Notruf im Chat-Fenster: Wie die Feuerwehr die Standort-Funktion von Whatsapp nutzt

rnDigitale Feuerwehr

Über Whatsapp lässt sich in Echtzeit der eigene Standort verschicken. Die Feuerwehr hat diese Funktion längst für sich entdeckt und nutzbar gemacht. Im Notfall hilft das Chat-Fenster.

Olfen

, 25.06.2019, 17:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine Horrorvorstellung. Man steckt in einer Notsituation auf unbekanntem Terrain. Man weiß nicht, wo man ist. Das komme schon vor, dass Notrufe eingehen, und die Leute nicht wissen, wo sie sind und sich absolut nicht orientieren können, erklärt Daniel Pfau, Leiter der Feuerwehr-Kreisleitstelle Coesfeld.

So war es auch am Samstag, 22. Juni, beim Brand im Hullerner Wald. „Wir fragen zunächst ab, ob es irgendetwas gibt, woran die Leute sich orientieren können, Masten oder Straßenschilder“, sagt er.

„Als allerletztes Mittel geben wir dann die Nummer eines Handys durch, das hier in der Leitstelle liegt“, erklärt er weiter. Dann können die Betroffenen ihren genauen Standort via GPS-Ortung des Smartphones über Whatsapp an das Leitstellen-Handy schicken.

Navigationsgerät im Fahrzeug von der Leitstelle gespeist

So geschehen in Hullern. Die Koordinaten werden an den Leitstellenrechner übermittelt, der automatisch erkennt, welche örtliche Feuerwehr zu benachrichtigen ist.

Im nächsten Schritt benachrichtigte die Kreisleitstelle dann auch die Olfener Feuerwehr. „Das Navi vom Ersthelfer-Fahrzeug wird von der Leitstelle gespeist“, erklärt Markus Pöter, stellvertretender Leiter der Olfener Feuerwehr auf Anfrage der Redaktion.

Auch ein zweites Fahrzeug soll bald dementsprechend umgerüstet werden, sagt er. „Die Digitalisierung geht auch an der Feuerwehr nicht vorbei“, meint er. Beispielsweise gebe es auch eine App zum Lokalisieren von Hydranten, erklärt Pöter.

Notruf dauert vielleicht länger, aber die Zeit ist „gut investiert“

Die Möglichkeit der Standortübermittlung per Whatsapp an die Leitstelle gebe es seit rund drei Jahren, sagt Daniel Pfau. „Das wird in den Sommermonaten relativ häufig benötigt, weil viele Auswärtige zum Fahrradfahren in den Kreis kommen“, sagt er.

Dann komme es aber auch mal vor, dass man Leuten erst erklären müsse, wie das Senden des Standortes funktioniert und somit der Notruf länger dauert. „Das stimmt“, sagt Pfau, „aber besser die zwei Minuten länger brauchen, als nicht zu wissen, wo genau man den Rettungswagen hinschicken muss.“ Dann sei „die Zeit gut investiert“, sagt er.

Feuerwehr muss sich besser auf Waldbrände einstellen

Markus Pöter meint: In Hullerner Fall könne man noch von Glück sprechen, dass sich das Feuer schleichend ausgebreitet hatte und somit nur eine Fläche von rund 40 Quadratmetern brannte.

Das hätte schlimmer ausgehen können. Bei der aktuellen Hitze erreicht laut Feuerwehr die Waldbrandgefahr Stufe vier von fünf. „Besondere Vorsicht ist geboten“, sagt Pöter. Trockenheit und Hitze sorgen für die große Gefahr. „Generell müssen wir auf das Thema Waldbrand besser vorbereitet sein“, meint der Feuerwehrmann. Man müsse die Ausrüstung anpassen und sich auch taktisch darauf einstellen, sagt er.

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