Frauke Hischer aus Olfen arbeitet im Home-Office, seit sie ihr erstes Kind bekommen hat. „Für mich ist es die einzige Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen“, sagt sie.

Olfen

, 21.06.2019, 11:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Moment, ich muss mich noch kurz abmelden“, sagt Frauke Hischer. Anschließend macht sie ein paar Klicks an ihrem Laptop und hat Dienstpause. Zum Gespräch geht es auf die Terrasse.

Auch hier arbeitet Frauke Hischer gerne. Direkt neben dem Eingang ist eine Steckdose. Als es im vergangenen Jahr so heiß war, hat sie auch schon mal ein Planschbecken vor ihre Füße gestellt und so mit angenehmer Abkühlung gearbeitet. „Im Büro wäre das nicht möglich gewesen“, sagt die 35-Jährige und lacht. Jetzt hört man die Vögel zwitschern und die Sonne scheint, kein schlechter Ort für ein Büro.

Viele Arbeitnehmer arbeiten inzwischen im Home-Office

Frauke Hischer arbeitet im Vertrieb bei einer großen IT-Firma in Dortmund. 35 Stunden die Woche. Davon ist sie aber nur acht Stunden im Büro, die restlichen Stunden arbeitet sie von Olfen aus, im Home-Office. So wie ihr geht es inzwischen vielen Arbeitnehmern. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom waren es im Jahr 2018 39 Prozent der Arbeitnehmer, die vollständig oder zumindest teilweise im Home-Office tätig waren.

Für Frauke Hischer war Home-Office die Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ein Jahr nachdem sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, wurde sie schwanger. Da hat sie ihrem Arbeitgeber gesagt, „ich würde gerne bleiben, wenn die Möglichkeit besteht, ein paar Stunden von zu Hause aus zu arbeiten.“ Was sie sonst gemacht hätte? Sie weiß es nicht. Wahrscheinlich hätte sie irgendwann einen anderen Arbeitsplatz suchen müssen, der näher dran ist. Vielleicht hätte sie sich zwischendurch einen kleinen Job gesucht, bei dem sie an der Kasse sitzt, sagt sie.

Das Home-Office bei ihrer jetzigen Arbeit war ein Testballon. „Mein Mann und ich waren uns einig, wenn das nicht geht mit dem Home-Office, entscheiden wir uns für die Familie“, erzählt Frauke Hischer. Aber es funktionierte. Jetzt schon seit elf Jahren.

Direkt wieder in den Job

Nach dem Mutterschutz arbeitet sie 20 Stunden die Woche. Morgens, ihr Sohn ist dann bei der Oma. „Einen Kinderkrankenschein hatte ich in den 11 Jahren nur einmal“, sagt Frauke Hischer. Keine Elternzeit, weniger Ausfälle, davon profitiert Frauke Hischers Unternehmen. Doch auch sie profitiert und schätzt die Flexibilität, die ihr das Home-Office bietet: morgens zum Elternsprechtag, kein Problem. Ein krankes Kind oder eine geschlossene Kita, macht nichts. Auch den Paketboten verpasst man im Home-Office in der Regel nicht.

„Es gibt viele Mütter, die das machen“, sagt Frauke Hischer. Laut einer Erhebung von Bitkom aus dem Jahr 2011 ist der Anteil von Männern oder Frauen, die Home-Office machen, tatsächlich fast identisch hoch.

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Trennung zwischen Arbeit und Haushalt

Allerdings sind es dennoch vor allen Dingen die Frauen, die auch im Home-Office die Erziehungsarbeit leisten. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI kümmern sich Frauen im Home-Office zwischen eineinhalb und drei Stunden mehr um ihre Kinder, als Frauen, die nicht im Home-Office arbeiten. Gleichzeitig arbeiten sie meistens noch eine Stunde länger. Männer hingegen kümmerten sich gemäß der Studie allerdings nicht mehr um ihre Kinder als Männer mit Büro-Präsenzzeiten.

Die Trennung zwischen Bürojob und Haushalt ist auch für Frauke Hischer ein Thema. Aber eins, was sie strikt angeht. „Man muss den Haushalt von der Arbeit trennen“, sagt sie „wenn irgendwo ein Wäscheberg liegt, dann wird der eben erst abends weggefaltet“, sagt Frauke Hischer. Den Wäscheberg könne man im Büro schließlich auch nicht weglegen.

Auch Frauke Hischers Kinder, inzwischen sechs und elf Jahre alt, sind mit ihrer Mutter im Home-Office groß geworden. Wenn sie einen geschäftlichen Anruf hat und die Kinder gerade laut sind, haben sie ein Schnippsgeräusch und ein Handzeichen verabredet, das den Kindern anzeigt, dass es jetzt wichtig ist, dass sie leise sind. Das klappe ganz gut, sagt Frauke Hischer.

Vorteile gegenüber herkömmlichen Arbeiten

Die Olfenerin ist überzeugt vom Home-Office. Wenn sie einen Bürotag hat, freut sie sich darauf, ihre Kollegen zu sehen. Andererseits: „Wenn 20 Leute in einem Raum gleichzeitig telefonieren, krieg ich ’nen Rappel“, sagt sie. Und auch die Fahrtzeit nach Dortmund, die ließe sich doch besser nutzen, findet sie.

Und wie funktioniert das Trennen von Arbeit und Privatleben, wenn der Laptop ständig bereit steht und der Arbeitsplatz das eigene Zuhause ist? Für Frauke Hischer offenbar kein Problem.

„Ich kann den Laptop ja in die Tasche stecken“, sagt sie. Und dann ist der Platz im Gartenstuhl plötzlich Ort zum Entspannen und kein Arbeitsplatz mehr.

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