Viele Fragen hatten die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Olfen an die Bundestagskandidaten, dabei ging es oft auch um ganz praktische Dinge. © Thomas Aschwer
Podiumsdiskussion

Gesamtschüler in Olfen wollen es vor der Wahlentscheidung genau wissen

Angela Merkel war „ihre“ Kanzlerin - von klein auf an. Wer ihre Nachfolge antritt, entscheiden auch viele Oberstufenschüler der Gesamtschule Olfen mit. Aber wen wünschen sie sich?

Johanna Schäfer und Fabia Eckert (beide 18) haben sich bereits entschieden. Sie wollen auf jeden Fall zur Wahl gehen. Wie ihnen ergeht es nach Einschätzung der beiden Oberstufenschülerinnen auch vielen anderen jungen Frauen und Männern an der Gesamtschule Olfen-Datteln. „Viele freuen sich, dass sie zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl wählen dürfen“, sagt Fabia Eckert aus Selm. Damit nicht genug. Den Mitschülerinnen und Mitschülern seien vielfältige Informationen vor der Stimmabgabe wichtig.

Die Gesamtschule Olfen-Datteln ist sich dieser Verantwortung bewusst. „Es ist eine Aufgabe von Schulen, Jugendliche zu kritischen Menschen zu erziehen“, sagt Schulleiter Dr. Jerome Biehle zu Beginn einer Podiumsdiskussion mit den Bewerbern aus dem Wahlkreis Coesfeld/Steinfurt II. Er wünschte sich deshalb eine „Lehrstunde der Demokratie und für die Demokratie“. Die Schülerinnen und Schüler sollten deshalb keine Hemmungen haben. „Stellt eure Fragen.“ Gesagt, getan.

Bereits im Unterricht hatten sich die Oberstufenschülerinnen -und schüler intensiv mit Parteien, ihren Wahlprogrammen und dem Bundestag beschäftigt. Sie hatten recherchiert und diskutiert. In der Runde mit Marc Henrichmann (CDU), der bei der Bundestagswahl 2017 das Direktmandat gewann, mit Johannes Waldmann (SPD), Dr. Anne-Monika Spallek (Grüne), René Arning (FDP), Klaus Stegemann (Die Linke) und Helmut Birke – er war für die AfD in Vertretung von Kandidat Dr. Leonhard Martin (AfD) gekommen, wurde es schnell sehr konkret.

Marc Henrichmann setzt auf den technischen Fortschritt

Ein Schüler wollte wissen, welche Alternative die Bundestagskandidaten zu E-Autos sehen, „denn mit dem E-Fahrzeug kann ich keinen Pferdeanhänger ziehen“. Eine Einschätzung, die Dr. Anne-Monika Spallek teilte. Sie habe zwar ein kleines E-Fahrzeug. Auf ihrem Hof gebe es aber auch einen Schlepper und ein Auto mit klassischem Verbrennermotor für den Pferdeanhänger. „Weiter so ist keine Option“, sagte die Bundestagskandidatin der Grünen. Aus ihrer Sicht sei bei dem Thema Umweltschutz in den vergangenen 16 Jahren „viel verschlafen worden“.

Einen ganz anderen Ansatz vertrat Marc Henrichmann bei diesem Mega-Thema im Wahlkampf. „Ich will Optimismus verbreiten.“ Henrichmann räumte ein, dass in den „letzten Jahren nicht alles gut gelaufen ist“. Er setzt aber für die nächsten Jahre vor allem auf den technischen Fortschritt.

„Rappelvoll
„Rappelvoll“ war es im Forum der Gesamtschule Olfen bei der Podiumsdiskussion mit den Bundestagskandidaten. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Renè Arning, selbst in der Branche tätig, kritisierte die aus seiner Sicht zu starke Ausrichtung auf E-Mobilität. Er wünscht sich Alternativen wie neue Kraftstoffe oder Wasserstoff. Wie unterschiedlich die Positionen der Parteien und ihrer Vertreter ist, machte Helmut Birke für die AfD deutlich. Klimawandel habe es schon immer gegeben. Aus seiner Sicht ist Deutschland „der moralische Weltmeister“. Viele Länder würden ganz anders handeln.

Linke fordert sofortige Stilllegung des Kohlekraftwerks Datteln

Johannes Waldmann richtete den Blick vor allem auf den stark steigenden Stromverbrauch in den nächsten Jahren. Deshalb sei es wichtig, stark in erneuerbare Energien zu investieren. Aus seiner Sicht ist es unverständlich, dass es in seinem Heimatort Davensberg nicht ein einziges Windrad gibt. Als „fundamental links“ stellte sich Klaus Stegemann vor. Wenig überraschend forderte er in der Diskussion die „sofortige Stilllegung des Kohlekraftwerks Datteln 4. Wir müssen deutlicher handeln.“

Wie unterschiedlich die Positionen der Politiker sind, wurde auch beim seit Jahren heftig diskutierten Thema Tempolimit deutlich. Aus Sicht von Marc Henrichmann sind hohe Geschwindigkeiten auf Autobahnen für wenige Unfälle verantwortlich und „auch die Klimaeffekte sind gering“. Die Grünen und die Linke sind hingegen für eine Tempolimit. „Jedes Leben zählt“, sagt Anne-Monika Spallek. Jetzt sind die Schülerinnen und Schüler gefragt. Einige waren sich bereits vor Diskussionsbeginn in ihrer Wahl sicher, andere wollen die Aussagen reflektieren und sich dann entscheiden. Für Johanna Schäfer und Fabia Eckert ist vor allem wichtig, „dass möglichst viele wählen gehen“.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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