Gefahr für die tolle Knolle

Es ist der feuchteste Sommer im Münsterland seit zehn Jahren. Das wirkt sich auch auf den Feldern aus. Die Kartoffel ist von der Nässe besonders bedroht.

von Matthias Münch

, 08.07.2007, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gefahr für die tolle Knolle

Kartoffelbauer Heinrich Vinnemann auf seinem Acker.

Auf 14 Hektar produziert der Olfener Landwirt Heinrich Vinnemann die nahrhafte Knolle. Es ist leichter Sandboden. Und trotzdem fließt das Wasser an manchen Stellen nicht mehr ab. «Die Berufskollegen, die Kartoffeln auf schweren undurchlässigen Böden anbauen, sind noch viel schlimmer dran», weiß Heinrich Vinnemann.

Übeltäter erkannt

Der Übeltäter, der den Kartoffelbauern in diesem Jahr überall schwer zu schaffen macht, ist ein Pilz namens Phytophthora. Er verursacht die Kraut- und Braunfäule. «Durch das nasse Wetter entwickelt sich der Pilz besonders gut», erklärt Vinnemann. Zuerst befällt er das Blatt. Dann wandert er nach unten und verursacht die Braunfäule an den Knollen. Die Folge, so Bauer Vinnemann: «Die Kartoffel verfault oder ist zumindest nur sehr eingeschränkt lagerungsfähig.» Auch auf Vinnemanns Land sind schon einige Flächen abgängig, die Pflanzen dort durch die Fäule komplett abgestorben. Damit nicht die ganze Ernte Schaden nimmt, gehen die Landwirte mit Fungiziden gegen den Pilz vor. «Wir müssen mindestens einmal pro Woche spritzen, um die Infektion im Zaum zu halten», sagt Vinnemann.

Das hat natürlich erhebliche wirtschaftliche Folgen. Zum Ausfall auf den betroffenen Flächen kommen die Kosten für die Fungizide. Und obendrein haben die Bauern mehr Arbeit bei der Ernte, weil die sorgfältig durchsucht werden muss. Denn eine befallene Kartoffel steckt alle anderen an. «Jede faule Knolle muss raus», so Vinnemann.

Zweiter Stamm

Nicht nur wegen des Regens ist die Kraut- und Braunfäule in diesem Jahr schlimmer als je zuvor, erklärt der Olfener Landwirt: «Bisher hatten wir in Europa nur einen Stamm des Erregers. Nun ist ein zweiter von Amerika zu uns herüber gekommen.» Damit sei die Pilzkrankheit aggressiver geworden. Doch damit immer noch nicht genug der Sorgen. Denn neben dem Pilz droht ein zweiter Schädling: das Bakterium Erwinia. Es verursacht die Stängel- und Knollennassfäule. Sie zeigt sich in weißem Befall in der Kartoffel. Heinrich Vinnemann hat aber für dieses Jahr die Flinte noch nicht ins Korn (oder besser ins Kartoffelfeld) geworfen: «Ich hoffe, dass es bald trockener wird, damit sich die Verluste in Grenzen halten.»

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