Akkordeon spielen, das kann der Olfener Gerd Herzing richtig gut. Doch die Instrumente des Musikers haben noch viel mehr auf dem „Kasten“, als man glaubt.

Olfen

, 01.08.2018, 12:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Akkordeonspielen ist er in seinem Element: Wenn Gerd Herzing kleine Kostproben seines Könnens gibt, fliegen die Finger über die Tasten und Knöpfe des Instruments, dass man ins Staunen kommt.

Doch eigentlich ist Herzing ein Meister der Soundexpander-Klänge: Er entwickelt Klänge, sogenannte „Patches“, die den Akkordeonisten praktisch in eine Drei-Mann-Band verwandeln.

Am Computer oder am Keyboard mixt er Klänge, Playbacks oder Instrumente. „Soundexpander für midifizierte Akkordeons“ heißt es in der Fachsprache. Und Gerd Herzing ist deutschlandweit der führende Experte für diese Soundmodule.

Klänge individuell abstimmen

„Für jedes Akkordeon-Midi-System, für jeden Spielertyp, kann ich individuell die Klänge abstimmen“, erklärt der Musiker. Viel wichtiger: Alle Klangeinstellungen und die Lautstärke können über Funk gesteuert werden. „Das Funksystem der bayerischen Firma SIMPL-Technology macht diese Einstellungen möglich. Es ist das einzige Audio- und Midi-Funkgerät, das in Europa auf dem Markt ist“, erzählt Herzing stolz.

Ob Jodelklänge, Streicher, Chor oder Klarinettenklänge aus dem Akkordeon kommen sollen: Der Spieler muss, um zu wechseln, nicht aufstehen und zu einem Verstärker laufen. Störende Kabel gibt es nicht. Ein kleines Gerät, Sender und Empfänger zugleich, ist oben am Akkordeon angebracht; das Pendant ist an das bis zu 30 Meter entfernt stehende Beschallungssystem gekoppelt.

Tanzmusik per Funk

Dann naht die Klang-Demonstration. „Seit 60 Jahren mache ich Tanzmusik“, erzählt der Olfener. Er tippt etwas in das Funkgerät und beginnt zu spielen. Sofort erklingen die Mandolinenklänge zum Udo-Jürgens-Hit „Griechischer Wein“. Mit Bläserklängen spielt Herzing eine Polka, das Lied „Kalinka“ kommt mit Männerchor daher. Mitunter hört es sich tatsächlich so an, als würde eine ganze Band spielen.

Elvis oder Buddy Holly, die „Superjeile Zick“ oder „Tulpen aus Amsterdam“ – es gibt kaum einen Musikwunsch, den Gerd Herzing nicht ohne Weiteres umsetzt. „Ich hab mir bei meinen Auftritten immer eine Band gewünscht, früher gab es ja keine Elektro-Gitarren oder Verstärker“, erzählt er über seine Idee.

Einzigartiges System

Bis Gerd Herzing seine Sounds optimiert hatte, habe es „schon ein paar Jahre gedauert“. Noch heute sitzt er manchmal bis zu zwei Tage an einer Registrierung, bis sich alles so anhört, wie es muss.

„Das Funksystem ist einzigartig; ich habe es getestet und viele Ideen mit eingebracht“, erklärt Gerd Herzing. Die Akkordeonspieler wissen es jedenfalls zu schätzen: Erst gestern noch sei ein Kunde aus Mannheim da gewesen, in der Woche zuvor hat Herzing jemanden aus Würzburg beraten.

Das Akkordeon von Gerd Herzing: „Damit spiel ich jede Band an die Wand“, sagt er.

Das Akkordeon von Gerd Herzing: „Damit spiel ich jede Band an die Wand“, sagt er.

Und wenn dann wieder ein Musikauftritt vor Publikum naht, legt Gerd Herzing los. „Richtig handgemachte Musik“ nennt er das. Und seine Band, seine Playbacks – die mischt er eben selbst dazu.

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