„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

rnRestaurant-Check

Gut-bürgerliches Essen gibt es im Hotel-Restaurant Zur Rauschenburg in Olfen. Bei unserem Restaurant-Check erwarten wir Grundsolides, machen aber auch eine Schoko-Entdeckung.

Olfen

, 06.04.2019, 05:20 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein großes, in Fraktur beschriebenes Holzschild hängt über dem Eingang zum Saal. „Hier kann man futtern wie bei Muttern“ steht drauf. Ein Motto, das passt zur Rauschenburg in Olfen. Grundsolides Essen: Das ist es, was meine Freundin Jesse und ich erwarten, als wir für den Restaurant-Check die große, alte Tür zu dem traditionsreichen Olfener Lokal öffnen.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

In dem Restaurant Rauschenburg ist das Motto: futtern wie bei Muttern. © Marie Rademacher

Am Tresen lehnt eine freundliche Frau: unsere Bedienung. Sie lacht uns an, als hätte sie schon auf uns gewartet. Vielleicht hat sie das sogar: Wir haben einen Tisch für 19.30 Uhr reserviert. Und außer uns haben an diesem nasskalten Donnerstagabend nicht so viele andere Besucher den Weg zur Rauschenburg gefunden. Wenn die Sonne scheint, sieht es in dem Restaurant, das auch einen großen Biergarten hat, ganz anders aus, wird Betreiber Franz-Josef Tenkhoff einen Tag später erklären. Im zweiten Quartal des Jahres, wenn die Spargelzeit losgehe und wieder viele Radfahrer unterwegs sind, sei immer richtig was los. An diesem Abend, zu relativ später Stunde, sieht das noch ein bisschen anders aus. Die Ruhe macht uns aber nichts aus - im Gegenteil.

Die Atmosphäre:

Jesse und ich haben zusammen Geschichte studiert und teilen eine Liebe zu antiken Möbeln: Deshalb gibt es in der Rauschenburg für uns einiges zu entdecken. Die Theke zum Beispiel ist noch ein Original aus den 60er-Jahren. Ein altes Schätzchen, wie es heute wahrscheinlich gar nicht mehr gefertigt wird. Überall in dem wirklich großen Restaurant-Bereich, der sich in mehrere Säle untergliedert, stehen antike Möbel, die größtenteils aus dem 19. Jahrhundert stammen. Besonderer Hingucker ist der große Holzschrank hinter der Theke. „Der ist schätzungsweise 130 Jahre alt“, sagt Franz-Josef Tenkhoff. „Aber das habe ich auch vor zehn Jahren gesagt“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

„Was nicht behagt, nur gleich gesagt!“: Dieser Satz ist oben in den Thekenschrank eingraviert. Ein gutes Motto für so einen Restaurant-Check.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

In dem Restaurant Rauschenburg ist das Motto: futtern wie bei Muttern. © Marie Rademacher

Die Umgebung und die Geschichte:

Ein „Ach... schön“ entfährt Jesse und mir, als wir an unserem Tisch ankommen und durch die großen Fenster in eine idyllische Landschaft schauen. Die Rauschenburg liegt direkt in den Lippewiesen, ganz am Rand von Olfen. Kein zufälliger Standort, direkt an der Rauschenburg war früher (ab 1878) eine Brücke über die Lippe - also von Olfen nach Datteln. Vom Münsterland ins Ruhrgebiet. Damals gab es noch das sogenannte Chauseegeld, das in der Rauschenburg entrichtet werden musste. Heißt: Viele Menschen kehrten ein - eine Schankstelle lohnte sich. Und dabei ist es anscheinend bis heute geblieben, auch wenn es besagte Brücke nicht mehr gibt.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

Die Rauschenburg liegt direkt an der Lippe. © Jessica Bader

Aus der Speisekarte lernen wir außerdem, dass die Geschichte der Rauschenburg noch viel weiter zurückgeht. Erstmals erwähnt wurde sie 1326, war ursprünglich eine richtige Wasserburg. Vom ursprünglichen Gebäude sind nur noch ein paar Mauern im Keller übrig. Aber Schluss mit der Geschichtsstunde: Wir sind ja schließlich zum Essen hier.

Die Auswahl:

Die Speisekarte enthält eine ordentliche Auswahl, sie ist allerdings auch nicht zu groß, was mir sehr gut gefällt. Offen gesagt hatte ich vorher ein bisschen Sorge, ob ich als Vegetarierin überhaupt etwas finde in der Rauschenburg. Das war nicht berechtigt. Sowohl bei der Vorspeise als auch beim Hauptgericht kann ich zwischen mehreren Speisen wählen - beim Nachtisch sowieso.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

Forelle zur Vorspeise © Marie Rademacher

Vor allem Fleischesser - meine Freundin Jesse gehört dazu - und Liebhaber von rustikalem Essen kommen auf ihre Kosten. Es gibt zum Beispiel Bauernsülze oder Spiegeleier mit Bratkartoffeln, einen strammen Max, belegte Schnittchen, Gulaschsuppe, Zwiebelschnitzel, Schweinefilets, Westfälische Krüstchen oder Schweinelendchen, aber auch Forelle oder Lachs.

Wenn die Spargelsaison beginnt gibt es zusätzlich zur aktuellen Speisekarte noch eine Spargelkarte. „Da warten die Leute schon drauf“, so Franz-Josef Tenkhoff. Dafür waren wir allerdings noch ein paar Tage zu früh dran.

Das Essen:

Macht nichts: Wir werden auch so fündig. Als Vorspeise wählt Jesse eine geräucherte Forelle mit Toast und Sahnemeerrettich, ich nehme die fruchtige Tomatensuppe. Beides ist zügig am Tisch und schmeckt lecker. Der Tomatensuppe hätte eine kleine Sahnehaube gut getan, aber auch ohne kommt sie mir gerade richtig, weil draußen so mieses Wetter ist.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

Die Tomtensuppe © Marie Rademacher

Die Forelle lobt Jesse. Ob sie selbst geräuchert ist, vermag sie nicht zu sagen. Aber zumindest schmecke sie nicht so, als käme sie aus einem Packung vom Supermarkt. Fazit: Schmeckt gut.

Auch auf den Hauptgang warten wir nicht lang: Er kommt fast nahtlos an die Vorspeise zum Tisch. Ich habe eine Gemüsepfanne mit Spätzle gewählt. Sie ist gut gewürzt, das Gemüse nicht überkocht.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

Das Rinderhüftsteak mit Pommes und Salat © Marie Rademacher

Jesse hatte ein Hüftsteak vom Rind bestellt. Mit Pommes und Salat. Es kommt - wie bestellt - medium zum Tisch und ist schön zart. Die Pommes sind heiß, der kleine Salatteller schön erfrischend dazu.

Die Portionen haben eine gute Größe. Aber Nachtisch geht immer. Wir teilen uns einen Eisbecher mit Pfirsichstückchen und Himbeersoße. Vor allem aber machen wir auf der Getränkekarte eine Entdeckung: den Chocato mit Schuss. Das ist eine heiße Schokolade mit Espresso und wahlweise Amaretto, Averna oder Baileys. Jesse nimmt ihn mit Amaretto, ich mit Baileys und er schmeckt echt lecker. Eine richtige Entdeckung für uns beide.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

Spätzle mit Gemüse © Marie Rademacher

Zusammengefasst: In der Rauschenburg gibt es gut-bürgerliches Essen. Die Karte ist zwar übersichtlich, dafür hat alles, was darauf ist, „Hand und Fuß“ (natürlich nur sprichwörtlich gemeint). Vor allem das Ambiente gefällt uns. „Ich stelle mir das als Ausflugsziel bei einer Radtour bei gutem Wetter auf einen Kaffee oder einen Choccato auch draußen richtig schön vor“, sagt Jesse.

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

Eine echte Entdeckung: der Choccato mit Schuss. © Marie Rademacher

Die Preise:

Insgesamt zahlen wir am Ende für zwei Hauptgerichte, zwei Vorspeisen, einen Nachtisch, zwei Chocatos und mehrere kalte Getränke 54,40 Euro. Der teuerste Posten auf der Rechnung ist mit 16,50 Euro das Rinderhüftsteak. Völlig in Ordnung, finden wir.

Der Service:

Was uns vom ersten Schritt in die Rauschenburg positiv auffällt: unsere Bedienung. Die Kellnerin ist super freundlich, humorvoll und aufmerksam. Das Essen kommt schnell an den Tisch, wir müssen nicht warten und fühlen uns die ganze Zeit rundum versorgt. Kompliment!

„Futtern wie bei Muttern“: Grundsolide Küche in der Olfener Rauschenburg

Ein historisches Bild der Rauschenburg hängt an der Wand es Restaurants. © Marie Rademacher

Restaurant-Infos:

„Zur Rauschenburg“ ist nicht nur ein Restaurant, sondern auch ein Hotel mit neun Zimmern (zwölf Betten). Hier geht es zur Homepage.

Die Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 12 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 23 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage.

Kontakt: Zur Rauschenburg, Lehmhegge 22, Tel. (02363) 31911.

So funktioniert der Restaurant-Check:
Wir gehen ohne Ankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Lokale so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken.
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