop - berücksichtigt und gegen die Naturschutzaspekte abgewogen werden. Vinnumer fordern entsprechend eine andere Lösung für den Brückenneubau ohne 18-monatige Vollsperrung.

? Können die Details der FFH-Studie eingesehen werden, um Knackpunkte zu klären?

Derzeit nicht, sagt Jürgen Busch. In der offiziellen Veranstaltung zur frühen Bürgerbeteiligung vor knapp einem halben Jahr in Datteln seien Experte gewesen, die zu allen Detailfragen Antworten hätten geben können. Das sei an diesem Abend in Vinnum nicht möglich, so Busch weiter. Datteln war damals als Ort der Bürgerbeteiligungsveranstaltung gewählt worden und nicht Vinnum. Das FFH-Gutachten werde aber im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens öffentlich ausgelegt.

? Ist der Zeitpunkt dann nicht schon zu spät, um Alternativen zur Vollsperrung während des Neubaus der Brücke ernsthaft zu prüfen?

„Das ist richtig“, erklärte Jürgen Busch. Was gegen eine Offenlegung der FFH-Studie zum jetzigen Zeitpunkt spreche, sei, „dass wir im Großen und Ganzen alles Mögliche an Details eigentlich schon abgeklopft haben“. Die Bürgerbeteiligung in Datteln sei jetzt ein halbes Jahr her. „Wir sind angetreten, noch in diesem Jahr in die Planfeststellung zu gehen, um dann auch irgendwann Baurecht zu haben.“ Die Planungen nach hinten zu schieben, könne bedeuten, dass die Lippebrücke irgendwann statisch nicht mehr tragfähig ist und nach Ahsen die nächste Brücke gesperrt werden müsse. Letztendlich nehmen die Experten aus Vinnum die von den Bürgern genannten Aspekte mit und nehmen sie in die Abwägungen hinsichtlich der Planungen auf.

? Gibt es schon einen Zeitplan der Arbeiten und der beabsichtigten Vollsperrung von Straße und Brücke?

18 Monate lang sollen alle Arbeiten (Brücke, Straße) und damit auch die Vollsperrung dauern. Wann genau das sein wird, können die Vertreter der Kreise noch nicht sagen. Denn entgegen der ursprünglichen Planung müssen die Planer auch berücksichtigen, dass die Lippebrücke bei Ahsen mittlerweile voll gesperrt ist. „Ein Worst-Case-Szenario, also dass beide Brücken, die in Ahsen und die in Vinnum, gleichzeitig gesperrt sind, will niemand“, versicherte Jürgen Busch. Es läuft auf folgende Zeitschiene hinaus: Für die derzeit gesperrte Lippebrücke in Ahsen soll ein Ingenieurbüro beauftragt werden, um entscheiden zu können, was getan wird, nämlich Brückenneubau oder Provisorium. „An der Ahsener Brücke wird also mit Priorität gearbeitet“, sagt Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Es sei nach jetzigem Kenntnisstand nicht Absicht der Planungsträger, die Vinnumer Brücke vor der Ahsener Brücke zu bauen. Wann die Vinnumer Brücke neu gebaut wird, könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen. Kurzfristig jedenfalls nicht, so Sendermann. Bis dahin sind die Unterhaltungsmaßnahmen an der alten Brücke notwendig, sagt Jürgen Busch.

? Was wird an der Kreisstraße 2 gemacht?

Sie wird, was die Breite der Fahrbahn betrifft, angeglichen. Derzeit haben die Fahrbahnen, je nachdem, auf welchem Kreisgebiet sie liegen, unterschiedliche Breiten. Auf Recklinghäuser Gebiet liege die Querschnittsbreite auf 500 Metern Länge bei 7,90 Metern, sagt Busch. Auf dem Gebiet des Kreises Unna ist die Straße auf einem 800 Metern langen Abschnitt durchschnittlich 5,20 Meter breit. Die Breite auf dem Gebiet des Kreises Coesfeld liege dazwischen, sagte Busch, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Künftig wird sie eine einheitliche Breite von 6,50 Metern haben. Zusätzlich werden zwei Kurven entschärft.

? Wird es einen Radweg geben?

Er wird einseitig auf der Westseite geführt. Radfahrer werden die Markfelder Straße zur Kreisstraße 2 künftig sicher queren. Es soll eine verkehrsabhängige Ampel an der Einmündungen geben.

Vinnumer fordern eine Lösung für die Kreuzung Haupt-, Waltroper-, Borker Straße, Im Berg. Ein Kreisverkehr könnte Gefahren minimieren, heißt es.

Vinnumer fordern eine Lösung für die Kreuzung Haupt-, Waltroper-, Borker Straße, Im Berg. Ein Kreisverkehr könnte Gefahren minimieren, heißt es. © Arndt Brede

Diese rot-weißen Poller sollen verhindern, dass über die Gegenfahrbahn überholt wird.

Diese rot-weißen Poller sollen verhindern, dass über die Gegenfahrbahn überholt wird. © Arndt Brede

Nicht selten fahren Lastwagen durch Vinnum. Meistens zu schnell, sagen Vinnumer.

Nicht selten fahren Lastwagen durch Vinnum. Meistens zu schnell, sagen Vinnumer. © Arndt Brede

? Ist eine Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt Vinnum vorgesehen?

Anwohner kritisierten in der Versammlung, dass dort viel zu schnell gefahren werde. Sowohl aus Vinnum heraus als auch nach Vinnum rein. Zudem habe der Verkehr erheblich zugenommen. „Eine Umgehungsstraße wird es nicht geben“, verkündete Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Nach der Prüfung, ob eine Umgehungsstraße notwendig sei, haben sich die Stadt Olfen und der Kreis Coesfeld dazu entschieden, die Verkehrssituation auf der Hauptstraße zu verbessern. So sei ein Kreisverkehr an der jetzigen Kreuzung Haupt-, Waltroper-, Borker Straße, Im Berg vorgesehen. „Für die Kreuzung besteht akuter Handlungsbedarf, vor allem in baulicher Hinsicht“, erklärte Anlieger Reinhard Ahmann. Vinnumer fordern, den Bau des Kreisverkehrs vorzuziehen. Um das überhöhte Tempo dort zu bremsen und um auch zum Beispiel landwirtschaftlichen Fahrzeugen die Überquerung der Hauptstraße zu erleichtern. Diese Überlegung wird beim Kreis Recklinghausen und bei der Stasdt Olfen ebenso geprüft wie eine Temporeduzierung vor allem auf der Waltroper Straße. Anwohner bezeichnen diese Straße als Rennstrecke. Sie sei auch eine Gefahr für Kinder der Anwohner und aus der nahe gelegenen Kindertagesstätte. „Die Autobahn beginnt schon in Vinnum“, skizzierte eine Anwohnerin, wie schnell gefahren wird.

Vinumer Anlieger kritisieren, dass die Waltroper Straße, ob ortsauswärts oder in Richtung Vinnum eine Rennstrecke sei.

Vinumer Anlieger kritisieren, dass die Waltroper Straße, ob ortsauswärts oder in Richtung Vinnum eine Rennstrecke sei. © Arndt Brede

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